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Random Sunday #44: Gut gegen Nordwind

6. Dezember 2020

Dieses Jahr war ich, was meine „20 Bücher für 2020“ angeht, wirklich gut im Rennen. Ich bin wirklich ziemlich zügig durch meine Liste geflogen… worauf ich nach wie vor sehr stolz bin. Auch wenn „Jewgeni Onegin“ mein tatsächlich letztes Buch von der Liste war, kommt jetzt noch ein Roman, den ich auf der Liste hatte: Daniel Glattauers „Gut gegen Nordwind“. Ich bekam diesen Roman von einem meiner besten Freunde zu Weihnachten geschenkt und war mir erst nicht so ganz sicher… ich wusste, dass daraus ein Film mit Nora Tschirner in der Hauptrolle gemacht wurde. Aber naja… ich gucke gerne RomComs, aber ich lese sie nicht allzu oft. Vielleicht erklärt das meine Unsicherheit. Allerdings war ich nicht darauf vorbereitet, wie schnell mich Glattauers Roman in seinen Bann zieht (und nach gerade mal zwei Tagen war das Buch auch schon durchgelesen).

Emmi will eigentlich nur das Abo irgendeiner merkwürdigen Zeitschrift kündigen. Doch ihre Mail an die Redaktion landet bei Leo. So fängt alles an… weil immer wieder Emmis Mails bei Leo landen, antwortet der irgendwann und die beiden beginnen eine ungewöhnliche Unterhaltung – und eine noch ungewöhnlichere Freundschaft. Dabei steht nach all den vielen Mails, die die beiden sich schreiben, immer die Frage im virtuellen Raum: Sollen sie sich treffen oder doch nicht? Zumal Emmi ja auch „glücklich verheiratet“ ist…

Ich hatte keine Erwartungen an dieses Buch… aber war ziemlich schnell ziemlich gefesselt. „Gut gegen Nordwind“ ist der voyeuristische Traum, einmal in das Mail-Fach anderer Leute gucken zu dürfen. Dieses Buch ist der Briefroman weitergedacht… eben nur jetzt mit Mails. Dabei ist eines besonders spannend: Emmi und Leo schreiben sich keine „Romane“ von Mails. Manchmal sind das nur ein, zwei Zeilen, später wird es auch mal mehr. Aber in nur kurzen Mails erschafft Glattauer zwei interessante Charaktere. Irgendwann erlangt dieser Roman so ein Lawinen-Gefühl… man kann gar nicht mehr anders, sondern muss einfach weiterlesen. Man lässt sich treiben, von den kurzen Zeilen…

Dabei erschafft Glattauer mit dieser einen Konversation zwei herrliche Charaktere, die beide nur durch ihre eigenen Worte geformt werden. Jeder hat seinen ganz eigenen Ton, jeder seine ganz eigene Art, zu schreiben. Es gibt keinen Erzähler, keine Füllzeilen, in denen wir mehr über das Innenleben der Charaktere erfahren. Wenn sie es sich nicht gegenseitig erzählen, was sie gerade fühlen, dann erfahren wir es auch nicht.

Der Roman entwickelt so eine interessante Dynamik, ist anfangs sehr witzig (ich musste ein paar Mal laut in der Bahn lachen), sehr schnell (die kurzen Mails jagen einen förmlich voran), wird dann irgendwann intimer, rückt näher an seine Charaktere heran, wird auch mal gefühlvoller. Die Mails, die wir hier lesen dürfen, werden zu einer Berg- und Talfahrt der Gefühle…

Ich war wirklich mehr als nur angetan, von der Art und Weise, wie Glattauer hier schnörkellos, aber dennoch sehr emotional diese beiden Charaktere beschreibt. Richtig gemein ist dann nur das Ende, bei dem gefühlt alle – Emmi, Leo und wir, die Leser – einen ordentlich Schlag in die Magenkuhle bekommen. Das habe ich mir nach all der Gefühle, die ich selbst in diese Mails hineinkopiert habe, so nicht erwartet…

… wie ich mittlerweile weiß, hat Glattauer einen zweiten Roman namens „Alle sieben Wellen“ geschrieben, eine Art Fortsetzung. Allerdings habe ich da so meine Bedenken. Hat er den nur geschrieben, weil sich alle wegen des eigentlichen Endes aufgeregt haben oder war ihm das wirklich ein Wunsch, diese Fortsetzung zu schreiben??? Ich weiß daher noch nicht so ganz, ob ich mir den zweiten Roman auch noch gönnen soll. Aber wenn er ähnlich gut geschrieben ist wie der erste, dann… warum eigentlich nicht?

„Gut gegen Nordwind“ ist gut für alles und jeden. Ich hatte echt meinen Spaß an dieser etwas anderen Form des Romans.

5 Kommentare leave one →
  1. 6. Dezember 2020 20:37

    Ich bin bei dem Buch immer noch hin und her gerissen. Zum einen fand ich den Film wirklich schön und lese dann gerne mal die Buchvorlage. Aber ich bin überhaupt kein Fan von Briefromanen oder Emailromanen. Und ich weiß halt nicht, ob mir das Buch hier einen wirklichen Mehrwert bietet.

    • donpozuelo permalink*
      7. Dezember 2020 07:34

      Das war auch mein erster Emailroman… und ich war anfangs auch echt skeptisch. Aber nach den ersten paar Seiten war ich echt gefesselt. Den Film muss ich mir jetzt auch demnächst endlich mal anschauen.

      • 7. Dezember 2020 15:48

        Kannst mir ja danach mal sagen, ob das Buch noch einen Mehrwert zum Film bietet 😉

        • donpozuelo permalink*
          7. Dezember 2020 16:30

          Das werde ich machen 👍

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