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Tanzende Mönche

11. Januar 2021

Ich muss schon sagen, dass ich die Karate-Kid-Fortsetzungen alle sehr viel besser in Erinnerung hatte, als sie es am Ende waren. Was schade ist, da sie eigentlich alle interessanten Ansätze hatten: „Karate Kid 2“ wollte uns Mr. Miyagi und seine Vergangenheit näherbringen, scheitert aber an einem Übermaß an Langeweile und an einer Armut an Spannung. „Karate Kid 3“ will Daniel auf die dunkle Seite der Macht ziehen, schafft es aber nicht diese Verlockung schlüssig zu erklären. „Karate Kid“ und „Karate Kid 2“ waren aber immerhin noch sehr stark an den Kinokassen und spielten mit ihren Mini-Budgets immer so knapp an die 100 Millionen Dollar ein. Doch schon damals zeigte sich, dass Teil 2 nur so erfolgreich war wegen des ersten Teils. Die leichte Enttäuschung über diese Erfahrung spiegelte sich dann im drittel Teil wider, der dann nur noch knapp 40 Millionen einspielte. Was bei einm Budget von 12 Millionen zwar kein Flop ist, aber doch deutlich zeigt, dass die Zeit von Karate vorbeigewesen ist. Also dachte man sich Anfang der 90er Jahre: Probieren wir mal was Neues und sind ganz kreativ dabei. So wurde dann „The Next Karate Kid“ geboren – oder auch gemeinhin „Karate Kid 4“.

Mr. Miyagi (Pat Morita) reist nach Boston, wo er mit anderen Mitgliedern des 442. Regiment für ihre Zeit im Zweiten Weltkrieg geehrt werden. Dabei trifft er auf die Witwe seines Kommandanten, der er mit ihrer hitzigen Enkelin Julie (Hilary Swank) unter die Arme greifen will. Während Oma Witwe in Kalifornien mal eben bei Miyagi Urlaub machen darf, kümmert der sich um Julie… die natürlich erstmal nichts von dem alten Mann wissen will. Doch Julie hat Stress an ihrer Schule: Dort gibt es eine merkwürdige Schul-Security-Miliz namens Alpha Elite. Die werden von Colonel Dugan (Michael Ironside) angeführt, seine Nummer 2, der schmierige Ned (Michael Cavalieri), belästigt Julie immer wieder. Auch ihr neuer Freund Eric (Chris Conrad) kann da nicht helfen. Aber Miyagi kann… dafür geht es aber erstmal zu einem Karate-Urlaub in ein buddhistisches Kloster – inklusive tanzenden Mönchen.

Oscar-Preisträgerin Hilary Swank begann ihre Karriere wirklich mit Martial Arts. „Karate Kid 4“ ist ihr zweiter Film (davor war sie in „Buffy the Vampire Slayer“, dem Quasi-Vorfilm zu Joss Whedons großartiger Vampirjägerin-Serie). Ich muss gestehen, ich war bislang nie ein sonderlich großer Fan von „Karate Kid 4“. Aus vielen Gründen: Ich fand’s immer doof, dass Daniel so ohne jede Erklärung einfach aus dem Franchise gehebelt wurde. Ich fand’s mega dumm, wie hier mit dieser Schul-Miliz ein schlechter Cobra-Kai-Ersatz gesucht wurde. Doch nachdem ich mich jetzt noch einmal durch alle Karate-Kid-Filme geguckt habe, kommt jetzt tatsächlich ein großes „Aber“.

Tatsächlich ist „Karate Kid 4“ – so unnötig dieses Sequel eben auch ist, weil es außer einem weiblichen Karate Kid nichts wirklich Neues bietet – von all den Sequels in sich noch das Interessanteste. Ja, ich glaube selbst kaum, dass ich das schreibe. Aber nach all dem Mist, der zurecht dafür gesorgt hat, dass das Interesse am Franchise schwand (bis natürlich „Cobra Kai“ daher kam), ist die Story hier wenigstens noch irgendwie schlüssig. Endlich geht es auch mal wieder ums Karate-Lernen selbst. Es gibt endlich mal wieder ein paar coolere Trainingsmontagen. Julie muss sich mit den Miyagi’schen Trainingsmethoden klar kommen… klar, irgendwo fängt das Ganze wieder bei null an, aber diese leichte Erfrischungskur ist unterhaltsamer als alles, was wir davor gesehen haben (abgesehen vom Original natürlich).

Höchst absurd (und damit irgendwie natürlich auch im Einklang mit allem, was wir davor gesehen haben) ist die Story natürlich trotzdem. Gerade diese Alpha Elite ist absolut bescheuert. Michael Ironside als Ersatz-John-Kreese ist noch skurriler und bescheuerter als alles Bisherige. Seine Truppe von Bullies ist so ziemlich das Übelste, was man in diesen Filmen bislang gesehen hat – ich frage mich wirklich, welche Schule so etwas jemals zulassen würde. Aber wer weiß, so wie sich gerade alles in „Cobra Kai“ entwickelt, könnten wir auch dahin zurückkehren.

Überhaupt bin ich gespannt, wann uns das Serien-Revival auch Hilary Swank präsentieren wird, die als Next Karate Kid eine gute Figur abgibt. Mal einen verspäteten Kampf zwischen ihr und Daniel wäre doch auf jeden Fall was. Wer weiß, vielleicht kommt irgendwann raus, dass sie die Mutter von Tory ist. Da hätten wir dann den Einstieg für Swank, die es mehr als nur verdient hätte, in der Serie aufzutauchen. Immerhin war sie Ralph Macchios Nachfolge.

„Karate Kid 4“ ist auch kein großartiger Film, der weit hinter dem Original steht, aber von all den Fortsetzungen ist es dennoch die unterhaltsamste. Nur hat sich damals dann schon niemand mehr für Karate interessiert und der Film wurde ein ziemlicher Flop. Erst das furchtbare Remake mit Jackie Chan wurde dann wieder ein Erfolg, aber den Film möchte ich wirklich lieber vergessen.

Wertung: 6 von 10 Punkten (unterhaltsames Reboot, dem dann aber doch das Herz des Originals fehlt)

4 Kommentare leave one →
  1. 11. Januar 2021 16:25

    Den hab ich sogar gesehen, kann mich aber an rein gar nichts mehr erinnern. Und das ist nie ein sonderlich gutes Zeichen.

    • donpozuelo permalink*
      11. Januar 2021 20:00

      Das ist bei den Karate-Kid-Filmen leider etwas häufig der Fall (abgesehen vom ersten Teil natürlich). Teil 4 hat wenigstens tanzende Mönche und ein durch Zen geleitetes Bowling Spiel… 😅

      • 11. Januar 2021 21:34

        😀 Klingt zumindest lustig.

        • donpozuelo permalink*
          12. Januar 2021 08:49

          Ist es auch… und dadurch bleibt der halt eher im Kopf als Teil 2 und 3

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