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Frauen, Whiskey und Zigaretten

20. Januar 2021

Bei all den neuen Serien, die Woche für Woche rauskommen, nehme ich mir doch immer mal wieder gerne die Zeit, um eine Pause einzulegen und etwas zu schauen, was „relativ“ alt ist. Bei vielen der neuen Serien warte ich ehrlich gesagt auch lieber ein wenig, bis sich ein allgemeiner Konsens herausbildet, ob die Serie sehenswert ist oder nicht. Es gibt halt einfach zu viel und ich kann nicht alles auf einmal gucken (deswegen habe ich auch so lange gewartet, bis ich mir „The Queen’s Gambit“ angeguckt habe). Da verlasse ich mich dann halt doch zwischendurch immer mal wieder auf „alte“ Serien, die gemeinhin als Klassiker oder Meilensteine der TV-Kultur bezeichnet werden. So geschah es dann eines Tages, dass ich mich dazu entschied, mir endlich mal „Mad Men“ vorzuknöpfen. Doch Staffel 1 und ich wurden nicht sofort warm miteinander.

Willkommen in der 60er Jahren in New York. In der angesehenen Werbeagentur Sterling Cooper fängt die junge Peggy Olsen (Elisabeth Moss) als Sekretärin von Don Draper (John Hamm) ihre Arbeit an… und sieht sich (gemeinsam mit dem Zuschauer) einer wilden und sehr zügellosen „Gesellschaft“ gegenüber.

Als ich „Mad Man“ anfing, war ich erstmal gar nicht so begeistert. In meinen Augen entwickelte sich da nichts. Jede Folge bestand aus den immer gleichen Elementen: Männer trinken, rauchen und lüstern Frauen hinterher. Frauen (vor allem die unzähligen Damen bei Sterling Cooper) versuchen alles, um den Männern zu gefallen. Somit flirtet dann jede mit jedem und jeder mit jeder. Sex bedeutet in dieser Serie offensichtlich Macht – und gerade die Frauen in dieser Serie (allen voran eine großartige Christina Hendricks) wissen damit umzugehen. Doch mehr war da irgendwie nicht…

Schnell merkte ich, dass ich das Ganze nicht bingen können würde. Mehr als zwei Folgen und mir wurde, ehrlich gesagt, langweilig. Mir fehlte einfach das gewisse Etwas. Ich konnte die Charaktere nur schwer greifen. Ich musste mir allerdings auch immer wieder vor Augen führen, dass diese Serie in den 60ern spielt und viel von dem Verhalten der Männer als auch Frauen in der Serie einfach der Zeit „geschuldet“ ist. Manchmal blieb mir dennoch einiges ein Rätsel. Irgendwann mitten in der Geburtstagsfeier seiner Tochter verschwindet Don Draper und taucht er spät wieder auf. Als Entschuldigung hat er nur einen Hund vorzuweisen. Was???

Überhaupt konnte ich schwer Zugang zu diesem Don Draper findet, den ein John Hamm mit der nötigen Lässigkeit spielt und ihm die nötige Coolness verleiht, um sich als „Held“ der Serie zu behaupten. Doch Don Draper und auch seine vielen Frauengeschichten waren mir immer ein Rätsel. Erst mit der Zeit offenbart dann die erste Staffel, dass hinter der Fassade Don Draper etwas ganz anderes steckt. Dass Don Draper wirklich nicht mehr als ein Konstrukt ist. Da fing es dann an, mich doch wieder ein bisschen zu interessieren.

Dennoch muss ich sagen, ich hätte es fast schon interessanter gefunden, wenn Peggy Olson der eigentliche Bezugspunkt der Serie sein würde. Wie wir als Zuschauer begegnet sie dieser Welt in Staffel 1 das erste Mal… und ich bin froh, dass ich Elisabeth Moss für mich als Ankerpunkt habe. Letztendlich finde ich nämlich ihre Figur viel spannender als Don Draper. Gerade wie ihre Peggy sich in Staffel 1 schon wandelt, ist faszinierend, da wir an ihr sehen, wie diese Welt sie korrumpiert und verändert.

Es ist tatsächlich die Figur der Peggy, die mich auch jetzt davon abhält, mit „Mad Men“ abzuschließen. Zum Ende hin habe ich einfach nur eine Folge pro Tag geguckt, dann ging es. Auch wurde Staffel 1 zum Ende hin ein wenig persönlicher… oder ich habe mich da mittlerweile mehr an die Charaktere gewöhnt. Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall war es nicht so ganz einfach, in die Serie reinzukommen, aber ich werde Staffel 2 eine Chance geben – gerade auch weil das Finale von Staffel 1 mit einer ziemlichen Überraschung daher kommt, gerade was Peggy betrifft – und da will ich schon wissen, wie das weitergeht.

Wertung: 6 von 10 Punkten (holpriger Start, dem in meinen Augen etwas die Tiefgründigkeit fehlt – wäre der Charakter von Peggy nicht, wäre ich viel früher ausgestiegen)

8 Kommentare leave one →
  1. 20. Januar 2021 07:44

    Schade, dass die Serie bei dir nicht gezündet hat. Ich fand schon die erste Staffel großartig, doch die Serie steigert sich bis zur vierten noch, wo sie einen Höhepunkt erreicht (gerade in der Beziehung zwischen Peggy und Don). Habe damals aber auch noch selbst in der Werbung gearbeitet und fand gerade diesen Aspekt spannend, also was die Pitches usw. angeht, die man in der Serie sieht.

    • donpozuelo permalink*
      20. Januar 2021 09:18

      Sie hat anfangs nicht so gezündet. Ich bin aber dran geblieben und gucke brav weiter. So mit der Zeit lernt man die Charaktere besser kennen… dann geht das schon. Don Draper ist mir dennoch irgendwie nicht so geheuer. 😅 Aber ja, Peggy mag ich als Figur sehr gerne.

    • donpozuelo permalink*
      20. Januar 2021 09:19

      Und ja, in der Werbung zu arbeiten, hilft sicherlich. Wie weit ist denn die Werbung gekommen von der Zeit, in der die Serie spielt, bis zu der, als du noch selbst in der Werbung gearbeitet hast? Wie viel Whiskey habt ihr so am Tag getrunken? 🤣

      • 20. Januar 2021 09:26

        Hat GAR nix mehr zu tun. Vermutlich war „Mad Men“ für mich so die Power-Fantasy für Werber… 😅

        • donpozuelo permalink*
          20. Januar 2021 11:22

          Hahaha… so wie es wahrscheinlich alle Bond-Filme für Geheimdienstmitarbeiter ist 😅 aber gut… irgendwie muss es ja ein bisschen aufregender gezeigt werden als in der Realität. Dafür passen dann die 60er Jahre wahrscheinlich auch besser…

        • 20. Januar 2021 13:03

          Schöner Vergleich 😉

  2. 8. Februar 2021 19:02

    Mir ging es mit der ersten Staffel ganz ähnlich, wenn ich sie auch etwas spannender fand. Vielleicht macht es als weibliche Zuschauer nochmal mehr aus, wenn man das geballte Patriarchat der 60er Jahre durch Peggys Augen betrachtet. Aber ich kann mich noch erinnern, dass ich sie am Anfang auch eher etwas langweilig oder sagen wir mal gediegen fand. Das hat sich dann aber geändert als klar wurde in welche Richtung sich Peggys Aufsteiger und Dons Absteigergeschichte bewegt. Überhaupt hat die Serie sich ja ihren Ruhm v.A. mit der Etablierung einer Frauen-Aufsteigergeschichte am Beispiel Peggys verdient und am Beispiel Dons, der oftmals als „Held“ falsch verstanden wird. Er mag zwar Charme haben, aber was die Serie dann auch stark über kommende Staffeln abbildet ist von etwas anderer Natur. Laber Laber Rhabarber, jedenfalls wird es mit jeder Staffel gefühlt interessanter.

    • donpozuelo permalink*
      9. Februar 2021 07:35

      Ja, sehe ich genau so wie du. Ich habe ja mittlerweile weiter geguckt und bin auch sehr fasziniert, wie der große Don Draper mehr und mehr dekonstruiert wird, während die ganzen Frauenrollen (nicht nur Peggy) echt sehr viel interessanter und spannender werden

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