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Filmreise Etappe #57: Bilder, die aus Schmerz entstanden

20. November 2020

Ich kann nicht zeichnen. Selbst wenn es um mein Leben gehen würde, könnte ich kein ordentliches Bild zustande bringen. Was früher im Kunstunterricht immer gerade so noch ging, war das perspektivische Zeichnen mit Fluchtpunkten. Aber das war auch nicht richtig zeichnen… ich weiß, wir mussten einmal unser Selbstporträt zeichnen. Das war eine mittelschwere Katastrophe, in der man mich nur anhand der Brille identifizieren konnte. Doch ich bewundere (und beneide) Menschen, die wirklich zeichnen können (gerade in meiner Comic-Hochphase hätte ich mir auch mehr gewünscht, zeichnen zu können, um mal hier und da meine Ideen zu Comics zu machen). Somit kommen wir dann zur Dame des Tages, die wundervolle, aber auch sehr verstörende Bilder gezeichnet hat: Frida Kahlo. Regisseurin Julie Taymor widmete der mexikanischen Künstlerin 2002 den Film „Frida“ mit Salma Hayek in der Hauptrolle.

„Frida“ wagt auch den Rundumschlag und porträtiert das Leben der Malerin nahezu komplett. Wir erfahren, wie sie als junge Frau durch einen schweren Busunfall schwer verletzt wurde, wodurch sie ihr Leben lang Schmerzen haben würde. Wir erleben die ersten Zusammentreffen mit dem großen Künstler und Schwerenöter Diego Rivera (Alfred Molina), der Frida anzieht und auch in seinen kommunistischen Freundeskreis aufnimmt. Die beiden heiraten, reisen später in die USA, wo sie eine Fehlgeburt erleidet (was auf ihren Unfall zurückzuführen ist) und dann wieder zurück nach Mexiko. Hier kommt es zum Bruch zwischen Frida und Diego, als der was mit ihrer Schwester Cristina (Mia Maestro) anfängt. Später gewähren die Zwei Leon Trotsky (Geoffrey Rush) Asyl, mit dem Frida wiederum eine Affäre anfängt… und das Ganze endet dann mit dem Tod.

Für zwei Stunden Film hat sich auch Julie Taymor nicht entscheiden können, irgendwas wegzulassen. Aber was ich sonst bislang bei so vielen Biopics (mal mehr und mal weniger) bemängelt habe, funktioniert für „Frida“ ziemlich gut. Muss es auch, baut doch alles aufeinander auf… allein der Busunfall lenkt Fridas Leben ja schon in andere Bahnen, was man natürlich als Zuschauer wissen muss. Gleichzeitig schafft es Taymor so auch wunderschön, das Werk von Kahlo in ihren Film zu integrieren. So wird jedes Bild von Frida wie eine Art Kapitelmarke genutzt… und wir als Zuschauer erleben so die Geschichte hinter dem Bild. Auf diese Weise wird „Frida“ zu einem Biopic und einer sehr schönen Werkschau der Künstlerin, bei der Julie Taymor auch noch auf sehr kreative Art und Weise, Frida Kahlos Bilder fast wortwörtlich zum Leben erweckt. Gerade bei einer Künstlerin wie Frida Kahlo, bei der Surrealismus und Biografisches in die Bilder eingeflossen sind, ist das unglaublich hilfreich.

Neben der Werkschau steht natürlich die Frau Frida Kahlo selbst im Hintergrund… und die stellt Salma Hayek auf extrem starke Weise dar. Mit „Frida“ befreite sich Hayek von ihrer Rolle als Sex-Symbol, das sie vor allem durch ihren Auftritt in „From Dusk till Dawn“ und irgendwie auch ein bisschen in „Wild Wild West“ hatte und beweist, das sie eine tolle Schauspielerin ist. Natürlich lebt auch „Frida“ von der Freizügigkeit einer Salma Hayek, wodurch aber einfach nur die Freizügigkeit der Kahlo widergespiegelt wird – die sowohl in der Kunst als auch in der Liebe alles erleben und erfahren wollte. „Frida“ zeigt uns eine unglaublich starke Frau, die trotz ihrer Schicksalsschläge nicht aufgibt, die ihren eigenen Willen durchsetzt und für sich selbst geradesteht. Sie ist eine Frau geleitet von ihren Emotionen und Gefühlen, die alles, was sie tut, mit einer Leidenschaft macht, die beneidenswert ist.

Hayek geht so in dieser Rolle auf und spielt wirklich alle an die Wand. Ein Alfred Molina spielt zwar gut auf, kann ihr aber auch nicht das Wasser reichen. Hayek ist unser Ankerpunkt durch ein Leben geprägt von Schmerz, den Frida durch ihr einnehmendes Wesen aber gekonnt in den Hintergrund drückt. Nur in ihren Bildern erleben wir dann diesen Schmerz… und er ergreift dann auch uns als Zuschauer.

„Frida“ ist ein wirklich wundervoller Film, der als Biopic wirklich alle wichtigen Etappen in Kahlos Leben abgrast, ohne dabei überladen zu wirken. Julie Taymor navigiert ihre großartige Hayek durch das wahnsinnige Leben einer faszinierenden Frau (dafür hätte Hayek aber sowas von den Oscar verdient).

Wertung: 9 von 10 Punkten (Hayek in der Rolle ihres Lebens)

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