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Krieg der Dojos

4. Januar 2021

Ich bin kein Soap Opera Fan, aber wenn meine neue Lieblingssoap auf Netflix erscheint, dann wird das Ding natürlich an einem Stück durchgebingt. Und ich bleibe dabei, „Cobra Kai“ ist die beste Soap Opera, in der es ganz nebenbei eben auch um Karate geht und einer alten Reihe von Filmen gehuldigt wird, die durch diese neue Serie nur noch besser gemacht werden. Das ändert sich auch mit Staffel 3 nicht sonderlich viel. „Cobra Kai“ steht jetzt mit der dritten Staffel vollständig unter der Schirmherrschaft von Netflix… und muss sich auch nicht vor den beiden Vorgängerstaffeln verstecken.

Nach dem Kampf an der High School hat der Feind einen neuen Namen: Karate! Und John Kreese (Martin Kove). Der hat sich die Herrschaft von Cobra Kai unter den Nagel gerissen. Johnny (William Zabka) quält sich nach wie vor mit Schuldgefühlen dafür, dass Miguel (Xolo Mariduena) im Koma liegt. Daniel (Ralph Macchio) versucht derweil, Robby (Tanner Buchanan) nach seiner Flucht wiederzufinden… und schließt sich dafür einmal mehr mit Johnny zusammen. Durch all die verschiedenen Streitigkeiten sind einstige Freunde nun zu Feinden geworden. An der Schule kochen die Emotionen über… da hilft es nicht, dass John Kreese mit äußerster Brutalität seine Schüler unterweist und zu willenlosen Kampfmaschinen umzüchtet.

Es ist alles ein wenig so gekommen, wie ich es mir am Ende von „Cobra Kai“ Staffel 2 vorgestellt habe. Natürlich mit einigen dramatischen Verzögerungen. Schon zum dritten Mal zwingt die Serie Johnny und Daniel zusammen – aber zum ersten Mal scheint daraus nun wirklich so etwas wie Freundschaft zu werden. Zum Glück greift hier halt einfach das gute alte Sprichwort: „Der Feind meines Feindes ist mein Freund!“… und wenn Staffel 3 etwas kann, dann uns einen gemeinsamen Schurken liefern.

Martin Kove als John Kreese war in all den Karate-Filmen nie fieser, nie ekliger und nie greifbarer als in dieser dritten Staffel. Er ist, wie es sich für eine Soap Opera gehört, ein herrlich überzeichneter Schurke, der einem Comic hätte entspringen können. Das war er ja irgendwie auch schon in „Karate Kid“ und „Karate Kid 3“, aber „Cobra Kai“ gibt diesem Monster von einem Karate-Lehrer nun eine Backstory. Er selbst wurde früher gemobbt, ging dann zur Armee, hatte dort einen erbarmungslosen Lehrer, wurde von den Vietcong in Vietnam gefangen genommen… man hat nach den Rückblenden schon fast ein wenig Mitleid mit ihm. Aber auch nur fast…

… denn „Cobra Kai“ liefert uns wirklich den Krieg der Dojos. Dabei geht es sehr heftig zur Sache. Cobra Kai kennt keine Gnade, die Miyagi-Do-Schüler schlagen mit gleichen Mitteln zurück und so bildet sich ein Teufelskreis aus gebrochenen Armen, blutigen Lippen und verletzten Egos. Dem aber auch niemand entkommen will, habe ich das Gefühl. Wenn die Kids ständig halbtot nach Hause kommen, müsste doch mal irgendein besorgtes Elternteil aufschreien… aber weil es nicht in die Story passt, macht das niemand. Das hat mich dann gerade im Finale doch ein wenig gestört. Ich hoffe, „Cobra Kai“ verrennt sich nicht zu sehr in diesem Chaos aus Brutalität, das Staffel 3 etwas zu stark beherrscht hat.

Davon aber mal abgesehen, ist Staffel 3 von den menschlichen Geschichten auch wieder ein schöner Mix aus Soap Opera und Drama. Die ganze Johnny-und-Miguel-Story war einfach nur wunderbar herzerwärmend. Daniels Rückkehr nach Japan – in Gedenken an „Karate Kid 2“ – ist einfach nur großartig umgesetzt worden (wenn Kumiko ihm die alten Briefe von Mr. Miyagi vorliest, kann auch nur ein Roboter nicht wehmütig werden). Auch die Tatsache, dass Daniels Tochter Sam (Mary Mouser) unter posttraumatischem Stress leidet, ziemlich gut… und und und…

Es gibt aber auch unter den menschlichen Geschichten in Staffel 3 einige, die ich nicht ganz so stark finde. Ich hatte das Gefühl, die Staffel wusste mit Robby nicht so viel anzufangen. Seine ganze Gefängnis-Story wirkt arg konstruiert – soll wohl aber auf die Daniel-LaRusso-Story aus „Karate Kid 3“ hinarbeiten, in der dieser von der dunklen Seite der Macht beeinflusst wurde. In diesem Zusammenhang war auch Torys Geschichte (Peyton List) etwas lahm. Und Hawk (Jacob Betrand) erlebt weiterhin seinen Wandel zum Bullie, doch seine Erlösung am Ende kommt etwas zu plötzlich.

Aber gut, bei so vielen verschiedenen Charakteren, die jetzt alle mehr Bedeutung für die Geschichte aufgreifen, kann es hier und da mal leichte Schwankungen geben. Nichtsdestotrotz ist „Cobra Kai“ Staffel 3 ein weiterer schmackhafter Leckerbisse der Karate-Kid-Reihe. Allerdings sollten die Macher in kommenden Staffeln ein bisschen mehr Acht geben und die Balance zwischen gutem Drama und Soap Opera nicht verlieren.

Wertung: 8 von 10 Punkten (ein blutiger Krieg, der alle Fronten gekonnt aufstellt für die Schlacht, die da noch kommen wird)

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