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Filmreise Etappe #52: Ein großer Sprung für die Menschheit

16. Oktober 2020

Raumfahrt fasziniert mich ohne Ende. Als kleiner Junge habe ich gerne über die Mondlandung und das Weltall an sich gelesen. In meiner Zeit als absoluter „Akte X“-Jünger war ich dann fasziniert davon, wie Verschwörungstheorien selbst dieses große Ereignis der Menschheit ad absurdum führen wollten. Ich meine, ich liebe diese Mondlandungsverschwörungen, weil sie einfach so elaboriert verfasst sind und sie herrlich zu lesen sind. Trotzdem ist das ein Ereignis, dass man aus der Weltgeschichte nicht mehr wegdenken kann… und ich bin schon wahnsinnig gespannt, wie NASAs Artemis-Programm laufen wird, das ja 2024 erstmal wieder Menschen auf den Mond schicken will. Das wäre das erste Mal seit 1972, dass wir wieder auf dem Mond stehen. Und der erste Mensch, dem das gelungen ist, war Neil Armstrong. Ihm und dem Apollo-Projekt widmete Damien Chazelle seinen Film „Aufbruch zum Mond“.

Der Film basiert auf der Biografie „First Man: The Life of Neil A. Armstrong“ von James R. Hansen. Wir erleben Neil (Ryan Gosling) als Testpilot, der die Atmosphäre der Erde durchbricht und seinen ersten Blick auf die Weiten des Alls wirft. Wir erfahren vom frühen Tod seiner Tochter und wie er sich daraufhin bei der NASA für deren Gemini-Projekt bewirbt… und wie er dann später, im Jahr 1969, mit seinen Kollegen Buzz Aldrin (Corey Stoll) und Mike Collins (Lukas Haas) die Reise zum Mond mit Apollo 11 antritt.

First Man

Ich war mir nicht so sicher, zu welchem Zeitpunkt der Bildungsreise der Filmreise-Challenge ich „Aufbruch zum Mond“ gucken soll. Schließlich geht es jetzt noch um Filme, in denen es um ein historisches Ereignis geht. Die Biopics kommen erst noch. Doch „Aufbruch zum Mond“ ist irgendwie ein bisschen von beidem… wobei mir der Biopic-Aspekt fast ein bisschen zu kurz kommt. Zumindest wenn es um Neil Armstrong an sich geht. Aber vielleicht liegt das auch ein wenig an Ryan Gosling.

Ich mag Gosling wirklich sehr, aber ich hatte in diesem Film immer das Gefühl, dass er nicht so ganz in die Rolle passte. Alles, was Gosling hier macht, ist sein typisches stoisches Gesicht, das die perfekte Mischung aus sexy, cool und unnahbar einfängt. Doch so richtig konnte ich in diesem Film die Person Neil Armstrong nicht greifen. Der Mann, der große amerikanische Held wird uns kaum nähergebracht. Wir erfahren nie, was ihn antreibt, was ihn wirklich bewegt, wie er zu seiner Familie steht, wie er begreift, dass er der erste Mann auf dem Mond sein wird. Goslings Neil Armstrong ist wie ein Roboter, der einfach macht, was man ihm sagt. Das fand ich sehr schade…

… entschädigt wird man in diesem Film dann ein bisschen durch Claire Foy, die Janet Armstrong spielt. Es ist tatsächlich durch sie, dass man ein bisschen über das Leben des Astronauten erfährt. Während er halt wirklich der Roboter ist, ist sie das fühlende Wesen. Die Frau, die hinnehmen muss, was ihr Mann tut, die verzweifelt auf seine Rückkehr wartet, die das Herz dieses Films ist. Hätte Chazelle mal den Film wirklich noch mehr in ihre Richtung gerückt, hätte mal ein etwas anderer Film zu Armstrong entstehen können.

Als reines Biopic kratzt „Aufbruch zum Mond“ dann alle wichtigen Etappen von Armstrongs Karriere an. Als Film über die Mondlandung durchlaufen wir brav alle wichtigen Punkte, die es brauchte, um einen Mann auf den Mond zu schicken. Dabei umgeht Chazelle jegliches Politikum. Das Wettrennen ins All wird zwar hier und da mal kurz angesprochen, aber der Kalte Krieg ist kaum ein Thema. Was okay ist… nur kommt es einem fast so vor, als würde das alles nur aus reiner wissenschaftlicher Neugier passieren.

Wo „Aufbruch zum Mond“ aber wirklich punktet, sind sämtliche Flugtests, Flüge ins All und dann am Ende die Mondlandung selbst. Hier fühlte ich mich teilweise auch sehr an „Gravity“ zurückerinnert. Chazelle geht mit dem größtmöglichen Realismus an all diese Szenen, lässt uns das Knacken und Krachen der Schrauben und Nieten hören, lässt uns das Vibrieren der Rakete förmlich spüren und macht deutlich, dass da einfach drei Typen auf einer riesigen, explosiven Bombe sitzen. In diesen Szenen kommt man aus dem Staunen nicht heraus… da merkt man dann, was die damals für Unglaubliches geleistet haben.

Damien Chazelles „Aufbruch zum Mond“ ist vor allem visuell ein beeindruckender Film. Auf emotionaler Ebene fehlt dem Ganzen dann aber oftmals die Tiefe.

Wertung: 6 von 10 Punkten (so realistisch wie eine Mondlandung nur sein kann 😊 )

5 Kommentare leave one →
  1. 16. Oktober 2020 14:43

    Endlich noch jemand, der sich an Goslings Darstellung gestört hat. Ich dachte schon ich wäre die einzige

    • donpozuelo permalink*
      16. Oktober 2020 16:29

      Bist du nicht. Ich mag Gosling ja gerne. Und für Filme wie „Drive“ passt er auch, aber in diesem Film war er echt einfach zu flach. Der hat ja kaum das Gesicht verzogen…

  2. 11. November 2020 12:41

    Wie? Wir waren auf dem Mond? Muss ich verpasst haben. 😀

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