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Kopfgeld auf den Weihnachtsmann

14. Dezember 2020

Wir sind in der Adventszeit… gefühlt schon seit September (denn da gab es mal wieder die ersten Lebkuchen im Supermarkt – was ich persönlich immer sehr toll finde, da ich Lebkuchen abgöttisch liebe und nie genug davon bekommen kann. Deswegen will ich mich da auch gar nicht groß beschweren.). So langsam kommen nun auch die ganzen Weihnachtsfilme auf Netflix und im Fernsehen (und ja, wie es sich für mich gehört wird auch „It’s a wonderful life“ und „Stirb Langsam“ wieder geguckt). Die meisten Weihnachtsfilme bleiben ja schon beim romantisch-familiären Thema, aber es gibt natürlich auch immer die wunderbaren Ausreiser, die das ganze Weihnachtsthema ein bisschen anders angehen. So auch der neue Film mit Mel Gibson (!) in der Hauptrolle.

In „Fatman“ lernen wir den Unternehmer Chris (Gibson) kennen, der gemeinsam mit seiner Frau Ruth (Marianne Jean-Baptiste) ein effizientes, aber leider saisonales Unternehmen führt, das leider aber nicht mehr so viel Gewinne einbringt wie früher. Und das obwohl Chris und sein Unternehmen jedes Jahr für einen ordentlichen Aufschwung auf dem Markt sorgen. Deswegen bleibt Chris nichts anderes übrig, als einen Deal mit dem Militär einzugehen, um für die zu produzieren. Als wenn das noch nicht schlimm wäre, hetzt ihm ein unzufriedener Kunde (Chance Hurstfield) einen Auftragskiller (Walton Goggins) auf den Hals.

Ich halte die Inhaltsangabe deswegen so „weihnachtsfrei“ wie möglich, um eine Sache zu verdeutlichen. Man hätte die Prämisse von „Fatman“ auch als reine Thriller-Komödie drehen können, die dann stark an Filme der Coen-Brüder erinnert hätte. Das wäre aber an sich nichts sonderlich Aufregendes gewesen. Deswegen dachten sich die Nelms-Brüder, Eshom und Ian, sie geben dem Ganzen einen weihnachtlichen Twist. Sie bemühen sich, das Geheimnis um Chris‘ wahre Identität so lange wie möglich unausgesprochen zu lassen. Natürlich (und das wissen sie auch) gelingt das nicht, aber der Film schafft es dennoch einen für ein paar Minuten zu knobeln, ob Chris wirklich der Weihnachtsmann sein soll oder nicht.

Denn Mel Gibson ist jetzt kein typischer Weihnachtsmann. Der Bart passt gerade noch, aber der Rest ist dann doch einfach ein alter Kerl, der mitten im Nirgendwo lebt und sich eher darüber aufregt, dass er seine Kosten nicht decken kann. Wie die Nelms-Brüder in „Fatman“ das Thema Weihnachten und Weihnachtsmann aufarbeiten, ist schon verdammt witzig. Sie zeigen uns alles Weihnachtliche nie direkt – einen Blick auf den Schlitten werfen wir nur, als Chris ihn reparieren muss, weil mal wieder ein Kind versucht hat, ihn mit seinem Gewehr vom Himmel zu holen. Die Elfen sind einfach nur Fabrikarbeiter, die halt klein sind (einzig und allein ihre Zucker-Süßigkeiten-Diät verrät dann doch ihre wahre Identität). Chris‘ Sichtweise auf Weihnachten ist herrlich zynisch… halt wie jemand, der schon Jahrelang in einem Unternehmen arbeitet und einfach feststellt, dass es alles nicht mehr so ist wie früher.

Die kleinen, feinen Seitenhiebe auf den Massenkonsum und das fehlende Familiäre an Weihnachten gelingt dem Film einfach unglaublich gut. Mel Gibson ist als grummeliger, alter Weihnachtsmann einfach unglaublich gut. Wer ihm da nur die Show stiehlt, ist Walton Goggins. Sein namenloser Auftragskiller hat sein eigenes Hühnchen mit Santa Claus zu rupfen, weswegen ihm der Auftrag ganz gelegen kommt. Goggins macht aus „Fatman“ ein kleines Roadmovie… er erinnert an eine absurde Version von Javier Bardems Anton Chigurh aus „No Country for old Men“: ein Reisender auf dem Weg zu seinem nächsten Opfer, der dabei erstmal detektivisch vorgehen und auch über einige Leichen gehen muss. Goggins ist so wunderbar in dieser Rolle…

„Fatman“ hält gekonnt die Balance aus Weihnachtsfarce und Thriller-Komödie, liefert uns einen coolen Showdown und somit auch einen der erfrischendsten Weihnachtsfilme seit langem. Die Chemie der Darsteller stimmt, die Tonalität des Films springt gekonnt zwischen Komödie und Thriller hin und her und so haben wir mit „Fatman“ mal einen Film, der herrlich absurd und wunderbar unterhaltsam ist. Perfekt zu Weihnachten…

Wertung: 8 von 10 Punkten (schöne Überraschung zu Weihnachten – mit einem Mel Gibson, der wie geschaffen für diese Rolle ist)

5 Kommentare leave one →
  1. 15. Dezember 2020 21:14

    Super, und wo soll ich den jetzt gucken? Kino ist ja nun nicht :))
    Ich mag Goggins. Passt Jean-Baptiste zu Gibson? Sieht mir eher nach einem seltsamen Paar aus 🙂

    • donpozuelo permalink*
      15. Dezember 2020 21:19

      Gibt es mittlerweile auch zum Streamen… zumindest bei einigen Anbietern.

      Goggins ist super. Und ja, Jean-Baptiste und Gibson passen erstaunlich gut zusammen. Hätte ich erst auch nicht gedacht, aber es passt wirklich 👍

  2. 23. Dezember 2020 10:12

    Hab ihn gestern gesehen und stimme deinem positiven Fazit zu, auch wenn ich ihn nicht ganz so hoch bewerte. Was ich toll fand, war, dass er sich – in Relation zu dem, was er erzählt – so wunderbar ernst nimmt. Hatte da mit deutlich mehr Klamauk gerechnet.

    • donpozuelo permalink*
      23. Dezember 2020 13:21

      Absolut. Man hätte in beide Richtungen gehen können. Aber bei dem Cast war ich ganz froh, dass sie es so gemacht haben, wie es jetzt ist.

  3. 5. Januar 2021 16:24

    Och, das klingt doch mal witzig! Kommt auf die Liste für dieses Jahr Weihnachten. 🙂 Wobei ich mir Mel Gibson mal abgesehen vom Bartwuchs auch nicht als Weihnachtsmann vorstellen kann …

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