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Random Sunday #39: Ghost of Tsushima

4. Oktober 2020

Für gewöhnlich bin ich bei Spielen kein Trophäen-Sammler. Was meist auch daran liegt, dass man viele Trophäen nur bekommt, wenn man wirklich jedes kleinste Bisschen aufhebt und katalogisiert. Oder noch schlimmer: Das Spiel auch noch in einem schwereren Spielgrad zocken muss. Da hört es dann für mich meist auf, da ich ein „Normal“-Zocker bin – ich will Spaß haben und die Story erleben, nicht ständig tot umfallen (deswegen werde ich auch nie eins der „Dark Souls“-Games spielen können). Wenn ich dann doch mal Trophäen sammle, liegt es daran, dass das Spiel selbst keine zu großen Anforderungen an mich stellt. Wenn dann noch die Spielwelt einfach zu schön ist, um sie nicht bis ins kleinste Detail zu erkunden, wird das Ganze noch einfacher. So darf ich nun heute ein bisschen angeben und verkünden, dass ich meine dritte Plain-Trophäe erlangt habe. Nach „Star Wars Jedi: Fallen Order“ und „Gris“ reiht sich nun „Ghost of Tsushima“ in meiner virtuellen Trophäen-Vitrine ein und ich darf mich „Living Legend“ nennen. Davon aber mal abgesehen ist dieses Spiel einfach nur ein Traum – sowohl optisch als auch erzählerisch als auch spielerisch. Es ist ein bisschen so, als hätten Tarsem Singh (unter der Inspiration von „The Fall“) und Akira Kurosawa sich zusammengesetzt und endlich das „Assassin’s Creed“-Spiel gemacht, auf das Fans schon so lange warten.

Als Spieler schlüpft man in die Haut von Jin Sakai. Der muss miterleben, wie die Mongolen unter der Führung von Khotun Khan seine kleine Insel Tsushima überrennen. Der Khan nimmt Jins Onkel Lord Shimura gefangen und Jin überlebt nur schwer verletzt seinen Versuch, den Onkel zu befreien. Aufgepäppelt wird Jin von Yuna, einer Diebin. Mit ihrer Hilfe (und der einiger anderer) setzt Jin nun alles daran, Tsushima von den Mongolen zu befreien. Dabei muss er aber gegen den Ehrenkodex der Samurai verstoßen und sich auch hinterhältiger Methoden zuwenden. Immerhin kämpft er gegen eine Übermacht, die um jeden Preis gestoppt werden muss.

Ich weiß gar nicht so recht, wo ich anfangen soll. „Ghost of Tsushima“ ist von vorne bis hinten einfach nur ein tolles Spiel. Die Story liegt genau auf meiner Wellenlänger. Wer Fan der alten Samurai-Filme eines Kurosawas ist, kommt hier voll auf seine Kosten. Jins Zerrissenheit zwischen den alten Traditionen seines Onkels und den neuen Herausforderungen der Belagerung wird unglaublich gut in Szene gesetzt. Irgendwo dazwischen wird auch noch Sergio Leone zitiert, wenn in den großartigsten Montagen Duelle eingeleitet werdet. „Ghost of Tsushima“ ist ein riesiger, interaktiver Samurai-Film, der einfach nur packend und spannend erzählt ist.

Dazu kommt ein Kampfsystem, das einfach nur Spaß macht. Irgendwann lernt man zwar auch, wie vorteilhaft es sein kann, in bester „Assassin’s Creed“-Manier Gegner heimlich zu erschlagen. Aber „Ghost of Tsushima“ ist das erste Spiel, wo mir der direkte Angriff sehr viel mehr Spaß gemacht hat als das Herumschleichen. Das liegt einfach an dem unglaublich angenehmen Kampfsystem. Für jeden Gegner (Schwert, Schild, Lanze oder Koloss) gibt es einen anderen Stand, mit dem man diese besser aus dem Konzept bringen kann. Dazu gibt es ein gutes Blockier-System und kleine Spielereien (Rauchbomben, brennendes Schwert, etc), um im Kampf besser dazustehen. Mit dem einfachen Drücken der Schultertasten wechselt man leicht die verschiedenen Positionen und kann sich so tolle Kämpfe mit seinen Gegnern liefern.

Das Ganze wird dann zusätzlich einfach in eine unglaubliche schöne Welt gesteckt, an der man sich einfach nicht satt sehen kann. Als Leitsystem durch diese Welt hat man den Wind, der einem wehend den Weg zeigt. Ob man nun durch weite Felder reitet, über Berghänge kraxelt, durch Bambuswälder schleicht – „Ghost of Tsushima“ fängt diese Welt des feudalen Japans unglaublich schön und bildgewaltig ein. Hier verweilt man nur zu gerne und steht (wenn man wie ich ist) auch einfach mal nur da und betrachtet andächtig den Sonnenuntergang. In diesem Punkt hat mich „Ghost of Tsushima“ sehr an „Red Dead Redemption 2“ erinnert – und deswegen konnte ich auch gut alle Trophäen ergattern. Weil ich einfach keine Ecke dieser Insel unentdeckt lassen wollte.

Die einzelnen Missionen sind abwechslungsreich, das Geklettere nach Schreinen oder das Verfolgen von Füchsen nach wieder neuen Schreinen etwas nervig – zumal man nicht wirklich etwas davon hat. Die wenig Steckplätze für „charms“ waren schnell belegt und irgendwann habe ich diese Fähigkeiten erweiternden Anhänge nicht mehr gewechselt. Da war mir der Skill-Tree wichtiger – und hat am Ende auch vollkommen ausgereicht.

Aber abgesehen von den repetitiven und etwas unspektakulären Mini-Missionen (wie in heißen Quellen baden gehen oder Haikus schreiben) habe ich jede Minute von „Ghost of Tsushima“ einfach nur genossen. Ein tolles Game, das ich sicherlich nicht zum letzten Mal gespielt habe.

3 Kommentare leave one →
  1. 7. November 2020 19:36

    Witzig, dass „Geklettere nach Schreinen oder das Verfolgen von Füchsen“ catcht mir gerade am allermeisten mal abgesehen vom Setting allgemein 😀 Bin so schon sehr gespannt auf das Spiel … au weh.

    • donpozuelo permalink*
      7. November 2020 21:53

      Das Spiel ist wirklich, wirklich toll… wenn du schon von den Schreinen und den Füchsen gecatcht bist, wirst du den Rest feiern.

Trackbacks

  1. Random Sunday #43: What Remains of Edith Finch? | Going To The Movies

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