Zum Inhalt springen

Das Herz des Ozeans

26. März 2021

1997 war ich 14 Jahre alt… und hatte gerade etliche Bücher zum Untergang der Titanic gelesen. Als der Film von James Cameron verkündet wurde, wollte ich den natürlich unbedingt sehen. Gemeinsam mit meiner Mama (!) bin ich also daraufhin ins Kino, um mir dieses 3-Stunden-Epos anzuschauen. Als 14-Jähriger pubertierender Junge war das aber gar nicht so einfach, diesen Film irgendwie zu genießen. Diese Liebesgeschichte ging mir auf den Keks, die im Saal schniefenden und heulenden Frauen (meine Mutter nicht ausgeschlossen) gingen mir noch mehr auf den Keks. Erst als der Untergang dann irgendwann begann, war auch endlich mein Interesse geweckt. Doch so richtig bin ich nie warm geworden mit Camerons „TITANIC“.

Klar, ich fand es unglaublich faszinierend, was da alles am Set entstanden ist. Das Set ist einfach nur unglaublich. Die Tatsache, dass Cameron gefühlt die halbe Titanic an einem Ort nachbauen ließ, nur um sie dann versinken zu lassen, war absurd, größenwahnsinnig und genial. Diese Detailverliebtheit merkt man dem Film einfach an… und gerade mein 14-jähriges Ich, das einen Plan der Titanic über seinem Schreibtisch hängen hatte, war davon wirklich schwer begeistert. Aber von dem ganzen Rest eben nicht.

Es hat jetzt 23 Jahre gedauert, bis ich es mal gewagt habe, mir „Titanic“ noch einmal anzuschauen… in der Hoffnung, dass mein pubertierendes Ich damals vor 23 Jahren einfach noch nicht in der Lage war, auch den romantischen Teil des Films zu würdigen. Immerhin ist meine Leidenschaft für RomComs ja auch jetzt erst so richtig aufgeblüht. Mit meiner erweiterten Reifung würde doch sicherlich auch die Romanze zwischen dem armen Jack (Leonardo DiCaprio) und der reichen Rose (Kate Winslet) in mir mehr hervorbringen, oder???

Leider Pustekuchen. Und darüber bin ich selbst mehr als nur erstaunt. Ich bin mit einer gewissen Vorfreude und Neugier an „Titanic“ herangegangen. Quasi so, als würde ich ihn das erste Mal gucken, weil ich das eigentliche erste Mal irgendwie nicht so richtig zählen wollte. Aber auch jetzt mit 37 Jahren muss ich meinem 14-jährigen Ich leider recht geben. Auch jetzt finde ich „Titanic“ immer noch sehr schwierig zu verarbeiten.

Die ganze erste Hälfte war irgendwie sehr ermüdend. Es gelingt Cameron gut, die großen Klassenunterschiede auf der Titanic darzustellen… und allein hier muss man schon diese unglaubliche Liebe fürs Detail loben. Diese Sets sind einfach nur unglaublich. Allein dieser hölzerne Treppenaufgang ist der Wahnsinn. Cameron lässt die Titanic wirklich wieder zu altem Glanz auferstehen und das ließ auch mich dieses Mal wieder einfach nur staunen. Doch die Geschichte von Jack und Rose fand ich auch jetzt wieder ziemlich langweilig.

Selbst für mich, der ich nun wirklich nur zu gerne mal einen Abend mit einer RomCom auf dem Fernseher verbringe, war dieser ganze Kram so extrem überzeichnet und vor allem so extrem kitschig. DiCaprio und Winslet haben eine tolle Chemie, aber selbst das schützt ihre Liebesgeschichte nicht davor, so absolut und extrem gekünstelt zu wirken. Dieses Romeo-und-Julia-Stück auf der Titanic wirkt sehr überhastet und sehr holprig. Es ist keine Vollkatastrophe, aber als Liebesgeschichte fand ich es zu flach. Immerhin funktioniert Billy Zane als Oberschurke wunderbar und Kathy Bates liefert eine sehr sympathische Performance. Mehr kann ich zu dem Teil aber nicht sagen.

Irgendwann nach anderthalb Stunden von diesem „Drama“ kommt dann der Eisberg und ein anderes Drama beginnt. Cameron ergeht sich auf voyeuristische Art und Weise im Leid und Elend der Passagiere und bringt sein riesiges Schiff zum Sinken. Das Ganze hat schon etwas Dokumentarisches und wirkt wie ein Zusatz zur ersten Geschichte. Thematisch wird alles auf einmal Horror pur. Jeder Schnitt, jede Kamera-Bewegung bringt uns neues Elend, neues Leid… nur bleibt nie Zeit, da wirklich mitzufühlen. Der Untergang geht voran, die Story bleibt aber auf der Strecke. Camerons Detailverliebtheit kostet ihn (in meinen Augen) den Film. Ich habe fast das Gefühl, „Titanic“ hätte ein Zwei-Regisseure-Film werden sollen: einer, der die Geschichte erzählt und der andere (Cameron), der den Untergang inszeniert. Im zweiten Teil seines Epos verliert Cameron vor lauter Untergang seine Charaktere aus den Augen. Und sie werden mir auch so komplett egal… sie werden in all dem Bombast zu Nichtigkeiten. Sie sind Camerons Versuch, die Tatsache zu retuschieren, dass er einfach nur von diesem Untergang fasziniert war, aber halt mehr als nur das liefern musste, um seinen Film zu rechtfertigen.

Technisch, visuell und von den Effekten her ist „Titanic“ das Meisterwerk, als das er gehandelt wurde. Erzählerisch ist der Film für mich leider eine ziemliche Gurke. Die Darsteller sind toll, versteht mich nicht falsch, aber das Drehbuch ist es nicht. Es wirkt schon fast wie ein Vorbote für „Avatar“, ein Film, der unter ähnlichem zu leiden hat: Tolle Effekte, laue Story.

Für mich war der zweite Besuch an Bord der Titanic genau so ergiebig wie der erste vor ewigen Jahren. Aber gut… so ist das halt manchmal.

Wertung: 5 von 10 Punkten (technisch hui, erzählerisch meh…)

13 Kommentare leave one →
  1. 26. März 2021 07:46

    Ich habe auch eine recht ausführliche Geschichte mit Titanic; die Kurzfassung: Wollte ihn erst nicht sehen weil Schnulze (war damals 16 oder 17 als er im Kino lief), dann kam der Hype und ein Mädchen, das ich gut fand, wollte ihn mit mir sehen (war aber über Tage ausverkauft), dann hab ich ihn irgendwann mit meinen Freunden gesehen und ich fand ihn super (hätte ich natürlich niemals zugegeben). Nun habe ich ihn schon seit Jahren nicht mehr gesehen, würde aber vermuten, dass er bei mir deutlich besser wegkäme als bei dir… 😉

    • donpozuelo permalink*
      26. März 2021 13:57

      Auch ne sehr coole Geschichte zu Titanic. Die hat bei dem Fimm wahrscheinlich jeder irgendwie.

      Ja, ich find’s tatsächlich schade, dass er mir nicht doch besser gefallen hat 🤣 hatte gehofft, ich war damals nur zu jung, aber es hat am Ende doch nichts genützt

  2. 26. März 2021 09:49

    Als der Film ins Kino kam, war ich in einem ähnlichen Alter wie bullion und du. Eigentlich wollte ich mit einem Kumpel in Starship Troopers. Vor dem Kino dann gemerkt, dass der Film erst ab 18 war. Das waren wir noch nicht, also mussten wir uns schnell umentscheiden und viel mehr als Titanic lief in unserem Dorfkino damals nicht. Also sind wir da rein.

    Tatsächlich fand ich ihn gut, natürlich den Katastrophen-Teil am Ende besser als die Lovestory davor. Aber auch die war irgendwie episch. Und insgesamt war das für mich dann die Blaupause dafür, wie großes Blockbuster-Kino für alle zu sein hat. Kitschige Charaktäre, große Gefühle, laute Action.

    (Den von dir angesprochenen Avatar fand ich dagegen auch eine herbe Enttäuschung, ich kann bis heute nicht verstehen, warum der so erfolgreich war)

    • donpozuelo permalink*
      26. März 2021 13:59

      Starship Troopers habe ich damals sehr gefeiert (und mit meine großen Bruder im Kino gesehen).

      Titanic ist schon ein krasser Blockbuster, absolut… mich hat halt nur der Katastrophenfilm wirklich abgeholt.

      Ich fand Avatar damals echt cool… zumindest von den Effekten her. Die Story ist Banane 😁 warum der allerdings immer noch so einen Hype hat, verstehe ich auch nicht wirklich

Trackbacks

  1. Zu zweit allein! | Going To The Movies
  2. Alles für Jenny | Going To The Movies
  3. Der Sklave, der mit Pferden sprach | Going To The Movies
  4. The black cowboy | Going To The Movies
  5. Tiefseealiens | Going To The Movies
  6. Parallel-Universum | Going To The Movies
  7. Vollkommen irre? | Going To The Movies
  8. Auf nach Pandora | Going To The Movies
  9. United States of Zombieland | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: