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Random Sunday #47: The Once and Future King

31. Januar 2021

Als ich nach der ersten Staffel von „Game of Thrones“ anfing, mich für die Romane von George RR Martin zu interessieren, las ich auch mehr Interviews von ihm. Mehrfach fiel dabei ein Buchtitel, der Martin besonders beeinflusst hat: T.H. Whites „The Once and Future King“. Ein Buch, um das ich dann immer wieder mal herumschlich, bis ich es mir dann irgendwann doch einfach kaufte (was soll das ganze Herumgeschleiche? Bringt ja doch nichts.) Jetzt habe ich die vermeintliche beste Interpretation der Arthur-Sage endlich mal gelesen… und ganz ehrlich, zwei Dinge kann ich jetzt schon mal sagen: a) umgehauen hat es mich nicht wirklich und b) man erkennt zumindest in Grundzügen, was Martin inspiriert haben kann.

Zur Geschichte selbst muss man wahrscheinlich nicht mehr viel sagen. Schwert im Stein, Junge zieht es raus und wird König. Anschließend gründet er die Ritter der Tafelrunde, sein bester Freund fängt was mit seiner Frau an. Später schickt er seine Ritter los, um den Heiligen Gral zu suchen und sein eigener Sohn hasst ihn und will ihn tot sehen. Der König stirbt und wir warten darauf, dass er und sein Zauberschwert wieder zurückkommen. Ach ja, und Merlin ist auch mit dabei.

„The Once and Future King“ ist in fünf Bücher geteilt: „The Sword in the Stone“, „The Witch in the Woods“, „The Ill-Made Knight“, „The Candle in the Wind“ (es geht dabei weder um Marylin Monroe noch um Princess Diana) und schließlich „The Book of Merlyn“. Dabei muss ich sagen, dass nicht alle Bücher wirklich packend sind und insgesamt habe ich mich durch viele Passagen des gesamten Buches ganz schön gequält. „The Once and Future King“ gibt ein sehr unterschiedliches Bild ab – mit jedem neuen Buch, das man anfängt. Und interessanterweise fühlt es sich häufig so an, als würde White seinen eigentlichen Hauptcharakter mehr als einmal in den Hintergrund stellen.

„The Sword in the Stone“ ist immerhin ein guter Einstieg… und wenn man hier liest, dass Merlin den jungen Wart (wie Arthur da noch genannt wird) mal in einen Fisch, mal in einen Falken und mal in ein andere Tier verwandelt, merkt man schnell, dass „Die Hexe und der Zauberer“ von Disney dieses erste Buch sehr werkgetreu umgesetzt hat. Doch ich mochte die Tierverwandlungsgeschichten bei Disney nicht und bei White finde ich sie teilweise auch sehr dröge. Als Prolog ist Buch 1 ziemlich lang und eher unspektakulär. Nur der Teil, in dem Arthur Robin Wood kennenlernt (der Name „Robin Hood“ ist quasi die fake news des Mittelalters), kommt ein wenig Spannung auf. Aber für 230 Seiten bleibt „The Sword in the Stone“ erstaunlich unspektakulär.

Buch 2, „The Witch in the Woods“, zeigt dann deutlicher, was ich damit meinte, dass White Arthur gerne mal in den Hintergrund stellt. Wir reisen auf die Orkney-Inseln. Hier jagt König Pellinore immer noch sein fabelhaftes Ungeheuer und wir lernen die Brüder Gawain, Agravaine, Gaheris und Gareth kennen. Wir dürfen bei der sehr verstörenden Ermordung eines Einhorns durch die Brüder dabei sein und erfahren ein wenig mehr über Arthurs Hintergrund-Geschichte – aber eben durch die Erzählungen anderer.

Erst gegen Ende des zweiten Buches wird Arthur wieder interessant. Er und Merlin diskutieren die Unterschiede zwischen Macht und Recht… und so ganz nebenbei entsteht die Idee der Tafelrunde. Immerhin ist Buch 2 offensichtlich auch etwas, was George RR Martin dann inspiriert haben dürfte: Arthurs Halbschwester Morgause benutzt einen Zauber, um mit ihrem Bruder zu schlafen und so einen Sohn zu bekommen.

Insgesamt ist aber auch Buch 2 eher langweilig. Das einzige, interessante Stilmittel ist immer wieder Merlin und der allwissende Erzähler. Merlin altert wie Benjamin Button und kennt deswegen schon die Zukunft, weil sie seine Vergangenheit ist. So erwähnt Merlin in Gesprächen mit Arthur einen abscheulichen Österreicher, der die Begriffe Macht und Recht sehr falsch interpretiert hat. So streut White immer wieder direkte Allegorien zum Thema Macht und Machtmissbrauch ein… und das nicht nur durch Merlin, sondern auch als der Erzähler selbst, der bestimmte Aspekte dann immer für uns schlüssiger erklärt.

In Buch 3, „The Ill-Made Knight“, geht es dann nur um Lancelot, der bei White als ziemlich hässlich beschrieben wird (im Gegensatz zu der sonst immer sehr attraktiven Darstellung in anderen Darstellungen). Buch 3 geht Lancelots und Guineveres Liebesgeschichte auf den Grund. Dabei gibt es dann viel Drama, viel Intrigen, viele Anschuldigungen, die in Duellen meist durch Lancelot geklärt werden.

Am meisten gewundert hat mich dabei einfach nur, wie leichtgläubig White Arthur hier darstellt (der auch in Buch 3 nicht sonderlich viel zu tun hat). Man möchte an einigen Stellen ins Buch schreien wie Bastian in „Die Unendliche Geschichte“ und den König wachrütteln.

Tatsächlich mochte ich aber Buch 3 mit am meisten, weil es hier mal wirklich ein bisschen ritterlicher und weniger philosophisch zugeht. Doch bis man zu diesem Zeitpunkt kommt, muss man sich durch zwei Bücher kämpfen, die weniger aufregend sind.

Buch 4 „The Candle in the Wind“ ist dann der eigentliche Abschluss der Sage. Morgauses Sohn (und auch der von Arthur) Mordred gelüstet es nach der Macht – wofür er dann auch das Wissen rund um die Affäre der Königin missbraucht. Dieser vierte Band ist aber tatsächlich ganz spannend. Es gibt ein paar Kämpfe, ein paar Intrigen und am Ende passiert, was passieren muss: Avalon wartet auf den König.

„The Book of Merlyn“ ist dann als fünftes Buch quasi nur ein postumer Zusatz, der Teile aus dem ersten Buch wiederverwertet und den alten Arthur noch einmal mit Merlin vereint und sie gemeinsam die Lehren aus seinem Leben ziehen. Dafür versammeln sich alle Tiere, in die sich Arthur einst verwandelt hat und diskutieren. Das war wirklich das langweiligste Kapitel des gesamten Buches. Zeitlich spielt es sogar noch kurz vor Arthurs Kampf gegen Mordred in Buch 4, weswegen man Buch 5 eigentlich auch wirklich getrost weglassen kann.

„The Once and Future King“ kam mit mehr Lorbeeren als für das Buch gut gewesen ist. Meine Erwartungen waren sehr hoch und wurden leider nicht so wirklich erfüllt. Da bleibe ich dann doch lieber bei John Boormans „Excalibur“…

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