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Herr der Fliegen im All

3. Mai 2021

William Golding schickte 1954 eine Gruppe von Jungs auf eine einsame Insel und ließ uns daran teilhaben, wie die sich in seinem Roman „Herr der Fliegen“ langsam selbst entmenschlichten und zerstörten. Je mehr sie von ihrer antrainierten Menschlichkeit verlieren, desto tierischer werden sie, bis am Ende eben Mord und Gewalt regiert. Ich muss den Roman irgendwann mal wieder lesen, das letzte Mal habe ich das Ganze tatsächlich in der Schule behandelt. Doch die Geschichte an sich ist ja schon ein interessantes Gedankenspiel: Was macht Menschen zu Menschen? Hält unsere Erziehung das Tierische in uns zurück? „Limitless“-Regisseur Neil Burger geht diesen Fragen nun in seinem neuen Film „VOYAGERS“ auch auf den Grund, gerät allerdings innerhalb von wenigen Minuten in eine Sackgasse aus purer Langeweile (die sich sogar in seinen Schauspielern widerspiegelt).

Die Erde ist im Jahr 2063 dem Untergang geweiht. Wissenschaftler haben jedoch eine Lösung: Sie haben einen neuen Planeten gefunden, auf dem die Menschheit neu anfangen könnte. Um dorthin zu gelangen, braucht es ein Generationenschiff. Sprich: Die erste Crew bekommt Kinder auf dem Schiff, deren Kinder dann vielleicht an dem Planeten ankommen, um dort ihr Leben beginnen zu können. Um der Isoliertheit des Alls vorzubeugen, wird allerdings schon die erste Besatzung künstlich herangezüchtet. Nur der Wissenschaflter Richard (Colin Farrell) ist quasi ein natürlicher Mensch an Bord, der den jungen Astronauten hilfreich zur Seite stehen will. Doch auf der Reise bemerken dann Christopher (Tye Sheridan) und Zac (Fionn Whitehead), dass das blaue Zeug, das alle immer trinken müssen, dazu dient, ihre Libido und ihre Emotionen zu unterdrücken. Die Beiden setzen das Ganze ab und damit ein „Herr der Fliegen“-Szenario in Gang, bei dem hormon-gesteuerte Teenager Lust, Liebe und Gewalt für sich entdecken.

Eigentlich hat „Voyagers“ alles, um eine spannende und interessante Geschichte zu erzählen. Leider klappt das vorne und hinten nicht. Fangen wir mal allein mit dem Setting an. Das Raumschiff, mit dem die Besatzung durchs All fliegt, ist einfach mal das unspektakulärste Raumschiff der ganzen Filmgeschichte. Jedes größere Objekt, das wir aus Filmen oder Serien kennen, besticht durch irgendwas Besonderes. Nicht so bei Burger. Da gibt es nur sterile, weiße Wände, sterile, weiße Räume und sterile, weiße Flure… jede Menge sterile, weiße Flure. Das ganze Raumschiff scheint nur ein riesiges Labyrinth aus Gängen zu sein, in denen unsere Protagonisten wie Laborratten durch die Gegend laufen (deswegen habe ich vielleicht zwischendurch auch gedacht, das Ganze wäre wirklich nur ein Experiment und der große Twist des Films zeigt uns, dass die immer noch auf der Erde sind und das alles nur ein Test gewesen ist – aber nein, Pustekuchen… nicht mal das ist es).

Neben dem eintönigen Setting gibt es dann eine eintönige Story, die sich nicht einmal bemüht, irgendeine Form von Charakterentwicklung darzustellen. Das Absetzen des blauen Getränks führt quasi innerhalb von Sekunden dazu, dass die wahre Natur zum Vorschein kommt. Zac muss sofort zum Riesenarschloch werden und Christopher bleibt, einfach weil er ein bisschen verträumter durch die Gegend guckt, einer der Guten. Wie das alles passiert, was sie so beeinflusst, lässt der Film einfach weg. Die Droge in dem blauen Zeug muss also echt stark gewesen sein… oder Burger hatte einfach keine Lust oder keine Zeit, um sich über Charaktere wirklich Gedanken zu machen. Die bleiben bei ihm blass und so eindimensional, dass es echt wehtut. Da geraten dann selbst die aufkommenden Gefühle zu absoluten Lachnummern… wenn da etwa zwei Mitglieder der Crew in merkwürdigen Trockenübungen begatten wollen (weil ihnen halt niemand erklärt hat, wie Sex wirklich funktioniert) oder die unbeholfenen Übergriffe, wenn man sich gegenseitig anfässt. Das ist alles mehr fremdschämen als irgendwie interessant.

Dazu kommt dann noch, dass wirklich alle Darsteller in diesem Film sehr seelenlos wirken. Fionn Whitehead perfektioniert nur das Fies-Gucken, während Tye Sheridan das Lieb-Gucken gut drauf haut. Lily-Rose Depp steht einfach dazwischen und macht nicht viel und das war’s… den Rest der Darsteller sieht man nur uninspiriert im Hintergrund herumstehen. Mehr nicht.

„Voyagers“ verspielt sein ganzes gutes Potenzial – interessante Story, gute Jungdarsteller und das Sci-Fi-Setting – und liefert eine dermaßen langweilige Reise ins All, dass es echt wehtut. Dieser Film ist einfach nur öde ohne Ende (und selbst das Ende ist absurd und bescheuert).

Wertung: 2 von 10 Punkten (daraus hätte man echt mehr machen können und sollen)

2 Kommentare leave one →
  1. 3. Mai 2021 13:15

    Oh ja, der ist auch richtig müllig und Lily Rose Depp sollte die Goldene Himbeere nächstes Jahr erhalten

    • donpozuelo permalink*
      3. Mai 2021 18:36

      Der Filme hätte definitiv ein paar mehr Himbeeren als nur die eine verdient 🤣

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