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Strike First, Strike Hard, No Mercy

5. Oktober 2020

Die Nostalgie lässt Hollywood einfach nicht los. Immer wieder wird Altes noch einmal entstaubt und aufgewärmt. Letztes „Opfer“ sind Keanu Reeves und Alex Winter, deren Bill und Ted nach zig Jahren einfach mal einen dritten Teil bekommen haben. Sie werden sicherlich auch nicht die Letzten sein. Und ich muss gestehen, ich bin mittlerweile immer eher skeptisch, wenn irgendwas Altes wieder zum Vorschein kommt. So gehe ich auch mit gemischten Gefühlen an „Matrix 4“ ran – aber das nur nebenbei. Doch hin und wieder bringt diese Nostalgie auch etwas Gutes zutage. Als ich vor zwei Jahren hörte, dass man eine Fortsetzung zu „Karate Kid“ als Serie auf YouTube bringen würde, dachte ich nur: „Wer braucht das?“ Doch jetzt hat es die Serie „Cobra Kai“ auf Netflix geschafft und ich habe mich durch viel Lob für die Serie dazu hinreißen lassen, mir das Ganze mal anzugucken. Und ja, es braucht keiner, aber es ist einfach zu cool, um es nicht nicht zu gucken.

34 Jahre nach seiner Niederlage gegen Daniel LaRusso (Ralph Macchio) sehen wir Johnny Lawrence (William Zabka) wieder. Er arbeitet als Hausmeister, lebt von seiner Frau getrennt und hat kaum Kontakt zu seinem Sohn Robby (Tanner Buchanan). Eines Abends hilft er dem Nachbarsjungen Miguel (Xolo Mariduena) aus, als der von ein paar Bullies seiner Schule verprügelt wird. Miguel ist von Johnnys Karate-Künsten beeindruckt… und widerwillig lässt sich Johnny darauf ein, Miguel zu unterrichten. Dass er damit dann auch sein altes Dojo „Cobra Kai“ eröffnet, gibt Johnny einen neuen Sinn im Leben – ist seinem alten Rivalen Daniel, der mittlerweile eine erfolgreiche Autohauskette leitet, aber ein Dorn im Auge.

William Zabka bekam ja durch „How I Met Your Mother“ einen Aufwind, weil Barney Stinson seinen Johnny als den wahren Helden von „Karate Kid“ abfeierte. Und tatsächlich greift die Serie diese Sichtweise in der ersten Staffel auch auf: Johnny wurde von Daniel zuerst angegriffen, der habe ihm dann sogar noch die Freundin ausgespannt und mit einem unfairen Kick gewonnen. Armer Johnny… die Tatsache, dass er das selbst nach über 30 Jahren immer noch nicht verarbeitet hat, ist fast schon komisch – und wird nur noch übertrumpft von den posttraumatischen Episoden, die Daniel in Staffel 1 teilweise erlebt, wenn er das Cobra-Kai-Logo sieht.

Die Serie hat ein bisschen was von einer Soap Opera, gerade wenn es um die beiden „Erzfeinde“ geht. Es ist manchmal scharf an der Grenze zum Lächerlichen, doch unglaublicherweise schaffen die Serienmacher das Kunststück, nie zu kippen. „Cobra Kai“ ist in seiner Soap-Opera-Karate-Blase einfach super. Diese „Feindschaft“ zwischen Johnny und Daniel ist super – zumal zwischendurch auch immer wieder so eine Funke aufkommt, der vermuten lässt, die Zwei könnten noch Freunde werden. Zabka und Macchio sind auch wirklich gut darin, diese Ying und Yang Metapher in ihren Charakteren zu verkörpern. Und meine Güte, altert Ralph Macchio irgendwann auch mal? Der Mann ist Ende 50 und sieht einfach mal aus wie Mitte Dreißig. (Das so als oberflächliche Note!).

Neben einer wirklich guten Wiederbelebung der alten Charaktere funktionieren aber Gott sei Dank auch die neuen Charaktere. In gewisser Weise wird hier das klassische „Karate Kid“-Schema wiederverwendet – nur dass der Fokus mehr auf Johnny und „Cobra Kai“ liegt. Mit Xolo Mariduena ist ein starker Darsteller für Johnnys Schüler gefunden, der unser neues Karate-Kid ist. Aber auch hier steckt sehr viel Soap-Opera drin: Miguel verliebt sich in Daniels Tochter Sam (Mary Mouser). Das bekommt dann schon fast einen „Romeo und Julia“-Touch, wenn Daniel seiner Tochter erzählt, sie soll sich von Cobra Kai fernhalten. Komplizierter wird es dann, als Daniel – ohne zu wissen, wer er wirklich ist – Robby unter seine Fittiche nimmt und ihm Karate beibringt.

Wie gesagt, es allein nur so aufzuschreiben, klingt mega kitschig. Aber „Cobra Kai“ lässt das alles nie zu kitschig wirken. Stattdessen gibt es toll eingearbeitete Flashbacks zum alten Film, tolle Fights (vor allem im Finale), interessante Charaktere und einen Soundtrack, der wunderbar den Nostalgie-Knopf drückt. Staffel 1 von „Cobra Kai“ ist eine wunderbare Dosis von „Hach, erinnert ihr euch noch an die guten, alten Zeiten“ und jeder, der „Karate Kid“ immer noch irgendwo in seinem Herzen trägt, sollte „Cobra Kai“ gucken.

Wertung: 9 von 10 Punkten (tolle, tolle Serie – und der Beweis, dass Revivals auch funktionieren können)

6 Kommentare leave one →
  1. 5. Oktober 2020 17:56

    Ich traue mich fast gar nicht nicht zu fragen, aber… funktioniert die Serie auch, wenn man den Film nie gesehen hat?

    • donpozuelo permalink*
      5. Oktober 2020 19:35

      Tatsächlich funktioniert die auch dann ziemlich gut. Es werden immer wieder Rückblenden eingebaut, die die „Vergangenheit“ erklären. Es wird, denke ich mal, auch ohne das Vorwissen alles ziemlich gut funktionieren

  2. 28. Oktober 2020 15:39

    Steht auf der Liste. Ich komme wohl nicht umhin, diese Serie zu schauen, als alter „Karate Kid“ Enthusiast…

    • donpozuelo permalink*
      28. Oktober 2020 16:32

      Oh ja… dann MUSST du die unbedingt gucken!!!

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