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Filmreise Etappe #62: Der Duft der Verlogenheit

15. Januar 2021

Im neuen Jahr geht es nun auch endlich mit meiner Filmreise weiter, die mittlerweile nun wirklich in den letzten Zügen liegt. Weiter geht es mit einer Theater-Verfilmung und da habe ich mich einfach direkt an Tennesse Williams gewandt. Ich hatte in meiner Jugend mal eine Phase, in der ich sehr viele Theaterstücke gelesen… unter anderem eben auch die drei großen von Williams: „The Glass Menagerie“, „A Streetcar named Desire“ und „Cat on a Hot Tin Roof“. Für die Filmreise habe ich mir mal „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ vorgenommen – nicht zuletzt auch deswegen, weil die DVD dazu schon seit Ewigkeiten unberührt in meinem Regal steht. Jetzt wurde es mal Zeit.

Zum Geburtstag von Big Daddy (Burl Ives) findet sich dessen Familie in seinem Anwesen ein. Vor allem sein Lieblingssohn Brick (Paul Newman) steht dabei im Vordergrund. Brick hat sich kurz vorher den Knöchel gebrochen, hängt nur noch an der Flasche und hat Probleme mit seiner Frau Maggie (Elizabeth Taylor). Deren Streit steht anfangs im Zentrum, doch schnell merkt man, dass es überall in der Familie brodelt – gerade weil der nahende Tod von Big Daddy auch die Frage nach dem Erbe aufbringt, was vor allem Bricks Bruder Gooper (Jack Carson) und dessen Frau Mae (Madeleine Sherwood) auf den Plan ruft, die nur zu gerne ein großes Stück vom Kuchen abhätten.

„Die Katze auf dem heißen Blechdach“ war 1958 der dritterfolgreichste Film in den USA und bei dem Cast verwundert mich das überhaupt nicht. Schönling Paul Newman und die Atem beraubende Elizabeth Taylor dürften schon mehr als genug gewesen sein, um Kinobesucher anzulocken. Tennesse Williams war auch ein anerkannter Theater-Autor – was könnte da schon schief gehen?

Tatsächlich auch nicht wirklich viel. Gerade schauspielerisch ist „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ wirklich sehr gut. Gerade die Taylor (übrigens ist das hier mein erster Film mit ihr) ist wirklich sehr stark. Ihr verzweifelt um Anerkennung und Liebe kämpfende Maggie geht einem echt ans Herz – sie kämpft gegen Vorurteile ihrer Schwägerin und die Ablehnung ihres Mannes. Spannend dabei ist, dass der Film es lange im Unklaren lässt, warum Brick seine Maggie so hart von sich weist. Dadurch wird gut Spannung aufgebaut und man muss sich sehr gedulden, bis man das vollständige Bild vor Augen hat.

Paul Newman konnte ich anfangs nicht so richtig greifen. Oftmals hatte ich in diesem Film das Gefühl, er steht einfach nur schön da und guckt in die Ferne. Selbst wenn er anfangs redet, wirkt er leicht abwesend – fast so, als müsste er sich sehr konzentrieren, seine Zeilen aufzusagen. Newman wirkt für mich oftmals einfach nur als sexy Standbild, so richtig zur Geltung kommt sein Brick anfangs nicht. Doch wenn auch ein Newman mal vom Stapel gelassen wird, merkt man auch bei ihm, wie gut die Rolle eigentlich zu ihm passt.

Was ich persönlich nur sehr schade finde, ist die Tatsache, dass der Film gerade Bricks Geschichte stark umschreibt. Wenn man sich dann aber wiederum anschaut, wann der Film in die Kinos kam (1958) wundert es mich wiederum nicht. In seinem Stück dichtet Tennesse Williams eine homosexuelle Geschichte mit seinem besten Freund Skipper an. Der Film streicht die homosexuellen Neigungen komplett, versucht sich verzweifelt hinter einer „beste Freunde“-Geschichte zu verstecken und gerade daran scheitert dann das Drehbuch. Hier fehlt dann einfach dieser Knall, der dann das wahre Drama hinter der Geschichte von Brick und Maggie offenbart.

Dennoch bleibt die Maggie-Brick-Story die Beste des Films. Alles rund um Big Daddy fand ich eher etwas langatmig und nicht sonderlich stark auserzählt. Burl Ives ist zwar toll als Big Daddy und gerade Madeleine Sherwood ist toll als biestige Mae, aber ansonsten ist das eine etwas uninteressante Story.

Alles in allem ist „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ vor allem dank des Casts interessant. Der Film leidet auch ein wenig unter der „Theaterhaftigkeit“, filmisch ist da von Regisseur Richard Brooks nicht viel gemacht worden. Er vertraut auf seine Darsteller. Die sind gut… als Film ist diese Katze aber einfach etwas langsam.

Wertung: 7 von 10 Punkten (Taylor und Newman tragen den ganzen Film, der ohne die Beiden nicht ansatzweise so stark wäre)

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