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Ultra Violence a la Korea

9. April 2021

Mit diesem Begriff bezeichnet Alex in „A Clockwork Orange“ seine Art der Gewalt – sie ist halt einfach ultra. Sie kommt in Schüben und unerwartet und ist dabei extrem brutal. „Ultra Violence“ passt aber auch gut zum koreanischen Action-Film „THE VILLAINESS“ von Jung Byung-gil, den ich nach Ewigkeiten auf meiner Watchlist endlich mal geschaut habe.

Die schon seit ihrer Kindheit als Killerin trainierte Sook-hee (Kim Ok-bin) wird von der Polizei festgenommen, nachdem sie im Alleingang eine komplette Gangsterbande eliminiert hat. Davon mehr als nur schwer beeindruckt, wird sie vom Geheimdienst rekrutiert und weiter ausgebildet. Anfangs macht sie das zwar nur widerwillig, aber Sook-hee ist schwanger und man verspricht ihr, sie nach 10 Jahren aus dem Dienst zu entlassen. Also lässt sie sich drauf ein. Hartes Training und eine plastische Chirurgie, um ihr Aussehen zu verändern später wird aus Sook-hee die Schläferin Chae Yeon-soo, die auf Abruf für ihre Chefin morden soll. Ihr Nachbar Lee Jong-sang (Shin Ha-kyun) interessiert sich sehr für die junge Frau und die beiden verlieben sich. Was Sook-hee aber nicht weiß: Lee Jong-sang gehört zum Geheimdienst. Doch das ist alles egal, denn mit einem Auftrag wird Sook-hee von ihrer Vergangenheit eingeholt.

Allein die ersten zehn Minuten von „The Villainess“ sind schon grandios. Action pur – und das auch noch in Ego-Shooter-Perspektive aus Sook-hees Sicht. Zehn Minuten lang dürfen wir bei ihrer Ultra Violence mit dabei sein, wie sie sich einfach nur durch Horden von Kerlen metzelt. Die Kamera ist immer mitten im Geschehen, alles geht unglaublich schnell. Alles sieht unglaublich stylish aus. Mein erster Gedanke war einfach nur: „Wow!“ und danach: „Wenn das so weitergeht, wird dieser Film großartig!“ Was Regisseur Jung Byung-gil und vor allem sein Kamera-Mann Park Jung-hun hier als Eröffnung abliefern, zieht einem förmlich die Schuhe aus. Das ist handgemachte Action, das sind geile Schnetzeleien – und das alles rasant inszeniert.

Leider verliert sich „The Villainess“ danach in einer zu kompliziert erzählten Geschichte, die eigentlich gar nicht so kompliziert ist. Nur weil es ständig Zeitsprünge gibt und man sich bei jeder Rückblende erst mal orientieren muss, wird es halt alles etwas anstrengender. Was echt schade ist, die Story wird unnötig verschachtelt… möglicherweise um ein wenig zu vertuschen, dass sie dann doch so gesehen nichts großartiges Neues zu bieten hat. Es ist ein bisschen „Nikita“, es ist ein bisschen „Red Sparrow“ (nur ohne den Sex), es ist ein bisschen was von jedem x-beliebigen Agenten-Thriller – gewürzt mit einer sehr persönlichen Story, die aber Haken schlägt wie ein Hase, der gejagt wird. „The Villainess“ verlangt eure ganze Aufmerksamkeit, wird ihr aber nie so wirklich gerecht. Auch die Liebesgeschichte wirkt einfach nur müde rangeklatscht… da hätte man mehr draus machen können.

Aber gut, mal abgesehen von der komischen Erzählweise einer relativ klassischen Agenten-Story punktet „The Villainess“ durch seine Action und die wirklich großartige Kim Ok-bin. Dass sie sich im Kampfsport auskennt (laut Wiki hat sie da einiges auf dem Kasten – und wir vertrauen Wiki doch immer blind), merkt man. Sie spielt ihre Rolle wirklich gut und glänzt einfach in den ultra-brutalen Kampfsequenzen, die aber auch ein Fest sind. Was hier an Action geboten wird, macht wirklich Spaß. Das, was man in den ersten zehn Minuten gesehen hat, zieht sich action-technisch durch den ganzen Film.  Das Blöde ist nur, dass die Action wegen der Story, die sich im Mittelteil des Films ganz schön zieht, etwas zu kurz kommen. „The Villainess“ hätte einfach so eine halbe Stunde kürzer sein können. In diesem Fall muss ich es mal wirklich so plump sagen: „Weniger labern, mehr Action“ wäre einfach perfekt gewesen. Action kann Jung Byung-gil. Action kann auch Kim Ok-bin. Die perfekte Mischung… nur halt mit zu viel kompliziert gemachter Story.

Wertung: 7 von 10 Punkten (allein wegen der ersten zehn Minuten und wegen dem Endfight lohnt sich ein Blick)

2 Kommentare leave one →
  1. 12. April 2021 00:05

    Mir hatte er damals sogar noch besser gefallen. War ja 2017 der Abschlussfilm des Fantasy Filmfests.
    „Red Sparrow“ habe ich nie gesehen, aber der kam ja auch erst später raus. Grundsätzlich mag ich diese Nikita-Abklatsche nicht, ich mag nicht mal „Nikita“ wirklich gerne, aber „The Villainess“ hatte mich wohl auf dem rechten Fuß erwischt 🙂

    • donpozuelo permalink*
      13. April 2021 07:16

      Ich war auch nie Fan von Nikita. Aber ja, Villainess macht echt Spaß. Wirklich gute Action.

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