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Filmreise Etappe #51: Fubar!

9. Oktober 2020

Es gibt immer häufiger diese Momente, an denen ich mich einfach nur alt fühle. Aber so richtig alt. Ich bin jetzt in der vorletzten Kategorie der Filmreise… und für den Start in die Bildungsreise sollte es ein Film sein, in dem es um ein historisches Ereignis geht. Dafür wählte ich mir Steven Spielbergs „Der Soldat James Ryan“ aus… und da wurde mir mal wieder bewusst, dass ich doch alt bin. Denn… denn… das letzte Mal habe ich diesen Film vor 22 (in Worten zweiundzwanzig) Jahren gesehen – als der Film ins Kino kam. Damals war ich zarte 15 Jahre alt. Jetzt halt 22 Jahre älter. Und das ist schon irgendwie krass (zumindest kommt es mir krass vor, sind immerhin zwei Jahrzehnte – meine Güte). Aber genau so krass war es damals, diesen Film mit 15 zu sehen. Allein die Eröffnungssequenz hat mich damals ziemlich fertig gemacht. Daran hat sich auch jetzt nach mehr als zwanzig Jahren nichts geändert.

Captain Miller (Tom Hanks) gehört zu den Einheiten, die am 6. Juni 1944 in der Normandie landen, um Europa endlich von der Herrschaft der Nazis zu befreien. Nachdem er das Gemetzel am Omaha Beach überlebt hat, wird er auf eine ungewöhnliche Mission geschickt: Er soll den Private James Ryan (Matt Damon) finden und nach Hause bringen. Dessen drei Brüder sind schon im Krieg gestorben und man will verhindern, dass seine Mutter auch den vierten Sohn noch verlieren muss. Für Miller und seine Männer (darunter Tom Sizemore, Edward Burns, Vin Diesel, Giovanni Ribisi und Jeremy Davies) beginnt eine gefährliche Reise und auch die Frage, ob es gerechtfertigt ist, dass Leben vieler Soldaten für nur einen einzigen aufs Spiel zu setzen.

Reden wir gleich über die erste halbe Stunde, denn die ist es doch am Ende, die einem wirklich im Kopf bleibt. Was Spielberg hier inszeniert, ist so heftig, brutal und eklig, dass man nur widerwillig den Blick auf das Geschehen richtet. Spielberg beschönigt hier nichts, schickt seinen Kamera-Mann mitten ins Geschehen. Man hat echt das Gefühl, man steht selbst mittendrin in diesem ekligen Gemetzel, dem Blut, den Schreien, dem Tod, der mit jeder Kugel über den Strand peitscht. Angeblich soll das Ganze so realistisch sein, dass damals bei der Premiere etliche Veteranen das Kino verlassen mussten. Das spricht schon irgendwie sehr für das Gezeigte… Spielberg zelebriert das aber auch nie. In jedem anderen Film wäre das eine epische Schlacht geworden, hier ist es einfach nur ein sinnloses Chaos. Hier wird nichts beschönigt. Das ist zwar Action, aber Action, die man nur schwer verdauen kann.

Das trifft übrigens auch für die übrigen Schlachten und Kämpfe zu, die uns Spielberg in „Der Soldat James Ryan“ präsentiert. Wenn es bei ihm ums Ganze geht, ist das alles ziemlich anstrengend zu gucken (natürlich ist das auch irgendwie positiv gemeint).

Zwischen den Kämpfen gegen die deutsche Wehrmacht seziert Spielberg gekonnt seine Charaktere und baut hier eine Bruderschaft von Soldaten auf, die in diesen Wirren versuchen, nicht komplett durchzudrehen. Mir haben hier alle Darsteller echt gut gefallen. Tom Hanks ist wie immer spitze, aber ich muss doch gestehen, dass mir ein Charakter am meisten gefallen hat… und das war Jeremy Davies Corporal Upham, der eigentlich nur als Übersetzer mitkommt und selbst noch nie in einem Kampf war. Es ist so diese typische Rolle für Davies, die aber so gut in dieses Szenario passt… und von allen Charakteren geht sein Upham den größten Wandel durch und zeigt, wie sehr Krieg einen Menschen doch verändern kann. Dafür sind die anderen in seiner Truppe halt schon zu häufig durch die Hölle gegangen. An Davies‘ Upham verfolgt Spielberg das aber noch einmal perfekt.

„Der Soldat James Ryan“ ist kein einfacher Film, der geht echt ganz schön an die Nieren, gerade weil er in den Kriegsszenarien so verdammt heftig und realistisch daherkommt. Das Soldaten-Charakter-Drama, das uns zwischendurch immer mal wieder eine kleine Verschnaufpause gönnt, ist intensiv und packend erzählt. Das ist sicherlich kein Film, den man häufig gucken kann, aber er ist es auf jeden Fall wert gesehen zu werden (wenn man ihn noch nicht gesehen hat).

Wertung: 9 von 10 Punkten (starkes Weltkriegsdrama, das den Spagat zwischen realistischer „Action“ und menschlichem Drama gekonnt bewältigt)

8 Kommentare leave one →
  1. 9. Oktober 2020 06:16

    Mir ist vor allem Giovanni Ribisi in dem Film aufgefallen, der dann ja leider nie wirklich den Durchbruch schaffte.

    • donpozuelo permalink*
      9. Oktober 2020 08:09

      Auch wieder wahr. Ribisi hat, ähnlich wie Davies, immer mehr so diese „verrückten“ Außenseiter-Rollen gehabt. Was echt schade ist…

      • 9. Oktober 2020 21:15

        Irgendwie nehmen Karrieren von Schauspielern, die ich mal zu irgendeinem Zeitpunkt mochte, immer eine unheilvolle Wendung. Christian Slater und Dolph Lundren (duck) fallen mir noch ein.

        • donpozuelo permalink*
          10. Oktober 2020 11:02

          Oh Gott… ja, Christian Slater mochte ich früher auch echt gerne. Dolph Lundgren hatte immer so das Problem, dass es Arnie und Sly eben schon gab. Da war es für ihn echt schwer, sich da auch noch als großer Muskelkerl zu etablieren

        • 10. Oktober 2020 11:18

          Ich frage mich immer, wie man es schafft, so Karrieren zu vergeigen. Christian Slater hatte doch mit „Der Name der Rose“ einen echten Karriereboost und auch ansonsten waren die frühen Filme nicht schlecht. Jetzt sieht man ihn bei Uwe Boll und in undeutenden Nebenrollen Von außen ist das eher unverständlich.

          Dolph Lundgren habe ich hauptsächlich in Universal Soldier wahrgenommen, aber auch er hatte mit dem Rocky-Film einen super Karrierestart. Schauspielerisch allerdings extrem limitiert und die Filme sind recht schnell aus der Zeit gefallen. Red Scorpion war damals schon Trash.

        • donpozuelo permalink*
          11. Oktober 2020 17:30

          „Der Name der Rose“ ist tatsächlich so ein Film gewesen, nachdem Slater hätte groß werden können. Aber irgendwie kamen danach nur noch so kleiner Komödien („Very Bad Things“ war aber wirklich toll) und Action-Sachen… wahrscheinlich hat er einfach kein Glück mit seiner Rollenauswahl gehabt (oder einen schlechten Agenten, der mit ihm nicht umgehen konnte).

          Universal Soldier habe ich nie gesehen. Ich kenne Lundgren eigentlich echt nur als Ivan Drago 😀

        • 11. Oktober 2020 17:44

          Soweit ich es mit bekommen habe, hatte Christian Slater auch recht heftige Drogenprobleme. Was zu erst da war, der Karriereniedergang oder oder die Drogen, weiß ich nicht.

          Inzwischen gehört er zu den Leuten, bei denen man sich fragt, wovon sie leben. Von der Schauspielerei wohl kaum. (Womit wir auch wieder bei Ribsi wären.)

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