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Random Sunday #48: Rewatching Aquaman

14. Februar 2021

Wenn ich alte Filme, zu denen ich schon eine Kritik geschrieben habe, schaue, komme ich immer wieder auf meine eigenen Texte zurück und gucke, ob ich die Kritik immer noch so schreiben würde. Bei den Filmen, die ich mag, ist da meist nicht so viel zu ändern. Es ist mir bislang eigentlich noch nie passiert, dass ich einen Film, den ich vorher mochte, plötzlich nicht mehr so gut fand. Auch bei den Filmen, die ich nicht mochte, passiert es eher selten, dass sich das plötzlich ändert. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel… und deswegen sitze ich nun vor meinem Rechner und schreibe diesen Artikel. Wider jede Erwartung muss ich es einfach machen…

Einer meiner besten Freunde brachte mich vor einiger Zeit dazu, mir James Wans „Aquaman“ noch einmal anzuschauen. Wir waren damals beide nicht sonderlich von dem Film begeistert, regten uns vor allem über die Länge des Films auf und dass gefühlt zu jedem wichtigen Moment des Films irgendwer daherkam, um genau diesen Augenblick erklären zu müssen. Das hatte mich damals irgendwie echt genervt. Ich mochte den Look des Films, aber die Geschichte langweilte mich tierisch.

Tja… und jetzt habe ich mir das Ganze trotz aller Kritik noch einmal angetan… und ja, ich muss gestehen, ich war doch irgendwie begeisterter. Lag es daran, dass ich darauf vorbereitet war, wie viel Exposition in diesem Film steckt? Lag es daran, dass ich wusste, dass mich die wohl schlimmste Version von Totos „Africa“ erwartet? Lag es daran, dass mir klar war, dass die ganzen tollen Schauspieler, die im Film auftauchen (kleiner Unterwasser-Witz), leider nicht sonderlich viel zu tun hatten? Ich meine, Patrick Wilson als der Ocean Master ist halt einfach nur da, um böse zu sein. Nach wie vor fehlt mir bei ihm ein bisschen die Motivation. Wenn man einfach diesen Bruderzwist ein bisschen besser ausgearbeitet hätte… so a lá Thor und Loki, das hätte diesen Beiden echt gutgetan. Auch Willem Dafoe kommt als Mentor irgendwie nie so richtig zur Geltung. Aber gut, mir war das jetzt beim zweiten Mal gucken halt wirklich bewusst… und irgendwie konnte ich mich damit besser abfinden. Am Ende ist das Ganze halt einfach ein weiterer von den zigtausend Comic-Filmen, die setzen halt mehr auch Knall und Bumm als auf Tiefe (obwohl sowohl DC als auch Marvel die Tiefe auch können… siehe „Logan“, siehe „Joker“).

Wenn ich jetzt also auf „Aquaman“ schaue, sind meine Augen vom Meerwasser befreit und brennen längst nicht mehr so wie damals (noch ein verrückter Unterwasser-Wort-Witz). Ich liebe an dem Film nach wie vor, was James Wan optisch vorlegt. Die Action-Sequenzen, die teilweise in echt atemberaubenden One-Takes gefilmt sind, die Unterwasser-Welten und Kreaturen sind echt verdammt gut. Natürlich wird Ganze in Bälde nicht mehr so cool aussehen, wenn James Cameron irgendwann mal seinen „Avatar 2“ rausbringt, der uns ja unter Wasser gefilmtes Motion Capture zeigen wird. Aber so der ganze Unterwasser-Look hat schon irgendwie was.

Jetzt, wo ich den Film noch einmal gesehen habe, kann ich auch diesem Videospiel-Adventure-Aufbau mehr abgewinnen. Fange an Punkt A an, kämpfe dich durch zu Level B und kämpfe in einem Wrack gegen die ersten Gegner. Von da an reise zu Punkt C und renne durch die Wüste (zu dem furchtbaren Ohren verätzenden Sound von Pitbulls „Africa“-Version), spiele ein wenig Indiana Jones, komm dann zu Punkt D nach Sizilien und kämpfe wieder gegen übermächtige Gegner. Dann kommt das Horror-Level mit unheimlichen Kreaturen und der klassischen „Ich bin würdig genug“-Szene und wir haben einen Jason Momoa, der im klassischen Aquaman-Kostüm ziemlich badass aussieht (aber der Mann würde in einem Kartoffel-Sack badass aussehen). Und am Ende gibt es die große Schlacht.

Auch wenn „Aquaman“ immer noch ein bisschen zu lang ist, funktioniert er jetzt auf einmal doch ganz gut in meinen Augen. Ich wusste, wie ich meine Erwartungen herunterzuschrauben hatte und so konnte mich das Unterwasser-Spektakel besser bespaßen, als ich es mir vorgestellt hätte. Viel verdankt der Film auch einfach dem Charisma eines Jason Momoas und ja, auch wenn man sie jetzt wohl irgendwie verteufeln muss, ist auch die Chemie zwischen ihm und Amber Heard echt gut.

„Aquaman“ hat mich beim zweiten Mal positiv überrascht, weswegen ich einfach mal meine alte Wertung auf zwei Punkte aufstocke. Somit bin ich jetzt bei „Aquaman“ bei 7 von 10 Punkten – und damit kann ich ganz gut leben.

4 Kommentare leave one →
  1. 14. Februar 2021 10:53

    Interessanter Ansatz, aber bei mir ist der Film einfach so durch, dass er keine zweite Chance kriegen wird. Ich verstehe, dass er wahrscheinlich besser wird, wenn man mit nem anderen Ansatz rangeht, aber dann gebe ich lieber anderen Filmen noch eine Chance

  2. 24. Februar 2021 19:33

    Hmmm. Ganz spannend! Ich habe noch gar nicht soviel darüber nachgedacht, ob ich Filme nach der Zweitsichtung anders bewerte und gucke das selten nach. Vermutlich weil ich auch gar nicht so oft rewatche. Tatsächlich schaue ich meistens dann in die Besprechungen, weil ich nicht mehr weiß, wie ich den Film fand oder weil ich nicht mehr weiß, was mich im Detail gestört oder begeistert hat. So hat das mit dem Bloggen auch überhaupt erstmal angefangen … (und wegen des Austauschs)
    Bringt mich zum nachdenken, das beobachte ich mal. Weiß du aber warum der nun besser bei dir ankommt? Jetzt nur wg. der heruntergeschraubten Erwartungen?

    • donpozuelo permalink*
      25. Februar 2021 13:37

      Ich schaue schon manchmal Filme nochmal und gucke dann gerne, ob ich bei meiner ursprünglichen Bewertung bleibe oder nicht. Wird bei mir jetzt aber auch keine regelmäßige Angelegenheit, Rewatch Texte zu schreiben… nur wenn es mir so deutlich auffällt, wie bei dem hier.

      Und woran es am Ende lag, kann ich gar nicht so genau sagen. Vielleicht wirklich die Erwarrungshaltung. Vielleicht war damals irgendwie Stress… schwierig, dass jetzt noch einzuordnen.

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