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One World! One People!

5. Mai 2021

Als Disney seine ganzen Marvel-Serien für Disney+ vorstellte, hatte mich nicht unbedingt jedes Projekt sofort am Haken. Zumal es auch einfach eine so große Vielzahl von genannten Titeln gab, dass man eher das Gefühl hatte, Kevin Feige schleudert jetzt einfach erstmal zig Sachen an die Wand und guckt danach, was kleben bleibt. So richtig ein Konzept sehe ich dahinter noch nicht, sondern einfach den Versuch, alles mal ein bisschen zu erweitern (so geht es mir übrigens auch mit den Filmen, die bislang angekündigt sind). Aber gut, ich stehe all dem ja offen gegenüber… und nach „WandaVision“ war ich auch wirklich schwer begeistert davon, wie anders hier mal die übliche Marvel-Story erzählt wird. Das gab mir Mut, mich den anderen Serien auch noch mehr zu öffnen. Doch dann kam „THE FALCON AND THE WINTER SOLDIER“… und schon nach der ersten Folge war ich nicht mehr ganz so begeistert.

Eine Gruppe namens Flag Smashers will die Weltordnung ändern. Ihre Anführerin Karli Morgenthau (Erin Kellyman) will die Welt so, wie sie in den fünf Jahren war, als die von Thanos Weggeschnippsten fehlten. Da kam die Welt zusammen, Grenzen existierten nicht mehr. Jeder half jedem. Jetzt, nachdem dank „Endgame“ wieder alle zurück sind, herrscht Chaos. Dagegen wollen die Flag Smashers angehen… und Karlis Truppe ist besonders gefährlich, weil die irgendwie an Super-Soldier-Serum gekommen sind. So kommt es, dass Sam Wilson (Anthonie Mackie) und Bucky Barnes (Sebastian Stan) gegen die Flag Smashers vorgehen. Dabei benötigen sie die Hilfe von Zemo (Danie Brühl) und müssen auch noch mit dem neu ernannten Captain America, John Walker (Wyatt Russell) klar kommen.

In nur sechs Episoden will „Falcon and the Winter Soldier“ eine Story von globalem Ausmaß erzählen. Das erschien mir von Anfang an irgendwie viel zu wenig… und jetzt, wo die Serie vorbei ist, bestätigt sich das in meinen Augen auch. Die Story wirft so viele verschiedenen Handlungsstränge in den Raum, von denen keine so richtig zur Geltung kommt: Die Beziehung zwischen Bucky und Sam wird nie so richtig schön ausgebaut und in Buddy-Cop-Manier auch mal mit ein paar Konflikten zwischen den Beiden garniert. Zemo taucht auch nur auf, damit er zum tanzenden Meme werden darf und am Ende wieder einfach aus der Serie geschmissen wird. Sharon Carter (Emily VanCamp) bekommt eine Charakterentwicklung geschrieben, die irgendwie nicht wirklich Sinn ergibt (es sei denn, man hätte halt Zeit genug gehabt, darauf mehr einzugehen). Die ganze Flag Smashers Nummer dient auch nur, um einen direkten Schurken zu haben. Da hätte ich mir eher gewünscht, man hätte Zemo wirklich ein doppeltes Spiel spielen lassen. Dass der einfach so brav mit Sam und Bucky kooperiert, war auch einfach nur merkwürdig.

Es gibt aber natürlich auch ein paar gute Sachen. Zum einen ist da die Action. Die ist handgemacht, die ist sehr „John Wick“-inspiriert (was nicht verwundert, wenn man feststellt, dass Wick-Autor Derek Kolstad mit an der Serie beteiligt war). In Sachen Action ist „Falcon and the Winter Soldier“ wirklich ein Fest. Zum anderen sind da zwei Geschichten, die dann doch sehr spannend und interessant waren. Einmal hätten wir da die ganze John-Walker-Story… der unsichere neue Captain America mit Minderwertigkeitskomplexen. Wyatt Russell ist wahnsinnig gut in der Rolle und alles, was man mit ihm und seinem John Walker in dieser Serie gemacht hat, fand ich wirklich stark. Das zeigt sich auch wieder, dass man hier den Fokus der Serie auch einfach hätte verlagern können: nämlich auf John, der sich in seiner Rolle unsicher ist und auf Sam, der die Rolle ja erst ablehnt und mit der Zeit lernt, was es bedeutet, den Schild des Captain Americas zu tragen. Da hätte man die Beiden mehr gegeneinander aufspielen können und hätte eine spannendere Story gehabt. In der wäre dann die Geschichte von Isaiah Bradley (Carl Lumbly) auch noch besser zur Geltung gekommen. Die fand ich auch wirklich sehr stark und damit spielte Marvel dann sehr stark auf aktuelle Probleme an, die manchmal recht plakativ angesprochen wurden. Gerade durch Isaiah hätte man das aber noch stärker und besser ausbauen können.

„Falcon and the Winter Soldier“ versucht einfach in meinen Augen viel zu viel in zu wenig Zeit. So gehen der Serie einige der emotional wichtigen Momente in der Entwicklung von Sam und Bucky ein wenig unter, die – obwohl sie Titel gebend sind – nie so richtig zusammenfinden. Was echt schade ist… naja, auf jeden Fall zeigt sich auch in dieser Serie das neue Serien-Konzept: Wieder einmal sehen wir die Origin-Story neuer Helden und ich bin schon jetzt gespannt auf Sam Wilson als Captain America. Ein „Captain America 4“ ist ja nun auch schon in Arbeit…

Wertung: 6 von 10 Punkten (spannende Ansätze, die aufgrund der Zeit alle nicht so richtig greifen)

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