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Filmreise Etappe #67: Fressen, vögeln, furzen und sterben

19. Februar 2021

Ich habe lange hin und her überlegt, welchen Film ich mir zum Thema „Essen“ vornehmen soll… und egal, was ich bei Google eingegeben habe, irgendwie tauchte Marco Ferreris „Skandalfilm“ immer wieder auf. Was natürlich meine Neugier weckte… Skandalfilm und dann trotzdem auf gefühlt jeder Liste, irgendwas muss an diesem Film „Das große Fressen“ doch dran sein, oder? Was würde mich da wohl für ein Skandal erwarten? Ich war sehr gespannt und nach zwei mehr als nur anstrengenden Stunden auch schwer enttäuscht, aber der Reihe nach.

Die vier Freunde Marcello (Marcello Mastroianni), Ugo (Ugo Tognazzi), Michel (Michel Piccoli) und Philippe (Philippe Noiret) treffen sich, um sich mehr oder weniger zu Tode zu fressen. Dafür wird jede Menge Essen angekarrt und die Freunde wollen sich es so richtig schmecken. Leider ist Marcello dazu noch schwer notgeil, weswegen die vier Männer sich entscheiden, drei Prostituierte dazu zu holen. Wenn schon sterben, dann halt richtig. Irgendwie kommt dabei auch die Lehrerin Andrea (Andrea Ferreol) mit dazu, die bald von einem zum anderen geht… und so geht das Fressen, das Vögeln, das Furzen und das Sterben so langsam seinen Gang.

Wow… was für ein Film! Und das meine ich in diesem Fall mal leider nicht positiv. Zwei Stunden schaut man diesen Ü50ern dabei zu, wie sie sich in jeder einzelnen Szene irgendwas zwischen die Kiemen schieben. Zwischendurch wird gevögelt und gefurzt… das ist der komplette Film. Ich frage mich ein bisschen, wo da der Skandal ist. Aber gut, der Film kam Anfang der 70er Jahre raus. Da war das viele Vögeln, die ständig nackt herumlaufenden Prostituierten und das Furzen wahrscheinlich schon eine absolute Sensation. Wenn die damals schon „Game of Thrones“ gehabt hätten, wäre wohl vielen Menschen der Kopf vor lauter Scham geplatzt.

Was man dem „Großen Fressen“ zugutehalten muss (wenn es auch der einzige Punkt ist), ist wirklich das Essen. Also auch wenn sehr vieles an diesem Film nicht besonders ansehnlich ist, das letzte Abendmahl der Vier ist es definitiv. Was die hier auftafeln, ist wirklich ein Fest für Könige. Muss wohl auch ein sehr unterhaltsamer Dreh gewesen sein, wenn man ständig nur mit dem besten Essen verwöhnt wird. Die Speisen sind wirklich ein Traum und werden auch sehr schön dargestellt. Aber sobald sich die Meute darauf wirft, hört der Spaß dann auch auf.

So, das war der gute Punkt an „Das große Fressen“. Alles andere ist echt ermüdend und irgendwie auch extrem albern. Die Charaktere lernt man nie so richtig kennen. Man weiß nicht, warum sie es darauf abgesehen haben, sich zu Tode zu fressen oder was sie so sehr an ihrem Leben stört, dass sie es beenden wollen. Die vier Männer sind zwar alle in ihrer Art sehr exzentrisch, aber so wirklich unterscheiden sie sich nicht. Dadurch fehlt einem als Zuschauer auch jegliches Mitgefühl oder auch nur irgendein Identifikationspunkt, um sich in diese Charaktere einfinden zu können.

Der Film ist einfach nur „skandalös“, weil er „skandalös“ sein möchte. In diesem Sinne muss man Regisseur Marco Ferreri schon irgendwie loben. Mir hat sich eine tiefere Bedeutung des Ganzen nicht erschlossen… außer halt das Frauen freizügig durch die Gegend laufen und zum Vögeln willig bereitstehen. Letztendlich ist „Das große Fressen“ wohl der feuchtfröhliche Traum eines alten Mannes, der sich genau das wünscht: Fressen und Vögeln, bis er tot umfällt. Das Furzen wird hier und da mal sehr in die Länge gezogen, aber wirklich „aufregend“ ist daran nun auch wirklich nichts. Es ist manchmal nur einfach ein bisschen lustig.

Auch die Beziehungen unter den Männern habe ich nie so ganz verstanden. Warum die überhaupt in irgendeiner Form befreundet sein sollten… keine Ahnung. Dazu dann aber noch Andrea Ferreols Andrea, die ich auch nie so richtig fassen konnte. Sie wird mehr und mehr zur Gespielin aller Männer, frisst fast genau so viel wie die und ja, das ist dann auch ihre ganze Entwicklung. Soll uns das sagen, wie sehr das Verhalten von Männern auch die netteste Frau verderben kann? Keine Ahnung…

Wie gesagt, ich bleibe dabei: In „Das große Fressen“ einen tieferen Sinn zu suchen, ist vergebene Liebesmüh. Dafür ist der Film einfach zu hirnlos… und besteht halt einfach nur aus fressen, vögeln, furzen und sterben. Sich das zwei Stunden lang anschauen, ist absolute Zeitverschwendung.

Wertung: 2 von 10 Punkten (langweiliges Fressgelage ohne irgendeine Form von Sinn, der sich zumindest mir ergeben hätte)

3 Kommentare leave one →
  1. 28. Februar 2021 19:13

    Wow … das ist dann offenbar mal richtig (Achtung, der kommt flach) artsy-fartsy. n_n Muss ich jetzt in deine Wortspielkasse einzahlen? Ist es denn aber irgendwie als Indie oder Artsy gedacht!? Weil .. wenn es nicht mal einen Hinweis zur Bedeutung gibt!? Seltsam.

    Ich hab übrigens tatsächlich noch nie was von dem Film gehört. Der Kult bzw Skandal hat mich offenbar nicht erreicht. Aber zum Thema „Essen in Filmen“ kann ich sehr „Tampopo“ empfehlen. Der war wunderbar! Es geht um einen Ramen-Shop bzw dessen Besitzerin, die sich von zwei Truck-Fahrer beibringen lässt wie man perfektes Ramen macht. Nicht, dass die das wüssten, aber sie unterstützen sie mit sehr witzigen Aktionen. Zwischendurch gibt es immer Einspieler, die dazu in keinem Zusammenhang stehen, die sich aber alle ums Essen drehen und so ziemlich alle Genres bedienen. Horror, Komödie, Gangster, … der Film ist eine wucht.

    • donpozuelo permalink*
      1. März 2021 06:59

      Ich weiß wirklich nicht, was dieser Film sein soll. Der ist nicht einmal artsy… sondern wirklich nur fartsy 🤣

      Tampopo kommt auf die Liste. Der klingt spannend.

Trackbacks

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