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Im Maul des Drachen

23. November 2020

Ich bin sehr froh darüber, dass es mittlerweile mehr Kino-Special-Events auf denen Animes gezeigt werden, die man sonst so gar nicht zu Gesicht kriegen würde. Schön zu sehen, dass es wenigstens die Bemühungen gibt, uns Fans da auch das Ganze als Kinovergnügen zu ermöglichen. So kam ich dann auch zu „The Dragon Dentist“. Allein der Name klang schon sehr verheißungsvoll, nach dem Trailer stand dann auch schnell fest, dass ich das unbedingt sehen muss.

Wir befinden uns mitten im Krieg. Riesige Schlachtschiffe suchen das Meer nach dem Feind ab, der dann aber nicht vom Horizont kommt, sondern direkt aus dem Himmel. Ein riesiger Drache rauscht heran und vernichtet mit mehreren Bomben die Flotte. Der junge Offizier Bell stirbt bei dem Angriff… und wird im Maul des Drachen wiedergeboren. Denn seine Seele steigt aus einem Zahn des Drachen, woraufhin Bell nun Teil der Drachenzahnärzte ist, die sich darum kümmern, Viren und Bakterien davon abzuhalten, die Zähne des Drachen zu zerstören. Unter der Anleitung der jungen Zahnärztin Nonoko beginnt Bell seine Lehre… doch der Krieg tobt weiter und bedroht auch die Existenz des Drachens.

Jupp… so in etwa ist der absurde Ausgangspunkt von „The Dragon Dentist“. Das Ganze fing als achtminütiger Kurzfilm an, der Film jetzt ist das zusammengefügte zweiteilige TV-Anime-Special unter der Regie des Autors Otaro Maijo.

So ein bisschen fehlen mir immer noch die Worte… das war alles so merkwürdig surreal. Drachenzahnärzte; Viren und Bakterien, die teils als riesige Monster aus den Zähnen des Drachens hervorsteigen; Drachenzähne, in denen die Seelen der Toten verweilen; ein Krieg in einer Welt, von der man nichts weiß; ein Drache, von dem man nichts weiß. Ich war in gleichen Teilen fasziniert und irritiert von dieser Geschichte und dieser Welt, die mir da von der Kinoleinwand entgegensprang. Irritiert von daher, dass so vieles ungeklärt und unerklärt bleibt. Hinter der Idee von „The Dragon Dentist“ steckt eine riesige Welt, die sich lohnt, weiter ausgebaut zu werden. Da ist so vieles, was man aus dieser ganzen Geschichte noch machen könnte. Nur ein Film ist fast schon zu schade. Die ganze Zeit wollte ich eigentlich auch mehr über diesen Krieg erfahren, über den (wahrscheinlich?) letzten Drachen und überhaupt… „The Dragon Dentist“ hat mich mit mehr Fragen zurückgelassen, worüber ich mich aber nicht einmal richtig beschweren kann. Nur der Wunsch bleibt, dass da noch mehr zu kommen möge, um mir noch mehr von dieser Welt zeigen zu können.

Damit sind wir dann bei der Faszination von „The Dragon Dentist“. Dieser Drache, der gemächlich durch die Luft fliegt, auf dem sich ganze Gemeinschaften gebildet haben. Die Drachenzahnärzte und die einzelnen Zahnfeinde. Der Krieg und die Tatsache, dass dieser Drache offensichtlich das Normalste dieser Welt ist. Das war toll, das war spannend und faszinierend. Auch optisch macht „The Dragon Dentist“ einiges her und sieht echt gut aus. Die Animationen fügen sich gut in die Geschichte ein. Alles rund um die Ärzte und den Drachen ist recht klassisch gezeichnet, aber einige der Viren, die dann aus den Drachenzähnen kommen, wirken wie Wesen, die aus einer ganz anderen Welt stammen könnten. Ein Wesen, gerade zum Ende hin, hat mich sehr an die Gestalten aus der Cyberpunk-Manga-Reihe „Blame!“ von Tsutomu Nihei erinnert. Jeder, der die Reihe ein wenig kennt, weiß, dass die sehr skurrile Kreaturen hervorgebracht hat.

„The Dragon Dentist“ ist ein faszinierender kleiner Anime, der – für sich allein gestellt – deswegen ein wenig enttäuscht, weil man einfach noch mehr davon sehen will, mehr über all das erfahren will. Insgesamt ist es ein spannender Film, der aber das Potenzial hätte, so viel mehr zu sein.

Wertung: 7 von 10 Punkten (daraus sollte dringend eine Reihe werden – ob Manga oder Anime ist mir egal, ich will nur gerne mehr davon wissen)

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