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Das Spiel ums Leben

2. April 2021

Escape Rooms sind schon der Shit. Vor der Pandemie war ich recht regelmäßig hier in Berlin in einigen, die wirklich auch viel Spaß gemacht haben und die gerade den Gamer in mir immer wieder in helle Aufregung versetzt haben. Schließlich fühlt sich das Ganze ein wenig an, als würde ich ein Point-and-Click-Adventure in echt spielen: Nimm Objekt, benutze Objekt mit Gummi-Ente. Wenn mich „Monkey Island“ eins gelehrt hat, dann wie ich in einem Escape Room auch noch die dümmste Variante finde, um irgendwas miteinander zu kombinieren. Doch Escape Rooms sind ja erstmal nicht mehr. Online-Escape-Room ist irgendwie nicht so toll (habe letztens einen gemacht, der war zwar ganz nett, aber einfach nicht das Gleiche). Dann spiele ich lieber die „The Room“-Rätsel-Spiele, die wirklich gut sind und dazu noch eine spannende Story erzählen. Aber auch in Filmen sind Escape Rooms mittlerweile angekommen. Wenn man es so nimmt, war ja schon „Cube“ Escape Room in Film-Form. Letztes Jahr habe ich diesen furchtbar langweiligen „Follow Me“ Influencer-Horror-Quatsch gesehen… jetzt habe ich mir mal „ESCAPE ROOM“ auf Netflix gegönnt, der 2019 in die Kinos kam.

Zoey (Taylor Russell), eine in sich gekehrte Physik-Studentin, Ben (Logan Miller), ein erfolgloser Supermarkt-Lagerarbeiter; Amanda (Deborah Ann Wolf), ein Irakkriegsveteranin; Mike (Tyler Labine), ein Lastwagenfahrer; Jason (Jay Ellis), ein erfolgreicher Geschäftsmann und Danny (Nik Dodani), ein Escape-Room-Experte treffen sich bei einem hoch exklusiven Escape-Room-Spiel. Dieses Spiel soll sich angeblich so realistisch anfühlen wie nichts, was sie zuvor erlebt haben. Und tatsächlich erweisen sich die ersten paar Räume nicht nur als sehr realistisch, sondern auch als wirklich tödliche Fallen… und schon bald rätseln die Teilnehmer nicht nur um ihr Leben, sondern auch, warum ausgerechnet sie ausgewählt wurden. Denn auch wenn sie alle sehr verschieden sind, verbindet sie eine Gemeinsamkeit.

Adam Robitel schickt uns zu Beginn in ein wirklich unterhaltsames Escape-Room-Szenario, das in vielerlei Hinsicht punkten kann. Die einzelnen Räume sind sehr cool gestaltet und inszeniert: die Hütte im Winter war cool, die auf dem Kopf stehende Bar hatte auch was, der sich drehende Drogenraum war sehr trippy und und und… Robitel geht in dem Konzept eines Escape Rooms in „Escape Room“ wirklich auf. Dazu liefert uns auch als Zuschauer so ein bisschen die Möglichkeit, mitzurätseln. Zumindest müssen halt einfach verschiedene Objekte gefunden und kombiniert werden. Auch da tobt sich der Film schön aus und liefert in jedem Raum spezifische und interessante Varianten an. Dazu kommt dann der Spannungsaufbau, wenn unsere Protagonisten um ihr Leben kämpfen müssen und jeder Fehler den Tod bedeuten könnte.

Gerade in seinen Anfängen hat mir „Escape Room“ wirklich Spaß gemacht. Das war so ein bisschen wie „Now You See Me“: schnelle, gute Action, damit ja nicht zu lange über irgendwas nachdenkt. Was dazu sehr gut beigetragen hat, waren die Schauspieler, die in meinen Augen wirklich gut miteinander harmoniert haben und ihre einzelnen Rollen schön ausgebaut haben. Die waren eine gute Mischung aus allen möglichen Charakteren, die gezwungen sind, zusammenzuarbeiten. Ich gebe allerdings gerne zu, dass ich mir bei denen etwas mehr Zwiespalt gewünscht hätte. Die sind erstaunlich schnell alle auf einem Nenner und nicht, wie sonst so üblich, auf das Prinzip „Jeder ist sich selbst der Nächste“ fixiert. Escape Rooms sorgen halt doch einfach für eine gute Gruppendynamik. Zwar liefert der Film natürlich auch hier und da kleinere Reibereien, aber davon hätte es von mir aus echt gerne noch ein wenig mehr geben können.

Wo mich der Film dann ein bisschen kaltgelassen hat, war bei der dann recht 08/15-Auflösung, die mich nicht sonderlich beeindrucken konnte. Die Auflösung ist so eine typische Offenbarung, die mir in diesem Fall aber ein bisschen den Film kaputt gemacht hat… nicht zuletzt auch deswegen, weil dieser ganze Film kein gutes Ende liefert, sondern so penetrant und frech auf seinen zweiten Teil verweist, dass „Escape Room“ an sich nur wie das große Intro für die Fortsetzung wirkt. Die soll ja mit „Escape Room 2“ auch tatsächlich 2022 in die Kinos kommen… aber wie gesagt, ich hätte mir eher gewünscht, „Escape Room“ hätte sich in sich geschlossener angefühlt. So baut das Ganze direkt einen Cliffhanger ein, bei dem ich mich schon fast gezwungen fühle, mich auf Teil 2 „freuen“ zu müssen, um endlich die volle Story zu erfahren. Irgendwie ein blöder Move…

… trotzdem ist „Escape Room“ so in seiner Action und in seinem Spannungsaufbau an sich ein unterhaltsamer Film, den man sich mal geben kann. Letztendlich hängt jetzt für mich aber alles so ein bisschen an Teil 2, wie das alles zusammenhängend wirkt.

Wertung: 6 von 10 Punkten (unterhaltsame Eröffnungssequenz für Teil 2)

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