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Das Fenster zur anderen Straßenseite

17. Mai 2021

Ich habe letztes Jahr, meiner Mama sei Dank, den wirklich sehr unterhaltsamen Thriller „The Woman in the Window“ von A.J. Finn gelesen – eine spannende Story mit einer interessanten und gut geschriebenen Protagonistin und ein Buch, das sich vor allem für Film-Liebhaber mehr als nur eignet. Und so, wie das Buch geschrieben war, hat man schon von Anfang an gemerkt, dass sich Autor Finn dringlichst eine Verfilmung seines Romans gewünscht hatte. Was dann auch passierte: „Anna Karenina“-Regisseur Joe Wright nahm sich des Stoffes an und machte Amy Adams zu seiner „THE WOMAN IN THE WINDOW“. Doch trotz eines starken Casts ist der Film am Ende nicht die gewünschte Neuinterpretation von „Das Fenster zum Hof“…

Anna Fox (Adams) leidet seit einem schweren Schicksalsschlag an Agoraphobie und hat ihr Haus schon lange nicht mehr verlassen. Sie ertränkt ihre Einsamkeit in Alkohol, vermischt das Ganze leider mit ihren zig verschiedenen Medikamenten und lebt einsiedlerisch mit ihrer Katze und einem gut gefüllten Regal voller Filmklassiker in ihrem viel zu großen Haus. Eines Tages ziehen gegenüber neue Nachbarn ein. Zuerst macht der Sohn der Russells, Ethan (Fred Hechinger) seine Aufwartung, dann folgt seine Mutter Jane (Julianne Moore). Doch irgendwann beobachtet Anna gegenüber einen Streit, bei dem sie sieht, wie Jane erstochen wird. Problem ist nur: Keiner will ihr glauben. Die Polizei wird eingeschaltet… doch Janes Mann Alistair (Gary Oldman) versteht das alles nicht, denn seine Frau Jane (Jennifer Jason Leigh) lebt doch. Schnell wird das Ganze auf Annas Mix aus Alkohol und Medikamenten geschoben… doch die ist sich sicher, dass Jane tot ist.

Um mal das Buch kurz außer Acht zu lassen: Rein äußerlich betrachtet ist „The Woman in the Window“ ein ziemlich groß aufgelegter Film. Das Ganze ist hochkarätig besetzt und die Darsteller geben sich ihren Rollen auch wirklich gut hin. Allen voran Amy Adams, die in der Rolle von Anna Fox komplett aufgeht. Es tut echt weh, sie so leiden zu sehen. Zu sehen, wie sehr sie an sich zweifelt und irgendwie versucht, die Welt um sich herum in klare Verhältnisse zu bringen. Auch Gary Oldman ist als aufbrausender Nachbar bedrohlich und fies. Im Geheimen gibt es in diesem Film sogar eine „Falcon and the Winter Soldier“-Reunion, denn sowohl Wyatt Russell als auch Anthonie Mackie spielen kurz mal mit… Am Cast kann man bei diesem Film also wirklich nicht meckern.

Auch optisch hat Joe Wright einige fantastische Bilder zu liefern, die einmal mehr zeigen, dass er wirklich ein sehr visueller Regisseur ist. Das große Haus (übrigens auch ein fantastisches Set) wird von ihm gut genutzt und wird zu einem richtigen Charakter.

Doch damit beende ich ein wenig die Lobeshymnen auf den Film. Die Story wirkt sehr überhastet und überladen – und teilweise ignoriert sie einfach auch elementare Dinge. Wie zum Beispiel Annas Agoraphobie. Es gibt sowohl im Buch als auch im Film Szenen, in denen Anna raus muss – weil es nicht anders geht. Während das im Buch (das ja auch aus der Sicht von Anna erzählt wird) echt nervenzerreißend ist, hat Anna im Film irgendwie nie ein sonderlich großes Problem damit, mal eben aus dem Haus zu rennen. Allein daraus hätte der Film einfach wirklich mehr machen sollen und müssen.

Gleichzeitig wirkt die Story auch zu gehetzt… gerade wenn man das Buch kennt, wirkt es echt so, als würde Joe Wright wichtige Punkte in Annas Entwicklung einfach mal überspringen. Die Spannung, die gerade die berühmte Inspiration von Hitchcock ausmachte, fehlt „The Woman in the Window“ in vielen Punkten. Stattdessen versteckt sich das Ganze zu sehr hinter Annas Alkohol-Konsum und verfehlt dabei die Chance, den Terror ihrer Verzweiflung und die spannende Ermittlung ihrerseits weiter auszubauen. Da gibt es dann zwischendurch schnell mal zusammengehackte Szenen, in denen ein bisschen im Internet recherchiert wird und das muss dann reichen. Gerade bei dem Cast hätte ich mir dann doch gewünscht, man hätte die ganzen Charakterentwicklungen besser ausgearbeitet.

„The Woman in the Window“ ist kein schlechter Film, aber gerade im Vergleich zum Buch verliert er bei mir viele Punkte. Zumal da einfach viele Dinge drin sind, die man auch filmisch gekonnter hätte umsetzen können. Leider handelt Wright das alles aber einfach etwas zu voreilig und schnell ab und verliert dabei auch an Stimmung innerhalb des Films, bei dem die Spannung nie so richtig aufkommen will, weil einfach viele der vermeintlichen Überraschungen und versuchten Irreführungen (die im Buch halt einfach so viel besser passieren, weil sie aus Annas Perspektive erzählt werden) zu offensichtlich und zu schnell zu durchschauen sind.

Wertung: 5 von 10 Punkten (ein starker Cast garantiert leider auch nicht immer einen guten Film)

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