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Random Sunday #49: The Keep

28. Februar 2021

Ich liebe ja nichts mehr, als im Internet nach obskuren Listen zu Büchern zu suchen. „Die verrücktesten Bücher, die man gelesen haben muss…“ oder „Bücher, die dich sprachlos zurücklassen“ oder oder oder… ich lasse mir da immer gerne kreativen Freiraum, nach was für Sachen ich suche. Manchmal sind es einfach auch nur „Bücher, die man gelesen haben muss“-Anfragen, denen ich auf den Grund. Das Schlimme daran ist nur, dass ich die Titel, die ich bei solchen Suchen für interessant halte, aufschreibe und gerne mal wieder vergesse. Irgendwann gehe ich dann meine eigene Liste durch und kann mich schon nicht mehr daran erinnern, was mich daran so fasziniert hat. Manchmal wächst dann die Skepsis und ich lasse den Titel weiter auf meiner Liste versauern. Manchmal überwinde ich mich aber auch einfach und sage mir, dass mein Ich in der Vergangenheit sich schon was dabei gedacht haben wird und kaufe das Buch dann einfach. Auf diese Weise kam es dann, dass ich jetzt endlich mal Jennifer Egans „The Keep“ gelesen habe, nachdem auch ihr Buch soooo lange auf meiner Liste stand.

In „The Keep“ geht es um Danny. Danny ist ein cooler Hipster aus New York, der in seinem Leben eigentlich nie so richtig was erreicht hat. Als er plötzlich in Schwierigkeiten gerät, nimmt er die Einladung seines Cousins Howard an, mit dem er früher eigentlich sehr eng befreundet gewesen ist. Doch ein dunkles Ereignis in ihrer beider Vergangenheit brachte den Bruch… weswegen Danny auch die ganze Zeit etwas skeptisch gegenüber Howards wahren Motiven ist. Denn wider jeder Erwartung von Danny ist Howard stinkreich und hat sich in einem nicht näher definierten osteuropäischem Land ein Schloss gekauft, das er jetzt zu einem Hotel umbauen möchte. Doch kaum ist Danny dort angekommen, fühlt er sich unangenehm… und dann ist da noch diese merkwürdige Erscheinung im Burgfried des Schlosses.

Ganz ehrlich, ich will eigentlich nicht zu viel über Jennifer Egans „The Keep“ verraten. Ich bleibe erstmal schwammig… und sage, dass es einer der faszinierendsten Romane gewesen ist, den ich in letzter Zeit in die Finger bekommen habe. Erstmal hat Egan eine sehr spannende und detailreiche Sprache. Sie schmeißt uns mit Danny in dieses unheimliche, merkwürdige Schloss und man weiß nie so richtig, ob man jetzt in einem Horror-Buch oder in einem Familien-Drama steckt. Und irgendwie balanciert Egan gekonnt beides auf sehr interessante Art und Weise. Doch ist das längst nicht alles, was diesen Roman ausmacht… und als ich diese Erkenntnis gemacht habe, wurde der ganze Roman, die ganze Geschichte mit einem Mal komplett und clever über den Haufen geworfen.

Egan nutzt einen kleinen, feinen Kniff und verschiebt mit einem Mal die Perspektive. Mit einem Mal betrachtet man Dannys Geschichte aus einer ganz anderen Sicht und hinterfragt mehr denn je, was man hier eigentlich liest. Also wenn ihr wirklich mal etwas extrem Erfrischendes lesen wollt, schnappt euch „The Keep“ von Jennifer Egan. Sie hat eine wundervolle Schreibe, erschafft einen aufregenden Mix aus Grusel und Drama und würzt das Ganze mit tollen und interessanten Charakteren und dem vielleicht besten Plottwist seit Ewigkeiten in einem Buch.

SPOILER-TEIL… bitte mit Vorsicht genießen, da es sonst den Genuss dieses wirklich großartigen Romans ruinieren könnte!

Wie gesagt, irgendwann kippt die Erzählung… und auf einmal erleben wir, dass Dannys Geschichte in Wirklichkeit nur die Geschichte des Gefangenen Ray ist, der die ganze Sache in einem Creative Writing Kurs im Knast schreibt, um seine Lehrerin Holly zu beeindrucken. Allein diese Erkenntnis war ein aufregender Schlag ins Gesicht. Auf einmal hinterfragt man halt wirklich alles, was man bis zu diesem Zeitpunkt gelesen hat… und gleichzeitig bleibt beim Weiterlesen die bange Frage, ob Ray sich das selbst nur ausdenkt oder ob er das in irgendeiner Form selbst miterlebt hat.

Rays eigene Geschichte ist dabei nicht weniger spannend. Seine Erzählungen aus dem Gefängnis fesselt auf eine ganz andere Weise als die von rund um Danny. Und sind dabei selbst nicht weniger gewürzt mit Mystery und Merkwürdigkeiten. Es ist verdammt clever, wie Jennifer Egan diese beiden Ebenen miteinander vermischt. Wie Ray auch immer wieder als Erzähler in die Geschichte von Danny eingreift und sich für bestimmte Stilmittel rechtfertigt. Egan geht so elegant mit allem um und gibt jedem Charakter und jeder Geschichte ihre ganz eigene Tonalität… und als wenn das noch nicht genug ist, überrascht sie am Ende mit einem dritten Twist, den ich hier aber nicht verraten werde.

Jennifer Egans „The Keep“ ist ein Roman, den ich jeder Leseratte wirklich nur wärmstens empfehlen kann. Ich werde nicht aufhören, für dieses kleine, feine Meisterwerk der vertrackten Erzählung einzustehen. Das Ding hat mich echt umgehauen.

4 Kommentare leave one →
  1. 28. Februar 2021 11:05

    Klingt interessant. Tatsächlich hatte ich mir von der Autorin mit „Der grössere Teil der Welt“ auch bereits einen anderen Roman vorgemerkt (aber noch nicht gelesen).

    • donpozuelo permalink*
      28. Februar 2021 18:26

      „Der größere Teil der Welt“ habe ich mir nach dem Roman hier jetzt auch direkt gekauft. Klingt auch echt spannend. „The Keep“ kann ich auf jeden Fall nur wärmstens empfehlen.

  2. 4. März 2021 20:34

    Wie kann ich das jetzt nicht lesen wollen, nachdem du das so angepriesen hast!?!?! Also ehrlich XD

    • donpozuelo permalink*
      5. März 2021 06:35

      Das war ja auch mein Plan. Alle sollten dieses Buch lesen 😁 ist echt verdammt gut

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