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Deep Impact – nur besser

26. Oktober 2020

Ich hätte es nicht mehr für möglich gehalten, dass ich noch mal einen Katastrophenfilm abfeiern würde. Ja, ich hatte eine Phase in meiner Jugend, in der ich solche Filme wirklich sehr gerne geguckt habe – der letzte dieser Gattung, den ich im Kino gesehen habe, war damals Sylvester Stallones „Daylight“ (diese Nummer in dem Tunnel). Der Katastrophenfilm hatte in den 90er Jahren so eine kleine Hochphase, bevor er dann wieder verschwand. Hier und da ploppte mal noch einer auf, aber mein Interesse weckte keiner. Deswegen bin ich umso erstaunter, dass ich tatsächlich mal einem Film eine Chance gegeben habe und der mich dann – zu meinem doppelten Erstaunen – auch noch ziemlich getroffen hat. Die Rede ist hier von „Greenland“, ein Film mit Gerard Butler in der Hauptrolle.

Ein Komet soll eigentlich ungefährlich an der Erde vorbeirauschen. Doch die Experten bei NASA und Co. haben sich gehörig verrechnet. Fragmente des Kometen Clarke stürzen auf die Erde. Der Architekt John Garrity (Butler) wird von der Regierung als jemand ausgelost, der in einem geheimen Bunker auf Grönland das kommende Armageddon überleben soll. Mit dabei sind seine Frau Allison (Morena Baccarin) und Sohn Nathan (Roger Dale Floyd). Als jedoch am Militärflughafen herauskommt, dass Nathan Diabetes hat und deswegen doch nicht mit darf, beginnt der wahre Überlebenskampf der Familie Garrity.

Ursprünglich sollte „District 9“-Regisseur Neill Blomkamp „Greenland“ mit Chris Evans in der Hauptrolle drehen. Dann wurde es doch Ric Roman Waugh, der immerhin durch „Angel has fallen“ auch schon mit Gerard Butler zusammengearbeitet hatte. Passt ja dann auch. Und tatsächlich passt das Ganze ziemlich gut, auch wenn es bei der Vermarktung ein wenig hapert. Der Trailer suggeriert sehr viel mehr Action und Zerstörung – ein bisschen Katastrophe a la Emmerich. Erstaunlicherweise hält sich der tatsächliche Film mit solchem Chaos-Bombast aber in Grenzen. Natürlich gibt es auch spektakuläre Einschläge, bei denen einfach mal ganze Städte dem Erdboden gleichgemacht werden. Auch die sich noch im Sturzflug befindlichen Fragmente sind sehr schön in Szene gesetzt und haben schon wirklich etwas Faszinierendes an sich. Aber der Schwerpunkt liegt bei „Greenland“ nicht auf der Katastrophe an sich.

Viel mehr geht es dem Film um das menschliche Chaos. Der Film konzentriert sich ganz auf die kleine Familie… und schafft sogar das Kunststück, diese noch auseinanderzureißen. Das hat den normalen Spannungsbogen des Überlebens während des Weltuntergangs noch einmal gut erhöht. Erst wird Papa von Mama und Sohn getrennt, später dann noch Mama von Sohn… natürlich finden die sich in diesem Chaos auch wieder. Das muss halt auch so sein. Die üblichen Klischees eines Katastrophenfilms kann auch „Greenland“ nicht umschiffen, aber immerhin schafft der Film es, diese ziemlich gekonnt einzubauen.

Dank der wirklich guten Darsteller – vor allem Butler und Baccarin, die beide wirklich sehr leidend durch diesen Film rennen – funktionieren die Klischees ziemlich gut. Sie durchleben die einzelnen Etappen ihrer Reise nach Grönland immer gerade so, haben natürlich mehr Glück als Verstand und geraten dennoch immer wieder in unmögliche Situationen, die sie dann doch mit Bravour bewältigen. Aber wie gesagt, gerade weil die Darsteller wirklich mit Inbrunst in ihren Rollen aufgehen, konnte ich all das verschmerzen – und habe sogar regelrecht mitgefiebert.

Als Katastrophenfilm bleibt „Greenland“ auf dem Teppich, verzichtet auf zu viel Pathos, zu viel Heldenmut, sondern konzentriert sich aufs Wesentliche und verliert seine kleine Familie nie aus den Augen. So wird aus dem Geschehen ein spannendes und kurzweiliges Familien-Drama mit einem Schuss Katastrophe.

Was ich persönlich ein wenig schade fand, war einfach die Tatsache, dass der Film so dringend sein richtiges Happy End braucht. Es gibt einen wunderschönen, sehr emotionalen Schlussmoment, der das perfekte Ende für diesen Film gewesen wäre. Doch dann wird das Bild schwarz… und zwanzig Sekunden später (obwohl ich schon gehofft hatte, das würde jetzt das Ende sein) klatscht man uns noch ein superbilliges, dann leider doch sehr pathetisches Über-Happy-End an den Kopf. Das hätte dieser Film einfach nicht gebraucht (aber wahrscheinlich das Testpublikum)… aber gut, man kann auch das gut verschmerzen.

Wertung: 7 von 10 Punkten (definitiv das bessere „Deep Impact“!!!)

7 Kommentare leave one →
  1. 26. Oktober 2020 09:11

    Emmerich hat mit seinen Katastropenfilmen halt schon irgendwo Maßstäbe gesetzt und das Thema dann ausgelutscht… Aber trotzdem kommt deine Wertung jetzt doch überraschend, sollte ich vielleicht doch noch in den Film gehen.

    • donpozuelo permalink*
      27. Oktober 2020 14:23

      Es war für mich auch überraschend. Ich habe Schlimmeres erwartet. Der taugt aber tatsächlich was. Und ja, an Emmerich kommt der Film in Sachen Katastrophe nicht ran… hat aber andere Qualitäten.

  2. 26. Oktober 2020 18:38

    Pro: Frau Baccarin spielt mit, Contra: Genre, Gerard Butler
    Bin noch unsicher, aber da ich eigentlich nur wohlwollende Kritiken bisher gesehen habe, könnte ich Mal einen Blick wagen.

    • donpozuelo permalink*
      27. Oktober 2020 14:22

      Gerard Butler ist ein Contra bei dir? 😅 Warum? Zu viele schlechte Filme mit ihm gesehen?

      Viele von ihm kenne ich gar nicht. Aber „Greenland“ kann ich echt empfehlen. Der ist gut.

      • 27. Oktober 2020 15:17

        Ja und Butler ist meiner Meinung nach ein schlechter Schauspieler.

        • donpozuelo permalink*
          27. Oktober 2020 15:43

          Um das beurteilen zu können, habe ich einfach echt kaum was von ihn gesehen. Mir fällt gerade auch echt kein weiterer Film ein 😅 aber in Greenland fand ich ihn gut

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  1. 2020 | Going To The Movies

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