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Gretel allein im Wald

29. März 2021

Oz Perkins ist mit Horror aufgewachsen. Man könnte sogar hochtrabend sagen, Oz Perkins hat den Horror im Blut. Denn Oz Perkins‘ Papa ist niemand Geringeres als Mr. Norman Bates, Anthony Perkins, selbst. Oz hat sogar in der ersten Fortsetzung von Hitchcocks „Psycho“ die junge Version von Norman Bates gespielt. Als Regisseur hat Oz Perkins dann auch direkt zu Horror gefunden. Sein „I am the pretty thing that lives in this house“ steht auch schon seit ewigen Zeiten auf meiner Watchlist. Nur dazu gekommen bin ich noch nicht. Dafür habe ich jetzt endlich mal seine Version des Grimm’schen Märchens „Hänsel und Gretel“ gesehen. Als der Trailer rauskam, war ich ziemlich angetan. Sein „GRETEL AND HANSEL“ sah ziemlich stylisch aus… doch dann kam Corona und ich musste bis jetzt warten, um den Film endlich mal zu schauen.

Die junge Gretel (Sophia Lilis) will nach dem Tod ihres Vaters eigentlich ihre Mutter unterstützen, doch die Arbeit als Magd bei einem ekligen, schmierigen Typen entpuppt sich schnell als etwas ganz anderes. Gretel läuft davon und wird von ihrer Mutter daraufhin als Nichtsnutz beschimpft und mit dem Tod bedroht. Daraufhin schnappt sich das junge Mädchen ihren Bruder Hansel (Sam Leaky) und haut ab. Nach einer kleinen Odyssee durch einen düsteren Wald treffen sie auf das Haus von Holda (Alice Krige). Nach anfänglichen Sorgen lässt sich Gretel darauf ein, Holda im Haushalt zu helfen und von ihr zu lernen. Doch so ganz geheuer ist es sowohl Gretel als auch Hansel in dem Haus dennoch nicht.

Was man „Hansel and Gretel“ direkt mal zugutehalten muss, ist die Tatsache, dass der Film wirklich sehr stylisch aussieht. Gerade in der ersten Hälfte findet Perkins so unglaublich aufregende Bilder, die – gepaart mit der Musik von Robin Coudert – einem einen wohligen Schauer über den Rücken laufen lassen. Das Ganze hat mich ein wenig an Panos Cosmatos erinnert. Gerade sein „Beyond the black Rainbow“ hatte auch sehr aufregende und äußerst stylische Bilder.

Leider hat Perkins ein Problem und das nennt sich ganz Neudeutsch „style over substance“. Die großartigen Bilder vom Anfang verblassen nach und nach mit der Ankunft im vermeintlichen Hexenhaus. Damit geht leider auch irgendwann die bedrohliche Atmosphäre flöten. Das Schlimme daran ist, ich kann es nicht einmal richtig in Worte fassen, woran es liegt. Ich glaube, Perkins versucht zu sehr, uns als Zuschauer über die wahre Identität von Holda in die Irre zu führen… und schiebt zusätzlich noch die Lehre von Gretel bei Holda mit ein. Dadurch sollen wir uns halt immer wieder fragen, ob Holda vielleicht doch nicht die Hexe ist, sondern doch jemand anderes.

Dieses vermeintliche Verwirrspiel funktioniert nicht wirklich… anstatt den Horror mehr aufzubauen, verbaut sich Perkins seine Geschichte damit. Da kann auch eine wirklich toll aufspielende Sophia Lillis nichts ausrichten. Aber Lillis in Kombination mit der herrlich unheimlichen Alice Krige bleiben dennoch ein weiteres Highlight des Films. Kriges Make-Up als Holda ist mega-creepy. Leider verliert Perkins auch Hansel sehr aus den Augen. Der Fokus auf Gretel wäre ja gut gewesen, wenn man mehr aus ihr gemacht hätte. So wie die Story jetzt ist, hätte man aber Hansel als Gegengewicht gut gebrauchen können. Er wird leider sehr vom Film vernachlässigt. Statt auch ihm eine etwas angepasste neue Story zu geben, bleibt bei ihm alles relativ Märchengetreu.

Das größte Problem hatte ich dann auch mit dem Ende des Films. Hier hatte das Gefühl, dass Drehbuchautor Rob Hayes nicht so wirklich wusste, wie er all das beenden soll… und so lässt er gefühlt alles stehen und liegen, was er im Film aufgebaut hat und doktert da irgendwie das klassische Märchen-Ende mit einem leichten Twist ein, der aber zu viele weitere Fragen über Gretel aufwirft.

„Gretel and Hansel“ fängt als stylischer Film, verfängt sich dann aber in seiner eigenen Neuinterpretation und weiß am Ende nicht mehr so richtig, wie das alles funktionieren soll. Schade…

Wertung: 6 von 10 Punkten (optisch ein schöner (Alb-)Traum, erzählerisch sehr holperig)

2 Kommentare leave one →
  1. 29. März 2021 15:45

    Verdammt, stimmt, den hatte ich ja auch gesehen…und vergessen :))
    Ich weiß noch, dass Hansel genervt hat und ich dachte: ab in den Ofen mit ihm. Was Holda anging fand ich da nun nix auf die lange Bank geschoben, aber da muss ich noch Mal in mich gehen, ob ich da auch was zu schreibe.

    • donpozuelo permalink*
      30. März 2021 12:14

      Hansel war wirklich ein bisschen nervig… Holda fand ich so lala. Hätte man meiner Meinung nach mehr machen können. Aber atmosphärisch war das Ganze schon…

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