Zum Inhalt springen

Filmreise Etappe #64: Die heiligen Blutwürmer

29. Januar 2021

Ich habe lange hin und her überlegt, welche Manga-Verfilmung ich in diese Filmreise mitnehmen soll. Eigentlich wollte ich immer mal den „Death Note“-Film gucken, aber der soll ja wirklich gruselig schlecht sein. Ähnlich scheint man sich auch bei der „Full Metal Alchemist“-Live-Action-Version einig zu sein… deswegen ließ ich die mal alle direkt weg. Doch dann fiel mir „Blade of the Immortal“ wieder ein. Den Manga von Hiroaki Samura mochte ich früher ganz gerne, die amazon-Anime-Serie dazu kann ich auch durchaus empfehlen… und immerhin steckt hinter dem Live-Action-Film ein großer Name: nämlich Takashi Miike. Das, so dachte ich, will ja zumindest was heißen. Immerhin ist „Blade of the Immortal“ auch ein ziemlich brutales Gemetzel – also genau richtig für den Metzel-Meister Japans, der gerade früher gerne die Zuschauer mit Filmen wie „Ichi the Killer“ oder „Audition“ verstörte. Scheint der richtige Mann, um dem Hundert-Männer-Mörder Manji einen Film zu widmen.

Die junge Rin (Hana Sugisaki) musste mit ansehen, wie Mitglieder der Itto-ryu ihren Vater töteten und ihre Mutter vergewaltigten. Jahre später will sie sich an dem Anführer, Anotsu (Sota Fukushi) rächen und heuert dafür den Hundert-Männer-Mörder Manji (Takuya Kimura) an. Manji ist durch eine alte Frau unsterblich geworden. Sie verabreichte ihm heilige Blutwürmer (ich habe mir das nicht ausgedacht), die jede seiner Wunden verheilen lassen. Dieses ungleiche Paar macht sich nun auf den Weg, die Itto-ryu zur Verantwortung zu ziehen.

Ich sage es mal vorsichtig so: Takashi Miike bemüht sich wirklich sehr, scheitert aber einfach an der Unmenge an Stoff, den „Blade of the Immortal“ zu bieten hat. Die Anime-Serie war genau richtig, war hier doch genug Zeit, um die unzähligen Charaktere gut auszuarbeiten. Diese Möglichkeiten hat Miike leider nicht, auch wenn sein Film zweieinhalb Stunden lang ist. Wichtige Charaktere werden mal eben irgendwie eingeführt, tauchen gefühlt aus dem Nichts auf, sind dann aber wichtig für die Handlung. Hier merkt man, dass dieser Stoff sich einfach nicht für einen Film eignet. Letztendlich hätte Miike das Risiko eingehen soll, die Geschichte abzuwandeln – was natürlich Hardcore-Fans auf die Barrikaden gebracht hätte, aber für seinen Film einfach sinnvoller gewesen wäre.

So schwankt „Blade of the Immortal“ dann leider ständig von Action-Sequenzen zu Mono- oder Dialogen, in denen neue Charaktere eingeführt oder die Intentionen der alten näher beleuchtet werden. Als Fan darf man sich da immerhin an der Werktreue der Charakterzeichnungen erfreuen… auch wenn ich manchmal eher das Gefühl hatte, ich würde Cosplayern zuschauen. Manche Kostüme wirkten da schon fast zu gewollt, zu perfekt nachgestellt einfach. Aber selbst das rettet einen nicht davor, von dieser Scharr an Charakteren erschlagen zu werden. Takashi Miike schafft es zwar, sie irgendwie unter einen Hut zu bekommen, es fehlt aber einfach wirklich die Zeit, um all diese unterschiedlichen Geschichten richtig zu entfalten. Da empfiehlt sich dann doch eher die Anime-Serie, die alle Höhen und Tiefen der Figuren besser ausloten kann.

Was mich dann zu den Action-Sequenzen führt: die fand ich leider eher enttäuschend. Allein schon die erste, in der Manji die hundert Männer tötet, ist ein unübersichtliches Wirrwarr in Schwarz-Weiß, bei dem man Manji auch gerne mal komplett aus den Augen verliert. Auch später sind die Schwertkämpfe nicht unbedingt so stylish oder gar bluttriefend, wie ich es mir vielleicht gewünscht hätte. Gerade bei einem Takashi Miike hatte ich da zusätzlich noch höhere Erwartungen. Auch bei den Kämpfen bemüht sich der Regisseur aber um Werktreue und liefert ein paar ikonische und für Fans wichtige Kämpfe.

Gut fand ich aber die Beziehung zwischen Manji und Rin. Takuya Kimura passt ganz gut in die Rolle des knurrigen Killers, der in der jungen Rin seine verstorbene Schwester sieht. Auch Hana Sugisaki liefert eine tolle Performance ab… und auch hier muss ich einfach sagen: Hätte Miike mal ein bisschen von der Werktreue Abstand genommen. Vielleicht hätte man einfach weniger Charaktere nehmen sollen, das Ganze auf Manji und Rin runterbrechen und die Rachestory etwas vereinfachen können. Hätte den Fans vielleicht nicht so ganz gefallen, wäre aber als Film einfach übersichtlicher gewesen.

Wertung: 4 von 10 Punkten (schöner Fan-Service, der aber an der Fülle des Originals scheitert)

3 Kommentare leave one →
  1. 2. Februar 2021 20:17

    Fand den… okay. Sehr Videospiel-esk in seiner Struktur. Die Animeserie steht schon länger auf meiner Watchlist – die ist also besser, sagst du?

    • donpozuelo permalink*
      3. Februar 2021 09:22

      Absolut richtig. Der hat aber halt auch wirklich das Problem, zu viel erzählen zu müssen. Die Serie selbst fand ich echt viel besser.

Trackbacks

  1. Der Hundert-Männer-Mörder | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: