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Random Sunday #46: The Wasp Factory

17. Januar 2021

Nachdem ich die gut ausgewählten Titel meiner „20 Bücher für 2020“ durchhatte, war ich ein wenig in einem Teufelskreis gefangen. Jedes neue Buch, dass ich anfing, war nicht so aufregend, wie ich es mir erhofft hätte. Mehrere Romane brach ich nach einiger Zeit ab, weil ich einfach nicht mit ihnen klarkam. Dann stolperte ich über ein Buch, bei dem ich auch während des Lesens immer wieder hin und her schwankte, ob ich aufhören sollte oder nicht. Schlussendlich brachte ich Iain Banks „The Wasp Factory“ aber zu Ende, einfach weil ich dann doch unbedingt wissen wollte, wie dieses ungewöhnliche Buch ausgehen würde.

Unser Erzähler in diesem Roman ist der 16-jährige Frank. Er lebt mit seinem Vater auf einer kleinen Insel in Schottland. Der Junge wird von seinem Vater unterrichtet und verlässt eigentlich nur sehr selten die Insel. Auf sich allein gestellt, erfindet Frank für sich selbst schamanisch angehauchte Rituale… eines davon ist unter anderem die Titel gebende Wespen-Fabrik, die ihm Anweisungen zu geben scheint (erst später im Buch erfahren wir wirklich, was es mit der Fabrik auf sich hat). Nebenbei erzählt uns Frank von seiner Kindheit… und den drei Morden, die er begangen hat. Das Leben von Frank und seinem Vater wird aber aus der Ruhe gebracht, als Franks älterer Bruder Eric aus einer psychiatrischen Anstalt entflieht und nach Hause kommen will.

„The Wasp Factory“ fängt mehr als nur mysteriös an, was auch immer wieder die Faszination ausgemacht hat, die mich dazu zwang, weiterzulesen. Wir erfahren alles nur aus der Sicht von Frank und Frank selbst ist der komischste Vogel überhaupt. Ein Einsiedler, der seinen merkwürdigen Ritualen komplett verfallen ist. Als Leser weiß man nie so recht, wie viel von dem, was Frank erzählt, man wirklich glauben kann. Oftmals erschien es mir so, als wäre alles nur eine Erfindung von Frank – selbst sein Bruder. Schließlich ist Frank der einzige, mit dem Eric am Telefon spricht. Franks Vater ist gefühlt meilenweit weg von seinem Sohn. Kein Wunder also, dass der zu einem skurrilen Eremiten wird.

Unangenehm wird „The Wasp Factory“ dann, wenn Frank von seinen drei Morden erzählt. Frank hat nämlich zwei seiner Cousins und seinen jüngeren Bruder ermordet. Und das jedes Mal auf perfide Art und Weise. Einem steckt er eine giftige Schlange in seine Bein-Prothese, den anderen lässt er auf eine durch eine Flut aufgedeckte Flieger-Bombe schlagen, bis die explodiert und ein kleines Mädchen lässt er mit einem riesigen Drachen übers Meer fliegen. Die Art und Weise, wie Frank über diese Morde redet, ist manchmal absurd komisch, sehr detailverliebt und sehr genau. Frank selbst sieht in diesen Morden nie etwas arg Schlimmes und ich weiß nicht, ob es das war, was mich an diesen Schilderungen so schockiert hat.

Iain Bank behandelt das alles, als wäre es das Normalste der Welt. Er verliert sich durch seinen Erzähler Frank in zig Kleinigkeiten zu diesen Taten… um uns was genau zu zeigen? Die verstörenden Gedanken eines psychisch labilen Jungen. Ganz ehrlich, da hätten mir schon die verschiedenen Rituale gereicht, die Frank durchführt, die auch teilweise verdammt blutig und psychopathisch ablaufen. Etwa wenn Frank sich dafür recht, dass ein großer Hase, mit dem er in einen Todeskampf verwickelt wird, seine Schleuder zerstört. Daraufhin lässt der Junge in verschiedenen Hasenbauten kleine Bomben losgehen und erfreut sich an den brennenden und schreienden Kaninchen, die am lebendigen Leibe verbrennen.

Frank ist ein Psychopath wie er im Buch steht… und hier halt wirklich in einem Buch steht. Das Problem für mich dabei war, dass das Ganze irgendwie zu nichts wirklich führt. Klar, die erwartete Ankunft von Franks Bruder Eric… aber was dann? Hat die Wespenfabrik irgendwas damit zu tun? Oder das geheimnisvolle, ständig verschlossene Studienzimmer von Franks Vater?

Was man Iain Banks lassen muss: Er versteht es verdammt gut, seinen Leser (in diesem Fall: mich) zu ködern. Ich wollte wirklich wissen, was da am Ende passiert. Bildet sich Frank alles nur ein? Was ist wahr, was nicht? Ich hatte während des Lesens zig verschiedene Theorien… doch was Banks dann am Ende als Auflösung liefert, war einfach nur bescheuert. Sorry, mir fällt dafür einfach kein besseres Wort ein. Mit der Auflösung hätte „The Wasp Factory“ noch irgendwie gewinnen können. Doch nach dem Abstieg in die wirren Gedanken Franks wird es mit der Auflösung, die ich an dieser Stelle nur auf Anfrage spoilern werde, nicht besser. Das ist so plakativ und so dumm, dass es den Roman in meinen Augen nur noch alberner und bescheuerter wirken lässt.

„The Wasp Factory“ hat eine interessante Prämisse, doch in meinen Augen macht Banks da nicht wirklich viel draus. Aber mit diesem ersten Roman hat er genug Aufsehen erregt und somit seine erfolgreiche Schriftsteller-Karriere gestartet. Ich werde mich allerdings erstmal von ihm fernhalten.

4 Kommentare leave one →
  1. 6. Februar 2021 20:27

    Ich kann mir nicht helfen, ich musste die ganze Zeit beim Lesen deiner Besprechung an Donny Darko denken!? Aber klingt auch so als ob ich um das Buch erstmal einen Bogen mache. Klingt aber nach einem wilden Ritt.

    • donpozuelo permalink*
      6. Februar 2021 20:38

      Hmm… Donnie Darko, echt? Wie kommt das? 😅

      Ja, ich würde das Buch wirklich nicht weiterempfehlen. Schon sehr merkwürdig irgendwie…

      • 6. Februar 2021 20:48

        Keine Ahnung … vielleicht wegen diesem steten Ungewissen was am Ende des Buches wartet und der Erwähnung von Hasen!? ^^‘

        • donpozuelo permalink*
          7. Februar 2021 19:05

          Die Hasen sind hier mehr zu bemitleiden und weniger zum Fürchten als bei Donnie Darko 😀

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