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Sexy in Space

1. Februar 2021

Kultklassiker sollte man generell eigentlich in Ruhe lassen. Die brauchen keine Fortsetzungen… so wie etwa der furchtbar langweilige „Doctor Sleep“ verzweifelt versucht hat, „The Shining“ eine Fortsetzung zu sein. Die braucht auch keine Reboots… so wie etwa die wenig begeisterungswürdigen „Jurassic World“-Sachen. Die brauchen bitte erst recht keine Remakes… wenn der Tag kommt, dass jemand sich an ein Remake zu „Stirb Langsam“ wagt, dann raste ich aus. Doch jetzt bin ich an einen vermeintlichen Kultfilm geraten, von dem ich mir nach dem Schauen tatsächlich ein Remake wünsche – da der Film Potenzial hat, das kaum genutzt wurde. Besagter Film schimpft sich „Barbarella“… und ist einer der merkwürdigsten Filme, den ich in letzter Zeit gesehen habe. Merkwürdig und gleichzeitig doch faszinierend.

Irgendwann in einer weit entfernten Zukunft, irgendwo in einem weit, weit entfernten Teil der Galaxie zieht die Astronautin und Abenteuerin Barbarella (Jane Fonda) in ihrem mit Plüsch ausgelegten und sehr nach 60ies Sex-Höhle aussehendem Raumschiff umher. Da bekommt sie vom Präsidenten der Erde den Auftrag, den Wissenschaftler Dr. Durand Durand (Milo O’Shea) dingfest zu machen. Denn der hat nicht nur der 80ies Band Duran Duran zu ihrem Namen verholfen, sondern gleichzeitig auch noch eine gefährliche Waffe entwickelt, die für Chaos und Zerstörung in den falschen Händen sorgen könnte. Im System Tau Ceti landet Barbarella auf einem Planeten und macht sich auf die Suche… und findet zur herkömmlichen Form der Liebe zurück – in dem sie einfach mit jedem schläft, dessen Hilfe sie braucht.

Uff… okay… wo fange ich an? Vielleicht damit, dass Austin Powers sicherlich wahnsinnig stolz auf dieses glorreiche Raumschiff wäre? Oder vielleicht damit, dass die Zukunftsversion von Sex, die hier mit Handauflegen passiert, irgendwie sehr stark an das erinnert, was Sandra Bullock und Sylvester Stallone in „Demolition Man“ machen? Oder damit, dass dieser Film ein einziges Pin-Up-Foto-Shooting für Jane Fonda ist… gleich zu Beginn strippt sie auf merkwürdige Art und Weise in Schwerelosigkeit und nutzt danach jede freie Minute, um sich ein neues, freizügiges Kostüm anzuziehen. Nicht das ich mich beschweren will, Jane Fonda war zu dem Zeitpunkt eine wunderschöne Frau, die man gerne halbnackt sieht. Und ja, die Kostüme nach Ideen des Designers Paco Rabanne unterstreichen diesen Sex-Appeal ausgezeichnet… aber es spricht doch am Ende sehr gegen all das, wenn selbst die Hauptdarstellerin eher unzufrieden mit dem Film ist.

Abgesehen von tollen Kostümen, die nicht nur an Jane Fonda gut aussehen, sondern auch an den anderen Darstellern, hat „Barbarella“ leider nicht sonderlich viel zu bieten. Okay… das Set-Design kann sich auch noch sehen lassen. Mehr als einmal hatte ich so ein leichtes „Flash Gordon“-Gefühl, was aber möglicherweise damit zu tun haben könnte, dass Produzent Dino De Laurentiis den ebenfalls mitgestaltet hat.

Die Story ist absolut Banane… und ich kann nur hoffen, dass die Comics, auf denen das hier alles basieren soll, mehr zu bieten haben, was das angeht. Wie gesagt, Barbarella schläft einfach gefühlt mit jedem, außer den bösen Königin, die aber doch so gerne würde. Die meisten Probleme lassen sich in „Barbarella“ eben ganz gut mit Sex lösen… und weil Barbarella selbst so gut darin ist, übersteht sie sogar die Lust-Folter-Maschine von Durand Durand, in dem sie die per glorreichem Orgasmus einfach kaputt macht. Irgendwie gibt sie einem Engel (!) dank Sex auch noch die Lust am Fliegen zurück und rennt mit einem unsichtbaren Schlüssel durch die Gegend.

Ich muss ja gestehen, dass man sich schon ein wenig vor Jane Fonda verneigen muss: Sie gibt diesem hüllen- und sinnlosen Ding namens Barbarella zumindest ein wenig Persönlichkeit. Dass sie nicht bei jeder Szene vor Verzweiflung über die schlechten Dialoge, die schlechte Story-Entwicklung in Tränen ausbricht, verdient schon Respekt…

„Barbarella“ ist vom Look her (und damit ist wirklich alles gemeint) ein Hingucker, doch leider verbirgt sich hinter dieser schönen Optik nichts. Von daher bleibe ich dabei: Ich glaube, ein Remake von „Barbarella“ (bitte aber mit einem ordentlichen Skript) könnte wirklich was bewirken. Aber dann bitte dem Look und vor allem dem glorreichen 60ies Soundtrack treu bleiben.

Wertung: 4 von 10 Punkten (schöne Fassade, nichts dahinter)

8 Kommentare leave one →
  1. 5. Februar 2021 16:13

    So ein Kultklassiker, den man nur mit einer gewissen Portion Alkohol wirklich ‚genießen‘ kann. 😀

    • donpozuelo permalink*
      6. Februar 2021 11:17

      Absolut. Nüchtern funktioniert der nicht. Aber ja, ein Klassiker ist es auf jeden Fall 👍

  2. 10. Februar 2021 13:25

    Hatte ich auch vor einiger Zeit gesehen, weil er ja so als Kultfilm geht – stimme dir aber in allen Punkten zu. Wie hier mit Sexualität umgegangen wird ist, gelinde gesagt, seltsam. Wirkt anfangs noch revolutionär offen, ist aber letztlich ne anzügliche Peepshow

    • donpozuelo permalink*
      11. Februar 2021 06:50

      Peepshow trifft es echt ganz gut 🤣🤣🤣

  3. 13. Februar 2021 19:49

    Wow, das klingt ja nach wildem Bullshit … und der Kult-Effekt ist jetzt was? Der freizügige Umgang einer Frau mit Sex? Wow. Hat bestimmt ein Mann geschrieben. (Sorry)

    • donpozuelo permalink*
      14. Februar 2021 09:05

      Ich gehe mal davon aus, dass es die Freizügigkeit gewesen, wegen der alle ins Kino gerannt sind. Und nein, das nicht ein Mann geschrieben…

      … sondern gleich 3 🙈🙈🙈

      Ja, es ist ein dummer Film. Der nur wegen der Fonda damals wahrscheinlich überhaupt so groß geworden ist.

      • 14. Februar 2021 09:08

        Sondern gleich 3 … herrlich. Im wahrsten Sinne des Wortes. 😂 Oh no …

        • donpozuelo permalink*
          14. Februar 2021 11:51

          🤣🤣🤣🤣 Jupp, für diese Art von Film brauchte es sehr viel brain power, deswegen haben sie das zu dritt gemacht, um möglichst viele Szenarien zu finden, in denen man Jane Fonda halb nackt bis nackt zeigen kann.

          Das Schlimme ist, wenn man sich anstrengen würde, könnte man da wirklich ne coole Story draus machen. Deswegen hoffe ich, dass das Ding irgendwann mal ein Remake bekommt.

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