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Die dunkle Versuchung des Daniel-san

8. Januar 2021

Nach dem Ende von „Cobra Kai“ Staffel 3 war ich kurz verwirrt. Was zur Hölle sollte diese Nummer mit dem Vietnam-Buddy von John Kreese? Doch dann sah ich „Karate Kid III – Die letzte Entscheidung“ – und plötzlich wurde mir alles klar. Die Serie konstruiert sich in all ihren Easter-Egg gekonnt um die alten Filme und die wiederum liefern uns dann einen Blick in die Zukunft der Serie. Allerdings weiß ich nicht, ob mir gefällt, was da in der Zukunft liegt… denn „Karate Kid 3“ findet den so ziemlich dümmsten Plot aller Zeiten und versucht uns das Ganze dann in aller Ernsthaftigkeit zu verkaufen. Da bin ich schon jetzt gespannt, wie sie das in Staffel 4 von „Cobra Kai“ halbwegs schlüssig erklären wollen… denn wie gesagt, „Karate Kid 3“ ist ziemlicher Käse.

Der Film setzt nach dem Ende von „Karate Kid“ an. John Kreese (Martin Kove) hat mit seinem Dojo „Cobra Kai“ nur den zweiten Platz belegt und musste sich gegen Mr. Miyagi (Pat Morita) geschlagen geben. Während Miyagi und Daniel (Ralph Macchio) daraufhin erstmal nach Okinawa fliegen, leidet Kreese unter der Niederlage. Cobra Kai ist am Boden… doch Kreese hat noch ein Ass im Ärmel: Seinen alten Vietnam-Kumpel Terry Silver (Thomas Ian Griffith). Der ist Mitbegründer von „Cobra Kai“ und mittlerweile stinkreich. Und weil er Kreese noch was schuldig ist (was genau, erfahren wir erst durch „Cobra Kai“ Staffel 3), will er ihm helfen, Miyagi und Daniel zu vernichten. Er engagiert den Karate-Badass Mike Barnes (Sean Kanan), der Daniel besiegen soll. Gleichzeitig gibt sich Terry als normaler Karate-Lehrer aus, der Daniel unterrichtet, weil Mr. Miyagi das auf einmal nicht mehr will. Und Terry bringt Daniel nur das schlimmste Zeug bei…

Dieser Film ist einfach nur eine langweilige Katastrophe… und ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Die gesamte Kreese-Silver-Story war einfach zu viel. Viel zu abgehoben, viel zu wirr… und man hat auch das Gefühl, dass Drehbuchautor Robert Mark Kamen nicht wirklich wusste, was er damit eigentlich machen soll. Woher kommt diese absolute Loyalität von Silver gegenüber Kreese? Warum lässt dieser neureiche Schnösel einfach alles stehen und liegen, um die Vendetta seines Kumpels zu unterstützen? Wieso ist Mr. Miyagi auf einmal so gegen einen weiteren Wettkampf? Und wieso reagiert er nicht einmal darauf, wenn Daniel mit dem Tod gedroht wird?

Die komplette Beziehung zwischen Daniel und Mr. Miyagi wird in „Karate Kid 3“ auf die merkwürdigste Weise über den Haufen geschmissen. Und ich konnte zu keiner Minute so richtig greifen, warum das alles auf einmal so ist, wie es ist. Dass die Beiden einen Bonsai-Laden aufmachen wollen, war schön (obwohl es mich auch ärgert, dass der Film uns die Eröffnung eben dieses Ladens verweigert – wenigstens eine letzte Szene als Abschluss hätte doch drin sein müssen). Natürlich soll der Bruch zwischen Miyagi und Daniel zeigen, wie schnell der sich von Silver auf die dunkle Seite des Karates ziehen lässt. Aber das kommt alles nicht so griffig rüber, um auch nur ansatzweise glaubhaft zu wirken.

Dieser Silver-Plot ist furchtbar… und ich mag mir ehrlich gesagt gar nicht ausmalen, wie sie das irgendwie in „Cobra Kai“ einfließen lassen wollen. Sicher ist nur, dass wir Terry Silver wiedersehen werden. Ich hoffe nur, dass es „Cobra Kai“ Staffel 4 besser bewerkstelligt als „Karate Kid 3“.

Im Gegensatz zum zweiten Teil wird hier wenigstens mal wieder ein wenig Karate geübt. Die Trainingseinheiten und Silvers komische drei Regeln sind übertrieben brutal. So brutal, dass man sich auch schon wieder fragen muss, warum Daniel so lange braucht, um zu sehen, dass das alles nicht gut für ihn ist. Aber gut, die Verlockungen der dunklen Seite der Macht sind halt einfach größer. Den Ansatz an sich finde ich schon sehr spannend (und in „Cobra Kai“ könnte das jetzt so Robbys Schicksal werden), aber leider ist alles andere so hanebüchen, das es eher albern als furchteinflößend wirkt.

Insgesamt zelebriert „Karate Kid 3“ die Gewalt etwas zu sehr, ignoriert dabei seine Geschichte und seine Charaktere und ist am Ende nur ein ziemlich schwaches Ende für die Daniel-LaRusso-Trilogie, die insgesamt einfach eine letzte Szene verdient hätte, in der Daniel und Mr. Miyagi an ihren Bonsai-Bäumen herumschnippeln. Irgendwie so was in der Art… naja…

Wertung: 3 von 10 Punkten (absurde Story, die nicht mehr viel von dem Karate-Kid-Spirit übrig hat)

3 Kommentare leave one →
  1. 9. Januar 2021 20:38

    Ja da muss ich Dir beipflichten, dieser dritte Teil hat so viel Fremdschämmomente, dass er mir unglaublicherweise total ins Gedächtnis gebrannt ist, dass ich ihn nach so viel Jahren nicht auslöschen konnte :))
    Thomas Ian Griffith ist nun auch kein wirklich guter Darsteller…oh man, ich will nur vergessen :))

    • donpozuelo permalink*
      10. Januar 2021 07:35

      🤣🤣🤣🤣 oh ja, nachdem ich ihn jetzt gesehen habe, wird der auch nicht so schnell aus meinem Kopf verschwinden. Allein schon diese merkwürdige Nummer mit dem Bonsai Baum an der Klippe war so unnötig…

Trackbacks

  1. Tanzende Mönche | Going To The Movies

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