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Besuch bei Papa

16. April 2021

Elijah Wood finde ich als Schauspieler und Produzent nach wie vor wahnsinnig faszinierend, weil er ähnlich wie Daniel Radcliffe offensichtlich versucht, sein früheres Image zu untergraben. Radcliffe schmeißt sich in ein verrücktes Genre nach dem anderen, sucht sich Gaga-Filme, spielt furzende Leichen und Internettrolle, die auf besondere Art und Weise bestraft werden, um den Potter endlich abzulegen. Genau so macht es auch Wood. Den größten Schock erlebten Fans des Frodo-Darstellers wohl damals, als Elijah Wood plötzlich in „Sin City“ einen widerlichen und abartigen Killer spielte (eine damalige Kommilitonin von mir wollte diesen Film nicht gucken, um das Andenken an Frodo nicht zu beschmutzen). Seitdem macht sich Wood vor allem im Thriller und Horror-Genre breit. Mehr und mehr aber auch als Produzent, was mir vorher gar nicht so bewusst gewesen ist. Sein Name steckt hinter Filmen wie „A Girl Walks Home Alone At Night“, „The Boy“, „Mandy“, „Color out of Space“ und was nicht noch alles. Zwischendurch geht er aber auch mal vor die Kamera und liefert so etwas wie „COME TO DADDY“ ab.

Der Titel klingt etwas pornös, wenn ich das mal so sagen darf, aber er trifft es eigentlich ganz gut: Norval (Wood), ein Hipster-DJ und Musiker aus L.A., der Alkoholprobleme hatte und deswegen wieder bei Mama lebt, bekommt eines Tages einen Brief von seinem Vater, den er seit Jahren nicht gesehen hat. In dem Brief bittet Daddy ihn, er möge doch vorbeikommen. Daddy (Stephen McHattie) lebt abgeschieden in einem Haus am Meer und begrüßt seinen Sohn nicht unbedingt freundlich. Die Beziehung zwischen den beiden ist schwierig, zu schwierig für Norval… doch gerade als er den Entschluss fasst, zu gehen, erliegt sein Vater einem Herzinfarkt und stirbt. Weil das örtliche Leichenschauhaus keinen Platz mehr hat, wird die einbalsamierte Leiche im Haus aufbewahrt… und schon bald scheint Norval durchzudrehen. Merkwürdige Geräusche im Haus lassen ihn nach und nach paranoid werden. Lebt sein Vater noch oder befindet sich etwas im Haus, das Norval heimsuchen will.

„Come to Daddy“ ist das Regiedebüt von Ant Timpson, der vorher als Produzent für so interessante Titel wie „Turbo Kid“ oder „The Greasy Strangler“ verantwortlich war. Jetzt dreht er also einen Film, der auch sehr interessant ist, um es mal irgendwie vorsichtig auszudrücken. „Come to Daddy“ ist nicht die Art von Film, die ich erwartet hatte… der Anfang ist etwas schleppend und ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, das etwas passiert. Timpson lässt uns erstmal dieses merkwürdige Wiedersehen bestaunen, in dem Norval seinen Vater mit vermeintlichen Erfolgen beeindrucken will, die dieser jedoch sehr schnell als Lügen offenbart. Es ist ein tolles Hin und Her zwischen Elijah Wood und Stephen McHattie, der wunderbar zweideutig spielt. Mal scheint er fast schon nett zu sein, dann ist er wieder ein riesiges Arschloch. Genau wie Norval haben wir als Zuschauer Schwierigkeiten, diesen Mann richtig einzuordnen.

Neben diesem ganzen Drama streut Timpson unheimliches Geflüster ein, das Norval nachts von seinem Vater hört. Das Haus am Meer knarzt und die Rohre dröhnen. Es ist als würde das Haus selbst auf den Neuankömmling Norval reagieren… so baut Timpson auch so langsam Spannung auf, das da noch mehr hinter diesem vermeintlichen Besuch steckt – zumal Daddy nie wirklich klarmacht, warum er seinen Sohn jetzt auf einmal unbedingt bei sich haben wollte.

„Come to Daddy“ gleitet im Verlauf immer mehr ins Horror-Genre… was Timpson natürlich gut aufbaut, bevor er uns dann vor vollendete Tatsachen stellt und sich das Genre des Films noch einmal komplett ändert. Doch um diese Wendung nicht zu verraten, bleibe ich mal brav schwammig und sage dazu nichts weiter. Es passt auf jeden Fall, wie sich der Film weiterentwickelt… nur so viel, es wird auch ordentlich brutal. „Come to Daddy“ schockt zwischendurch mit Gewaltausbrüchen, bei denen man hinter halbzugehaltenen Augen auch irgendwie das Lachen nicht verkneifen kann. Mit seiner Wendung betritt der Film auch recht schwarzhumoriges Terrain, wenn ich das mal weiterhin so schwammig ausdrücken darf.

„Come to Daddy“ verlangt trotz seiner „Kürze“ von nur knapp anderthalb Stunden ein wenig Geduld von seinem Zuschauer. Gerade der Anfang zieht sich ein wenig in die Länge… aber genau das braucht der Film, um uns im Glauben zu lassen, wir wüssten, was uns erwartet. Der Film ist jetzt kein Meisterwerk der Täuschung, aber in dem, was er macht, durchaus unterhaltsam. Elijah Wood funktioniert wunderbar als L.A. Hipster, der wie wir etwas hilflos durch die Handlung tappt.

Wertung: 7 von 10 Punkten (nettes Verwirrspiel mit einem Spritzer schwarzem Humor und sehr vielen Spritzern Blut)

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