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Sonne im Schattenflur

28. April 2021

Die Welt sucht nach einem neuen „Game of Thrones“. Es ist irgendwie echt witzig, wie wirklich jede neue Fantasy-Serie, die erscheint, sich schon im Vorfeld irgendwie den Vergleich mit der HBO-Fantasy-Serie gefallen lassen muss. Dabei will ich gar kein neues „Game of Thrones“. Ich will einfach nur ne neue gute Serie, die so einen Hype generiert, dass wir alle wie wild aus dem Häuschen sind. Um das hinzubekommen, stürzen sich jetzt wirklich alle auf erfolgreiche Fantasy-Buchreihen: Amazon nimmt sich „Der Herr der Ringe“ vor und auch „Das Rad der Zeit“, eine Reihe mit 14 Originalbänden. Und Netflix schnappt sich sowieso gefühlt jedes Quartal eine andere Buchverfilmung. Doch weder „Cursed“ noch „Der Brief an den König“ konnten einen großen Buzz erzeugen. Jetzt ist die nächste Reihe dran, die den erwünschten Erfolg bringen soll: „SHADOW AND BONE“, basierend auf der Grisha-Trilogie und dem „Six of Crows“-Zweiteiler von Autorin Leigh Bardugo.

Wir befinden uns in einem vom Krieg zerfressenen Land (das erstaunlich an ein zaristisches Russland erinnert). Dieses Land wird zusätzlich von einer mysteriösen Schattenwand getrennt… dieser Schattenflur ist beherrscht von den Volcra und machen daher eine Reise durch diese Schattenwand sehr gefährlich. Die junge Kartographin Alina (Jessie Mei Li) reist aber dennoch da durch… und entdeckt so, dass sie der sagenumwobene Sun Summoner ist. Sie kann Licht erschaffen und könnte theoretisch den Schattenflur vernichten. Doch dafür muss sie erst einmal lernen, ihre Fähigkeiten zu kontrollieren. Dafür wird sie General Kirigan (Ben Barnes) an den Hof des Königs gebracht, wo sie ihre so genannten Grisha-Fähigkeiten lernen soll. Doch Alina ist heiß begehrt… von Grisha-Gegnern, von denen, die sie töten wollen und von einer Gruppe von Banditen, die unter der Führung von Kaz Brekker (Freddy Carter) alles daran setzen, Alina zu entführen.

Was ich „Shadow and Bone“ schon mal echt zugute halten muss, das World-Building funktioniert. Ich hätte mir zwar generell gerne mehr davon gewünscht (gerade in den drei Episoden, in denen Alina am Hof des Königs ist, passiert leider nicht so viel), aber die alt-russisch wirkende Welt ist schon beeindruckend. Da hat sich Autorin Leigh Bardugo wirklich mal angenehm interessant vom üblichen Mittelalter-Fantasy-Setting gelöst und liefert eine „modernere“ Version, die allein durch die Kostüme und überhaupt den ganzen Look schon mal was Besonderes ist. Wie gesagt, ich hätte nur allein in Staffel 1 schon gerne mehr davon gesehen… gerade weil das Land, das beschrieben wird, durchaus spannend aufgebaut ist. Hier wird viel auch auf Rassismus, Abgrenzung, Unterdrückung (gerade wenn die „magischen“ Grisha von richtigen Hexenjägern gejagt werden) und und und…

Doch auch hier hat man das Gefühl, da hätte man noch viel mehr auf so etwas eingehen können. Gerade wenn Alina am Hof ist, hätte ich gedacht, es wird noch mehr auf solche Themen eingegangen… sie ist ja nicht nur Grisha, sondern auch noch eine offensichtlich verhasste Shu (was aber nie genauer erklärt wird). Überhaupt ist das mit dem Erklären in der Serie ein bisschen schwierig. Es werden viele Dinge in den Raum geworfen, die man als Grishaverse-Neuling nicht sofort schnallt. So sind diese Grisha irgendwie wie die Bändiger aus „Avatar – Der Herr der Elemente“, aber auch keine Magier. Was sie da machen, nennt sich Small Science, wird aber auch nie richtig erklärt. Auch Alinas Fähigkeit und ihre Besonderheit nicht. Da hätte man ein bisschen mehr Fokus legen können, statt uns mit dieser typischen öden Liebesdreieck-Nummer zwischen Alina, dem General und ihrem Langzeit-Freund Mal (Archie Renaux)… denn zwischendurch verfährt sich auch „Shadow and Bone“ einfach zu sehr in den üblichen kitschigen Klischees, die nun wirklich keiner gebraucht hat.

Besonders gefallen hat mir aber tatsächlich alles rund um die Truppe von Gauner Kaz. Seine Gefährtin, die Messerwerferin Inej (Amita Suman) war einfach nur sehr cool und die Coolness der Serie überhaupt ist ja mal Gunslinger Jesper, der großartig von Kit Young gespielt wird. Hier bindet die Serie die Geschichte der „Six of Crows“ in die eigentliche Grisha-Trilogie mit ein und das passt auch wirklich gut und gibt dem Ganzen ein bisschen mehr Pepp. Nur die Story rund um Alina wäre auf Dauer einfach zu langatmig geworden.

Ich sag’s mal so: „Shadow and Bone“ ist definitiv nicht das neue „Game of Thrones“. Muss es ja aber auch nicht sein. Es wird aber eine interessante, wenn auch anfangs noch sehr verwirrende Welt aufgebaut, die man bitte gerne in Staffel 2 weiter ausbauen und erweitern kann.

Wertung: 7 von 10 Punkten (holpriger, aber solider Start für eine Serie, die sich in Staffel 2 echt noch steigern könnte)

2 Kommentare leave one →
  1. 28. April 2021 11:02

    Ich bin die ganze Zeit am Überlegen, ob ich die Serie schauen möchte. Die Trilogie hat mir jetzt nicht soo gut gefallen, aber ich habe gehört, dass die Serie sein soll. Deine Meinung klingt da ja aber gar nicht so schlecht, vielleicht schaue ich dann mal rein.

    • donpozuelo permalink*
      28. April 2021 12:03

      Die Bücher kenne ich halt nicht. Das Ganze wird aber echt durch die Krähen aufgewertet, die – wie ich erfahren habe – ja nicht zur Haupttrilogie gehören. Aber es war die richtige Entscheidung, sie reinzunehmen. Die ganze Story nur mit Alina wäre echt eher lahm gewesen. So kommt da noch richtig Pepp rein.

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