Zum Inhalt springen

Random Sunday #43: What Remains of Edith Finch?

22. November 2020

Kennt ihr dieses Loch, in das man nach einem richtig guten Game fällt? Wenn man gerade irgendwie so ein High hat, dass man direkt den nächsten Kracher zocken möchte, nur um dann festzustellen, dass man irgendwie nicht das findet, was man jetzt gerade braucht? Nachdem ich „The Last of Us Part II“ durchhatte, konnte ich dieses Loch gut umgehen, weil direkt schon „Ghost of Tsushima“ auf mich wartete und mich dann auch sehr, sehr lange beschäftigte. Doch das machte das Loch letztendlich nur größer, als ich dann mit Jin Sakai und der Rettung seiner Heimat fertig war (und – um nochmal damit angeben zu können – ich war ja Platin-fertig mit dem Spiel). Da habe ich lange nach irgendwas gesucht, was mich fesseln könnte… zumal ich schon sehr wählerisch bin und nicht einfach alles spiele. Die nächsten großen Titel, die für mich so interessant sind, sind auch noch in ferner Zukunft (wie eben zum Beispiel: „Horizon: Forbidden West). Daher fiel meine Wahl nach langem Hin und Her mal auf etwas Kleineres, dass mich dann aber schwer begeistert hat: „What Remains of Edith Finch?“

Als Edith Finch kehren wir nach dem Tod unserer Mutter in das Haus der Familie Finch zurück, um herauszufinden, was es mit dem mysteriösen Schlüssel auf sich hat, den wir geerbt bekommen haben. Das Haus selbst ist ein riesiges Wirrwarr aus Fluren, Türmen und was nicht noch alles. Hier durchforsten wir die Zimmer einzelner Familienmitglieder, die alle auf tragische Weise ums Leben gekommen sind. Durch die Zimmer schlüpfen wir in die Rolle des jeweiligen Familienmitglieds und erleben deren Geschichte.

„What Remains of Edith Finch?“ ist allein deswegen schon mein Spiel gewesen, weil es mich einfach in einem fremden Haus in Ruhe herumstöbern ließ. Ja, ich gestehe es, gerade jetzt, wo es früh dunkel wird, schmule ich gerne ich die erleuchteten Fenstern und gucke mir an, wie die Leute so leben. Und nein, bevor hier jetzt jemand die Polizei ruft, ich stehe nicht vorm Fenstern wie ein Serienkiller und nein, ich mache auch keine Fotos. Ist nur immer irgendwie ganz interessant. Naja… auf jeden Fall ist das Haus der Familie Finch auch sehr spannend, weil es so herrlich verschachtelt ist und jedes Zimmer einem mehr Hinweise auf die Geschichte der Familie gibt.

Doch „What Remains of Edith Finch?“ ist kein bloßes Haus-Erkundungsspiel, sondern eigentlich eine Spiele-Sammlung. Denn mit jedem Flashback, den wir erleben, gibt es etwas Neues zu entdecken. Auch spielerisch. In einem Spiel werden wir erst zur Katze, dann zur Eule, auf einmal zum Hai und am Ende zu einem riesigen Tentakel-Monster. Eine andere erzählt von einer jungen Frau, die zur Musik aus John Carpenters „Halloween“ im Haus nach einem Killer sucht. Wieder eine andere zeigt einen psychisch labilen jungen Mann, der bei seiner Arbeit in einer Fischfabrik der Monotonie seines Lebens entkommt und sich in eine Fantasie-Welt flüchtet. Diese Welt wird immer elaborierter und ausgefeilter, bis man sich selbst vollkommen darin verliert.

Jede einzelne Episode ist spielerisch und erzählerisch was ganz Neues… und für die kurze Zeit, in der man in ihnen „gefangen“ ist, geht man voll darin auf. Vor der Kreativität, die nur in diesem einen Spiel steckt, könnten sich so manche Geschichtenerzähler eine Scheibe abschneiden. „What Remains of Edith Finch?“ fesselt gerade auch wegen der Neugier, die einen immer weiter vorantreibt. Fesselt wegen der Lust an der nächsten ungewöhnlichen Geschichte.

Das Spiel selbst hat man in knapp drei oder vier Stunden durch. Für Hardcore-Zocker ist es vielleicht nichts, weil man keiner wirklichen Gefahr gegenübersteht. Hier geht es ums Erzählen einer spannenden Geschichte auf die bestmögliche Art und Weise – und mit sehr viel Kreativität. Es ist ein wenig so, als hätte man einen verdammt guten Roman – nur eben als Spiel.

„What Remains of Edith Finch?“ kann ich echt nur jedem empfehlen. Das ist wieder so eins der Spiele, dass man Leuten zeigen kann, die Zocken nur als blöden Zeitvertreib ansehen. Klar, irgendwo ist es das natürlich auch, aber es ist eben auch eine ganz eigene Kunstform, die gerade in solchen kleinen Indie-Games sehr schön zur Geltung kommt.

6 Kommentare leave one →
  1. 22. November 2020 23:17

    Oha, ich bin ja keine wirkliche Spielerin, aber solche Games mag ich. Die Myst Spiele mochte ich genau deswegen: Herausforderungen ohne Stress und oft bin ich stundenlang in den Welten herumspaziert, einfach weil es sich gut anfühlte.

    • donpozuelo permalink*
      23. November 2020 17:18

      Ja, solche Spiele haben echt was. Dann dürfte dir das hier auf jeden Fall gefallen.

  2. 2. Dezember 2020 13:00

    Ein grandioses Spiel, das mich seinerzeit völlig überrascht und begeistert hat. Empfehle ganz dringend, sich einen Abend Zeit zu nehmen und es an einem Stück durchzuspielen

    • donpozuelo permalink*
      3. Dezember 2020 07:56

      Absolut. Das ist ja auch echt kurz genug, um es am Stück zu spielen. Ich hätte aber auch gar nicht aufhören können. War eh viel zu spannend dafür 😅

  3. 6. Dezember 2020 21:29

    Ach, das ist ja eine Überraschung – das Spiel ist total von meinem Radar verschwunden.Bin sehr oft darüber gestolpert als ich nach Spielen gesucht habe, die vom Feeling so ähnlich sind wie Journey (wobei ich das bezweifle), Dear Esther (das schon eher), Firewatch (das kann ich mir auch vorstellen) oder Konsorten. Aber irgendwie haben mich die Game Trailer nicht gekriegt und es sah darin grafisch etwas altbacken aus. Aber vielleicht habe ich das falsch eingeschätzt!? Klingt jedenfalls schön gemacht.

    Und diese Phase nachdem man ein tolles Spiel und vllt sogar Langzeit-Spiel abgeschlossen hat, kenne ich …kennt wohl jeder wenigstens Gelegenheits-Zocker. Nach Zelda Breath of the Wild hatte ich förmlich Liebeskummer XD lol

    • donpozuelo permalink*
      7. Dezember 2020 07:37

      Wie Journey ist es definitiv nicht. Dear Esther könnte es eher treffen. Obwohl ich von dem Spiel nur gehört und es nie selbst gespielt habe. Edith Finch muss man definitiv selbst spielen. Grafisch jetzt nicht unbedingt das schönste Spiel, aber inhaltlich der Wahnsinn.

      Das mit dem Liebeskummer hatte ich auch schon oft. Gerade nach langen Spielen. Zuletzt bei Red Dead Redemption 2

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: