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Filmreise Etappe #56: Kämpfe für deine Vision!

13. November 2020

„Plan 9 from Outer Space“ ist einer dieser Filme, den ich unbedingt gucken muss. Nicht etwa, weil er als einer der schlechtesten Filme überhaupt gefeiert wird. Nein, weil Mulder aus „Akte X“ diesen Film zig tausend Mal schon gesehen… und dass das noch nicht auf mich abgefärbt ist, ist schon eine Schande. Wegen Mulder habe ich dieses „I Want To Believe“-Poster jahrelang an meiner Wand gehabt. Wegen Mulder wollte ich immer unbedingt Anzüge tragen. Wegen Mulder habe ich angefangen, Sonnenblumenkerne zu essen. Warum also nicht endlich auch mal „Plan 9 from Outer Space“ gucken? Vielleicht weil Filme, die als die „schlechtesten aller Zeiten“ gefeiert werden, auch wirklich so schlecht sind? „The Room“ war ja auch schon eine mittelschwere überschwere Katastrophe. Aber der Film „The Disaster Artist“ zeigt auf witzigere Art und Weise, wie dieser Film zustande kam. Etwas ähnliches gibt es auch für „Plan 9 from Outer Space“. Tim Burton widmete sich 1994 dem Mann hinter diesem „Katastrophenfilm“ und brachte mit Johnny Depp „Ed Wood“ in die Kinos.

Ed Wood (Depp) versucht irgendwie in Hollywood Fuß zu fassen. Doch ist das gar nicht so einfach. Als er aber sein großes Idol Dracula-Darsteller Bela Lugosi (Martin Landau) trifft, soll sich alles ändern. Mit einer kleinen Notlüge ergaunert er sich schließlich den Regie-Posten für den Film „I Changed My Sex!“, den Produzent George Weiss (Mike Starr) drehen will. Ed bekommt den Job, weil er Weiss gesteht, dass er sich selbst gerne Frauenkleidung anzieht. Aus „I Changed My Sex!“ wird „Glen or Glenda“, in dem er seinen Star Lugosi mit auftreten lässt. Der Film wird ihm allerdings um die Ohren gehauen, aber Wood gibt nicht auf. Er sucht weiter nach Finanziers und dreht schon bald seinen nächsten Film „Bride of the Monster“, bevor er dann endlich zu den Dreharbeiten von „Gravediggers from Outer Space“ übergeht (der später dann als „Plan 9 from Outer Space“ in die Geschichte eingehen wird).

Wie jedes Biopic leidet auf „Ed Wood“ daran, dass einfach viel zu viel in diesen Film gestopft wird. Die Schaffensphase dreier Filme, wobei jeder einzelne dieser Filme einen eigenen Film getragen hätte. Irgendwo dazwischen wird noch das Thema des Transvestiten Ed Wood gepackt, was aber auch nur zu Beginn wirklich angesprochen wird… und dann hätten wir eben noch den Künstler, der um seinen Traum kämpft. Und schließlich noch das, was diesen Film zusammenhält: Die Freundschaft zwischen Ed Wood und Bela Lugosi.

Aber trotz der Fülle an Material, die Tim Burton uns präsentiert, wird „Ed Wood“ nie langweilig. Im Gegenteil, ich hatte unheimlich viel Spaß mit diesem Film… und wie gesagt, von mir aus hätte jeder einzelne Film noch länger thematisiert werden können. Was Burton nämlich wundervoll macht, ist uns einen Einblick in die Schaffensweise eines B-Movie-Regisseurs zu geben. Obwohl Ed Wood ja schon fast Guerilla-Methoden verwendet. Er klaut Requisiten, dreht ohne Genehmigungen und lässt alles in kürzester Zeit abdrehen. Als Behind-the-scenes-Film funktioniert „Ed Wood“ wunderbar und zeigt uns dabei sehr schön, wie schwer es gewesen ist, selbst Low-Budget-Filme zu drehen.

Was „Ed Wood“ zusätzlich so sehenswert macht, ist unser „Titelheld“. Johnny Depp in dieser Rolle ist einfach nur super. Dieser wie angemalte Schnurrbart, die gegelten Haare und vor allem dieses ständige Grinsen, das irgendwo zwischen manisch und freudig erregt hin und her schwankt – all das ist einfach so gut. Depp geht in der Rolle des Filmemachers auf und zeigt uns einen Mann angetrieben von seinen eigenen Träumen. Depps Ed Wood ist ein Kämpfer, jemand, der sich durch nichts und niemanden unterkriegen lässt. In gewisser Weise ist „Ed Wood“ das Feel-Good-Movie eines gescheiterten Mannes. Aber Ed Wood ist ein Steh-Auf-Männchen sondergleichen. Egal, ob er aus seiner eigenen Premiere verjagt wird, Produzenten ihm mit dem Tod drohen oder er gegen nervende Geldgeber ankämpfen muss, für ihn steht der Film an erster Stelle. Johnny Depp ist so unglaublich gut in dieser Rolle…

Martin Landau, der für seinen alten Bela Lugosi sogar mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, passt da perfekt dazu. Gemeinsam mit Depp spielt sich dieser alte Haudegen direkt in unsere Herzen. Hier haben wir ein tolles Leinwand-Duo, die einander mehr brauchen, als es zu Beginn den Anschein hat.

Der komplette Cast des Films, Bill Murray, Patricia Arquette, Sarah Jessica Parker und und und, macht „Ed Wood“ zu einem tollen Film. Aber gerade Depp und Landau machen ihn wirklich sehenswert. Gepaart mit Burtons Liebe fürs makabre Kino, die Liebe zum Detail und dieser Mix aus Biopic, Behind the scenes und B-Movie-Best-Of in tollem Schwarz-Weiß-Look ist „Ed Wood“ eine tolle Liebeserklärung ans Kino und ein schönes Denkmal für einen mehr als nur ambitionierten Regisseur. Jetzt muss ich mir wirklich nur noch sein „Meisterwerk“ anschauen.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Ed Wood sollte man sich in gewisser Weise als Vorbild nehmen und sich auch von Rückschlägen nicht unterkriegen lassen, sondern einfach weitermachen!!!)

2 Kommentare leave one →
  1. 3. Dezember 2020 20:06

    Oh ja, den Film mochte ich auch gern. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      4. Dezember 2020 06:52

      Wirklich ein toller Film. Jetzt muss ich echt unbedingt mal Plan 9 from Outer Space gucken 😅

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