Zum Inhalt springen

Die fabelhafte Welt der Kimmy

12. Mai 2021

Ich suche immer wieder nach neuen Sitcoms. Allerdings habe ich so das Gefühl, dass die klassische Sitcom ein wenig tot ist. Das Format hat seinen Zenit überstiegen. Nach dem Finale von „The Big Bang Theory“ ist die letzte „große“ Sitcom nun auch zu Ende gegangen. Und versteht mich nicht falsch, es ist nicht schlimm. Es gibt ja viele andere tolle Comedy-Shows, die jetzt nicht gerade klassische Sitcoms sind, aber dennoch gute Unterhaltung liefern (mein Favorit ist ja im Moment nach wie vor „Brooklyn Nine-Nine“). Auf der Suche nach wieder etwas Neuem und nachdem ich nun gefühlt alle alten Sitcoms zum wiederholten Male durchgeguckt habe, stieß ich auf eine kleine, 4 Staffeln lange Comedy-Show, die ich bislang ignoriert hatte. Doch aus Ermangelung an guter Unterhaltung und der Tatsache, dass eine Kollegin im Büro so sehr von dieser Serie geschwärmt hatte (sie war es auch, die mir „Fleabag“ ans Herz gelegt– und somit ihre Vertrauenswürdigkeit in Sachen Serien-Empfehlungen bewiesen hatte), wagte ich es, mir „UNBREAKABLE KIMMY SCHMIDT“ anzuschauen – und war von Folge 1 an schwer in Ellie Kemper als Kimmy verliebt.

Kimmy Schmidt (Kemper) lebte 15 Jahre lang in der Gefangenschaft des Reverend Richard Wayne Gary Wayne (Jon Hamm), der sie gemeinsam mit drei weiteren Frauen in einem Bunker einsperrte – um sie so vor der Apokalypse zu schützen. Als Kimmy nach 15 Jahren befreit wird, ist die Welt eine ganz fremde für sie. Sie bezieht in New York bei ihrer Hippie-Vermieterin Lillian Kaushtupper (Carol Kane) ein und lebt dort fortan mit ihrem neuen Mitbewohner, dem affektierten Möchtegern-Schauspieler Titus Andromedon (Tituss Burgess). Einen neuen Job findet Kimmy dann auch bei der reichen Jacqueline (Jane Krakowski), für die sie als Nanny und Mädchen für alles arbeitet. Nach und nach lernt die über-ambitionierte, stets positive Kimmy das neue Leben außerhalb des Bunkers kennen.

Es ist die klassische „fish out of water“-Story, die hier auch für schöne Cultur-Clash-Momente sorgt. Aber diese Situationskomik ist es am Ende gar nicht so sehr, was „Unbreakable Kimmy Schmidt“ ausmacht. Tina Fey, die sich diese wunderbare kleine Serie ausgedacht hat, setzt viel mehr auf die Charaktere… und damit ist es dann auch egal, was sonst noch so passiert, so lange es guten, aussagekräftigen Charakteren passiert, ist das alles Gold. Und die Charaktere in dieser Serie sind die Serie.

Ganz, ganz oben steht natürlich Ellie Kemper. Ich glaube, ich bin wirklich ein bisschen verliebt. Ihre Kimmy Schmidt ist Zucker pur. So einen positiven Menschen habe ich in einer Serie schon lange nicht mehr erlebt. Kempers Kimmy sieht in allem etwas Gutes, nimmt alles erst einmal an. Klar, ich glaube, so ein Mensch könnte auf Dauer auch anstrengend sein… aber gerade auch das thematisiert die Serie ja. Wir sehen, wie die furchtbare Welt diesen wunderbaren, naiven, freundlichen Menschen immer wieder an seine Grenzen bringt. Aber Kimmy ist der Über-Optimist… die kämpft gegen alles. Ich könnte noch ewig weiterschreiben, Kimmy Schmidt selbst ist einfach wunderbar.

Aber auch die anderen Charaktere… wow. Tituss Burgess als Kimmys Mitbewohner ist super. Auf der einen Seite verkörpert Burgess mit seinem Titus zwar viele Stereotype homosexueller Männer, aber er veralbert das nie, zieht es nie ins Lächerliche. Was schon eine großartige Leistung ist. Natürlich schnappt er viele Klischees auf, verarbeitet sie aber so gekonnt in diese wunderbar herrliche Kunstfigur Titus, das man Burgess nur dazu gratulieren kann, wie gut ihm das gelingt. Er ist das perfekte Yang zu Kimmys Ying.

Ich könnte über jeden Charakter so schreiben: Carol Kane ist die perfekte Hippie-Braut, immer auf der Suche gegen das böse System zu kämpfen und Jane Krakowski ist wunderbar als trophy wife, die ihren Weg in die Selbstständigkeit sucht, in dem sie Kimmy alle Arbeiten aufbürdet.

„Unbreakable Kimmy Schmidt“ war für mich wirklich eine kleine Offenbarung. Eine wunderbare Comedy-Show mit einer der liebenswertesten Hauptfiguren der letzten Jahre. Auf der einen Seite finde ich es schade, dass schon nach vier Staffeln Schluss war, auf der anderen war das Finale so schön… und die „Rewatchability“ (ich liebe dieses unmögliche Unwort) dieser Show ist – gerade in Quarantäne-Zeiten als Mittel des Eskapismus – riesig!

Wertung: 9 von 10 Punkten (Kimmy Schmidt ist super und tatsächlich unbreakable)

2 Kommentare leave one →
  1. 26. Mai 2021 20:33

    Ich weiß nicht warum, aber die Prämisse/Handlung der Serie kriegt mich irgendwie nicht. Vielleicht bin ich auch nicht die typische Sitcom-Zuschauerin. Trotzdem habe ich neulich mit Begeisterung angefangen Schitts Creek zu schauen. Kennst du die schon? Die kommt mit Sicherheit nicht an Kimmy ran, weil dort niemand übermäßig positiv ist und das Grundsetting von „Reiche Typen werden arm und müssen mit der armen Landbevölkerung auskommen“ klingt nicht neu, aber ich fands sehr witzig.

    • donpozuelo permalink*
      27. Mai 2021 12:44

      Schitts Creek ist bei mir als nächstes dran. Mache gerade noch einen Scrubs Rewatch 😁

      Aber Kimmy Schmidt solltest du echt mal ne Chance geben. Ist wirklich super. 😊

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: