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Blues-Diva

21. Dezember 2020

Als Chadwick Boseman im August dieses Jahrs verstarb, war das ein ziemlicher Schock. Der Schauspieler hatte seine Krebserkrankung vor der Öffentlichkeit geheim gehalten (was ich irgendwie nachvollziehen kann)… und ich fand es damals schon krass, dass unmittelbar nach dieser Nachricht viele Medien-Outlets die offenbar eigentlich wichtige Frage stellten: Was wird jetzt aus „Black Panther 2“? Aber gut… so ist halt das Business. „Black Panther“ selbst war einer der erfolgreichsten Filme überhaupt, der ja nicht nur finanziell, sondern auch kulturell von enormer Bedeutung gewesen ist. Da ist es dann – so makaber das auch klingen mag – irgendwie verständlich, dass man sich die Frage stellt, wie es mit „Black Panther 2“ weitergeht. Trotzdem auch ein bisschen schwierig… immerhin hat Marvel-Chef Kevin Feige schon verkündet, dass man T’Challa nicht neu besetzen wird. Damit dürfte wahrscheinlich wirklich für Shuri die Tür offen stehen, das Kostüm des Black Panther anlegen zu können.

Aber ich will jetzt gar nicht über „Black Panther 2“ reden, sondern über Chadwick Bosemans letzten Film, der seit Freitag auf Netflix läuft: „Ma Rainey’s Black Bottom“: Ma Rainey (Viola Davis) ist Ende der 20er Jahre die Mutter des Blues. Die Sängerin soll mit ihrer Band in Chicago ihre bekanntesten Hits aufnehmen, damit die auch im Norden der USA vermarktet werden können. Doch die Diva lässt ihr Produzenten und ihre Band warten und treibt sie mit ihren Extrawünschen in den Wahnsinn. Währenddessen will ihr Trompeter Levee (Boseman) eigentlich lieber sein eigenes Ding durchziehen und selbst berühmt werden…

„Ma Rainey’s Black Bottom“ ist die Verfilmung eines Theaterstücks von August Wilson, der für zwei seiner Werke jeweils den Pulitzerpreis gewann. In diesem Fall geht es um die Sängerin Ma Rainey, aber auch darum, wie schwarze Künstler von den weißen Produzenten schamlos ausgenutzt werden. Der Film von Regisseur George C. Wolfe spielt dabei auf zwei Ebenen: im Keller, wo die Musiker proben dürfen und im eigentlichen Studio, wo Ma Rainey sich aufhält. Interessant ist hier vor allem die Rolle der Ma Rainey, die von einer fantastischen Viola Davis als die perfekte Diva gespielt wird.

Das Spannende an Ma Rainey ist dann aber, dass sie keine Diva aus Arroganz, sondern mehr aus der Situation heraus ist. Sie weiß ganz genau, dass die Weißen sie nur tolerieren, solange sie noch nicht ihre Stimme auf Platte haben. Sobald die Aufnahmen beendet sind, verliert sie ihren Wert für die und das nutzt sie gekonnt aus. Viola Davis ist in dieser Rolle als Ma Rainey kaum wieder zu erkennen und spielt sich hier wirklich zu Meisterleistungen herauf.

Was man ebenfalls von Chadwick Boseman sagen kann. Er hat in diesem Film einen etwa dreiminütigen Monolog, der allein schon absolut Oscar-reif ist. Was Boseman da in drei Minuten Schauspiel legt, haut einen echt von den Socken. Nicht nur wegen dem, was er sagt, sondern eben auch, wie er es rüberbringt. Da zeigt ein Boseman, dass er so viel mehr ist als ein Marvel-Held (auch wenn er ja vorher schon große, starke Rollen gespielt hat – wie zum Beispiel James Brown – verbindet man ihn doch eher mit Black Panther).

Thematisch ist „Ma Rainey’s Black Bottom“ sehr oft ein harter Schlag in die Magenkuhle. Wenn die Musiker sich gegenseitig von den Übergriffen der Weißen erzählen, zeigt sich einmal mehr, wie schlimm und widerlich der Mensch doch sein kann. Gepaart mit den starken Performances der Darsteller ist „Ma Rainey“ schon sehr sehenswert.

Das Problem des Films für mich liegt eher in der Regie. George C. Wolfe schafft es einfach nicht, diesen Theateraspekt abzulegen. Er inszeniert diese zwei Bühnen – den Probekeller und das Aufnahmestudio – ohne sonderlich kreativ damit umzugehen. Die Kamera hält meist einfach nur auf die Schauspieler und das war’s. Filmisch betrachtet wird „Ma Rainey’s Black Bottom“ so recht schnell eher langweilig. Wenn die Geschichten der Figuren und die Darsteller nicht so dermaßen gut wären, hätte ich das Ganze ausgemacht. Als Film, als Kammerspiel, funktioniert das nämlich leider überhaupt nicht. Wolfe will offensichtlich die Worte sprechen lassen, vergisst dabei aber, dass er sich in einem audio-visuellen Medium aufhält – und dafür hätte man wenigstens hier und da mal ein bisschen mehr Kamera-Arbeit investieren können.

Zumal ich auch gestehen muss, dass ich durch Ma Rainey mehr mit Blues und Jazz gerechnet habe, aber als Musik-Film kann ich das Gesehene auch nicht wirklich verbuchen. Dafür wird halt zu wenig gesungen und musiziert.

Für die starken Darsteller allein sollte man aber ruhig mal einen Blick riskieren…

Wertung: 6 von 10 Punkten (inhaltlich harter Tobak, der sehr zum Nachdenken anregt, filmisch ziemlich nichtssagend)

2 Kommentare leave one →
  1. 31. Dezember 2020 14:09

    Vor ein paar Minuten ebenfalls gesehen – und stimme dir zu: grandiose Darsteller, langweilige Inszenierung, zu wenig Musik. Mein Gesamteindruck war trotzdem positiver, weil ich mich die inhaltliche/darstellerische Ebene so sehr überzeugen konnte (inkl. des Finales), dass ich ihm gerne ein höhere Wertung gebe

    • donpozuelo permalink*
      1. Januar 2021 13:34

      Ja, das fand ich auch super. Inhaltlich und darstellerisch war der schon toll. Aber gesamt hat es mich dann doch nicht so ganz überzeugt

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