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Die Trommeltechnik

6. Januar 2021

In Vorbereitung auf „Cobra Kai“ Staffel 3 bin ich noch einmal zurück gegangen und habe mir sämtliche „Karate Kid“-Filme angeguckt (und bin immer noch sehr fasziniert, dass es diese Reihe auf vier Filme geschafft – denn, um schon mal ein bisschen vorzugreifen, keine der Fortsetzungen kommt auch nur ansatzweise an das Original heran. Tatsächlich gelingt das nur der Serie selbst). Ich hatte immer das Gefühl, die Filme nie gesehen zu haben, doch mit jedem neuen Teil kamen die Erinnerungen zurück. Gesehen hatte ich sie alle, nur in Erinnerung geblieben sind sie nicht. Was halt echt daran liegt, dass die Filme einfach nicht sonderlich gut sind. Was schon mit „Karate Kid II – Entscheidung in Okinawa“ anfängt.

Unmittelbar nach Daniels Sieg beim All -Valley Karate Tournament bekommt Mr. Miyagi (Pat Morita) Post aus seiner Heimat. Sein Vater liegt im Sterben und Mr. Miyagi macht sich daraufhin auf den Weg nach Okinawa. Sein eifriger Schüler Daniel (Ralph Macchio) begleitet ihn natürlich. Auf Okinawa wird Mr. Miyagi doch nicht nur mit dem baldigen Tod seines Vaters konfrontiert, sondern auch mit seiner alten Jugendliebe Yukie (Nobu McCarthy) und seinem alten Jugendfein Sato (Danny Kamekona), der einen Jahrzehnte alten Groll gegen Miyagi nicht ablegen und unbedingt gegen Daniels Meister kämpfen will. Daniel wiederum muss sich mit Satos Neffen Chozen (Yuji Okumoto) herumschlagen und verliebt sich in die junge Kumiko (Tamlyn Tomita).

Gleich eins vorweg: Sonderlich viel gekämpft wird in „Karate Kid II“ leider nicht. Der ganze Zauber des Underdogs, der auf skurrile Art und Weise in die Kunst des Karates eingewiesen wird, ist verflogen. Stattdessen versucht man nun in Teil 2 dem Zuschauer die Heimat des Karates ein wenig näher zu bringen… leider überstrapaziert Regisseur John G. Avildsen seinen recht stereotypen Blick auf die fernöstliche Kultur. Mr. Miyagis Heimatdorf sieht auch in den 80er Jahren noch so aus, als wäre es in den 20er Jahren stecken geblieben. Das sieht zwar alles sehr exotisch aus und dürfte sicherlich damals die Sehgewohnheiten vieler Zuschauer überrascht haben, aber leider macht Avildsen aus all dem nichts.

Ständig wird nur von Ehre und Stolz geredet. Der Groll zwischen Sato und Miyaki wirkt am Ende eher albern als das ich ihn wirklich hätte ernst nehmen können. Es fiel mir zumindest sehr schwer zu glauben, dass dieser superreiche Sato sein Leben lang nicht aufhören konnte, seinen Todeswunsch gegenüber Miyagi aufrechtzuerhalten. Und am Ende reicht ein Tropensturm aus, um den Streit der Beiden zu bereinigen. Man könnte „Karate Kid II“ fast unterstellen, man hätte nicht so richtig gewusst, wie man das schlüssig beenden soll.

Im Kontrast dazu wirkt dann auch der Konflikt der jungen Generation – Chozen vs. Daniel – etwas übertrieben. Aber gut, man muss im Film nur oft genug was von Ehre schreien, dann sollte das schon irgendwie passen. „Karate Kid II“ versucht verzweifelt aus Chozen die amerikanische Version von Johnny Lawrence zu machen. Leider hat Chozen nicht ansatzweise den Aufbau, den Johnny damals im ersten „Karate Kid“ hatte. Er wird uns einfach von Anfang an als übelster Schurke vorgestellt. In gewisser Weise ist sein Onkel Sato eine übertriebene Form eines Bond-Schurken, während Chozen selbst der Bond-Schurken-Scherge ist (ist die deutsche Sprache nicht toll? 😀 😀 😀 ).

„Karate Kid II“ ist in all seinen Konflikten mehr als nur theatralisch – sei es nun die dramatische Rettung eines jungen Mädchens während des großen Sturms oder sei es der große Showdown, in dem Daniel dann endlich seine Trommeltechnik einsetzt – in einem Kampf um Leben und Tod. Immerhin ist dieser letzte Kampf wenigstens ein bisschen interessant, doch bis dahin kämpft man sich eben durch gut zwei Stunden sehr langatmiges Gelaber.

Ich find’s zwar schön, dass sie versucht haben, Mr. Miyagi mehr Platz zu geben, leider verliert sich das Ganze in schlechten Stereotypen und Klischees, die doch irgendwie schon damals ziemlich altbacken gewirkt haben müssen.

„Karate Kid II“ ist so ein Film, den niemand gebraucht hat. Das Ganze hätte man als 10-minütige Rückblende in einem anderen Kontext bringen können, dann hätte man die Geschichte auch irgendwie erzählt… na immerhin schafft es „Cobra Kai“ Staffel 3, diesen zweiten Teil würdig zu integrieren. Wenigstens etwas.

Wertung: 4 von 10 Punkten (nicht mehr sonderlich viel Karate Kid in diesem Karate Kid)

6 Kommentare leave one →
  1. 10. Januar 2021 10:05

    Ich kann mich auch an nicht mehr wirklich viel aus diesem zweiten Teil erinnern. Da ich derzeit aber auch im „Cobra Kai“ Fieber bin, wäre ein Rewatch vielleicht angebracht. Wenn auch nur, um sich davon zu überzeugen, dass der tatsächlich vergessenswert war.

    • donpozuelo permalink*
      11. Januar 2021 07:41

      „Cobra Kai“ ist schon echt toll… und großartig darin, selbst diesen alten Filmen noch einen würdevoll Auftritt zu liefern. Also alles, was sie in Staffel 3 zu „Karate Kid 2“ machen, ist clever umgesetzt.

      • 11. Januar 2021 19:44

        Bis Staffel 3 bin ich noch nicht gekommen. Kann ich mich also noch drauf freuen.

        • donpozuelo permalink*
          11. Januar 2021 20:00

          Staffel 3 ist auch sehr sehenswert…

        • 11. Januar 2021 21:35

          Ich werde es bald erfahren.

Trackbacks

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