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Filmreise Etappe #53: Der beste Sci-Fi-Film, den es nie gab?

23. Oktober 2020

Diese Filmreise-Etappe ist selbst für mich eine absolute Neuheit. Ich habe in meiner ganzen Zeit als Blogger tatsächlich noch nie über eine Dokumentation geschrieben. Aber die Challenge verlangt in ihrer Kategorie „Bildungsreise“ nun auch genau das von mir. Wie schreibt man aber eigentlich über eine Doku? Irgendwie gar nicht so einfach… deswegen habe ich mir erstmal eine Doku genommen, die a) ganz gut mit dem allgemeinen Thema dieses Blogs einhergeht und b) die sich mit einer anderen Fimreise-Etappe verknüpfen lässt. Etappe 23 brachte mich ja auf den Wüstenplaneten Dune… und im Zusammenhang mit diesem Film von David Lynch hatte ich mir dann auch mal vorgenommen, die Dokumentation „Jodorowsky’s Dune“ von Frank Pavich zu schauen.

Der geht nämlich einem faszinierenden Geheimnis auf den Grund: Alejandro Jodorowsky, der mit seinen surrealen Filmen wie „El Topo“ oder „Der heilige Berg“ Bekanntheit in den 70er Jahren erlangte, wagte sich Mitte der 70er Jahre an Frank Herberts „Dune“. Die Dokumentation schildert dabei den unglaublichen Weg von Jodorowsky auf der Suche nach Mitstreitern und zeigt den möglicherweise besten Science-Fiction-Film, der nie gemacht wurde.

Zu allererst muss ich einfach mal sagen, dass ich mir nach dieser Doku dringend mal einen Film von Jodorowsky anschauen will. Allein die Bilder, die hier zum Beispiel von „Der Heilige Berg“ gezeigt werden, machen mehr als nur deutlich, dass dieser Mann ein ganz eigener Kopf ist. Pavich lässt auch die meiste Zeit Jodorowsky selbst zu Wort kommen und es ist einfach unglaublich faszinierend, diesem Mann, der ständig vom Englischen ins Spanische übergleitet, zu zuhören. Jodorowsky spricht mit so einer Begeisterung von seiner Version von „Dune“… allein deswegen ist es schon schade, diesen Film nie gesehen haben zu können.

Aber der Mann hatte auch schon verrückte Ideen: So wollte er Salvador Dali als den Imperator haben. Dali wiederum wollte nur  mitmachen, wenn er der am meisten bezahlteste Schauspieler der Welt damit werden würde. So entschied Jodorowsky, ihn nach Minuten zu bezahlen – sagte ihm aber nicht, dass er ihn nur für 4 Minuten brauchen würde. Den Rest sollte dann eine Puppe übernehmen, da der Imperator nach Jodorowksy einfach zu paranoid sei und deswegen einen Androiden vorschicken würde. Es gibt tausend solcher Anekdoten… wie der Regisseur Orson Welles davon überzeugte, den Baron Harkonnen zu spielen; wie er Mick Jagger traf und ihn einfach für seinen Film engagierte und wie er seinen eigenen Sohn Brontis, der Paul Atreides spielen sollte, zu einem wahren Krieger der Kampfkünste ausbilden ließ.

Wie Jodorowsky das alles so erzählt, klingt das absolut unglaublich. Dazu kommen dann noch HR Giger, der erzählt, wie er zu dem Projekt kam. Comiczeichner Möbius, mit dem Jodorowsky später „Der Incal“ machte (und viele Ideen aus seinem Dune-Skript verwendete) beschreibt das Arbeiten mit dem Regisseur… und gerade bei diesen Beiden (Giger und Möbius) wird es dann wirklich faszinierend. Pavich zeigt die Storyboards von Möbius, die Konzept-Zeichnungen von Giger… und die Kostüme und Raumschiff-Entwürfe von Jean Giraud und Chris Foss. Mit kleinen Animationseinlagen lässt Pavich das Storyboard zum Leben erwachen und die ganzen Entwürfe unterstreichen den großartigen Plan, den Jodorowsky hier hatte. Man sieht, dass hier einige der kreativsten Köpfe ihrer Zeit unter der Führung eines Visionärs versammelt wurden. Die Bilder sind unglaublich… und mit jeder Einstellung, mit jedem Kostüm, mit jeder Erzählung von Jodorowsky selbst zerreißt es einem ein wenig das Herz, dass dieser Film nie entstanden ist.

Im Film selbst sieht man Jodorowsky an einem dicken, dicken Band (wahrscheinlich so drei Telefonbücher dick), der alles vereint, was je zu diesem Film entstanden ist… und ich hoffe nach dieser Doku wirklich sehr, dass dieser Band irgendwann mal veröffentlich wird.

Zum Glück zeigt Pavich in seiner Doku auch, dass die ganze Arbeit all dieser großen Köpfe an „Jodorwosky’s Dune“ nicht komplett umsonst gewesen ist. Zahlreiche Konzepte wurden in anderen Filmen umgesetzt… es ist fast ein bisschen so, als wäre Jodorowskys Idee der Keim für Dutzende von anderen Ideen gewesen. Trotzdem ist es schade, dass dieser  Film nie entstanden ist… das hätte vielleicht wirklich der größte Sci-Fi-Film aller Zeiten werden können.

Wertung: 8 von 10 Punkten (faszinierende Doku über einen noch faszinierenderen Film-Macher und seine wahnwitzige Vision)

3 Kommentare leave one →
  1. 8. November 2020 15:18

    Wow – krass. Ich wusste nicht, dass Möbius (den ich sehr verehre) bei dem Film mitgewirkt hat bzw mitwirken sollte …warum genau kam es dann nie zu dem Film? War das alles so krass, dass das Studio absprang?

    • donpozuelo permalink*
      9. November 2020 09:34

      Es war alles viel zu teuer. Jodorowskys Skript allein wäre ein 14 Stunden Film gewesen. Vor Produktionsstart war er auch schon deutlich über seinem Budget und entwickelte das Ganze zu einem sehr exzentrischen Projekt, so dass seine Geldgeber dann irgendwann einfach absprangen.

      Aber wir haben auch viel Gutes dadurch bekommen. Die Liste der beeinflussten Filme ist ewig lang. Und Jodorowsky und Möbius sind dadurch dann für „Der Inkal“ zusammengekommen.

Trackbacks

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