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Masturbationsprobleme

30. September 2020

Ich heule jetzt noch einmal darüber, dass ich ja eigentlich überhaupt keine Zeit mehr habe, alle Serien zu schauen, die ich gerne sehen will. Ich könnte dazu noch heulen, dass ich kaum noch hinterherkomme, über all die Sachen zu schreiben, die ich schon gesehen habe. Die Watchlist wird immer länger, aber auch die Schreibliste wird immer länger. Aber zwischendurch schaffe ich es dann hier und da doch noch mal, auf eine neue Serie zu reagieren. Dabei reagiere ich vor allem immer auf die Serien, die mir von zuversichtlichen Quellen empfohlen werden. Einer meiner besten Freunde lag mir schon vor Ewigkeiten in den Ohren darüber, wie gut doch Netflix‘ „Sex Education“ sein würde. So richtig hatte ich die Serie nicht auf dem Schirm… außer, dass die gute Gillian Anderson mitspielen würde. Meine „Liebe“ für sie, die damals in jungen Jahren durch „Akte X“ entflammte, und natürlich auch die Empfehlung eines Freundes brachten mich dann mit der Sexualkunde a la Netflix zusammen.

Otis Milburn (Asa Butterfield) hat ein Problem mit dem Masturbieren… und auch mit körperlicher Nähe insgesamt. Ein schwieriges Thema für den jungen Teenager, vor allem auch deswegen, weil seine Mutter Jean (Gillian Anderson) eine bekannte Sex-Therapeutin ist. Und natürlich dreht sich auch an der Schule alles nur noch um Sex. Hier versucht Otis den Beruf seiner Mutter geheim zu halten, doch ein Schüler verrät alles… was die rebellische Maeve (Emma Mackey) zum Anlass nimmt, mit Otis Geld zu verdienen. Gemeinsam suchen sie Schüler, die Sex-Probleme haben: Maeve sucht die „Klienten“, Otis berät sie – auch wenn er selbst noch nie Sex hatte. Wie es sich gehört, verliebt sich Otis dabei in Maeve, die ist aber mit dem Star-Schwimmer der Schule Jackson (Kedar Williams-Stirling) liiert.

So… das ist eine kurze und knappe und nicht zureichende Inhaltsangabe. Voll unter den Teppich gekehrt habe ich den vielleicht besten Charakter der Serie: Otis‘ schwulen Freund Eric (Ncuti Gatwa), der selbst seinen eigenen Platz in diesem Wirrwarr aus Gefühlen finden muss. Vollkommen ignoriert habe ich dabei die herrlich schillernden Charaktere, die mit ihren teils obskuren, teils sehr nachvollziehbaren Problemen zu Otis und Maeve kommen. „Sex Education“ hat erstaunlich viel zu bieten und ist dabei sexy, ohne die ganze Zeit Brüste zeigen zu müssen.

Natürlich hat auch diese Serie das „Problem“, dass wir es hier mit einer Schule von nahezu perfekten Wesen zu tun haben. Das stört mich an diesen neuen Serien wirklich extrem. Jede Person ist attraktiv. Es gibt in diesen Welten keine „hässlichen“ Menschen. Äußerlich sind sie irgendwie alle einzigartig und perfekt… und kotz… schöne Menschen mit schmutzigen Gedanken. Aber gut, auf das verquere Körperbild einzugehen, könnte jetzt auch zu weit führen.

„Sex Education“ lebt von seinen Charakteren und herrlich skurrilen sowie sehr emotionalen Momenten. Dafür dass Otis selbst noch nie Sex hatte, besitzt er eine unendliche Weisheit über Liebe, Menschen und das Leben… da denkt man sich nach jeder Folge: „Stimmt… wieder was gelernt!“ Allerdings wirkt das nie aufgesetzt, sondern fließt natürlich mit dem Strom der Story. Letztendlich ist „Sex Education“ schon eine klassische RomCom als Serie, die brav alle Klischees des Genres abdeckt. Doch ist die Serie dabei äußerst clever und vor allem charmant… und spannend. Ich  war schon lange nicht mehr so sehr gefesselt und wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht.

Gleichzeitig reiht sich „Sex Education“ bei „Chilling Adventures of Sabrina“ ein – mit dem Motto: „Ich kann nie so ganz greifen, wo und zu welcher Zeit die Serie eigentlich spielen soll!“ „Sex Education“ spielt zwar in England, könnte aber genauso gut in den USA spielen. „Sex Education“ spielt in unserer Gegenwart mit all den Smartphones und Social-Media-Problemen, die unsere Gegenwart so mit sich bringt, aber die Klamotten, die Settings und vor allem die Musik schreit eigentlich 80er Jahre. Was ich nicht schlimm finde, ich mag gerade die Musik der 80er.

„Sex Education“ ist schon verdammt cool. Stylisch ohne Ende, mit manchmal echt bissigem Humor, einer ordentlichen Prise Sex, Liebe und Drama – eine wunderbare kleine Serie, in der auch ein Asa Butterfield umwerfend gut ist, in der eine Gillian Anderson einfach nur perfekt besetzt ist und in der wir die junge Emma Mackey in ihrer ersten Rolle sehen und ich doch nur daran denken kann, dass sie aussieht wie eine junge Version von Margot Robbie (trotzdem, sie ist auch umwerfend!!!).

Wertung: 8 von 10 Punkten (clevere Serie, die sich ziemlich gekonnt mit Sexualität und den damit zusammenhängenden Schwierigkeiten auseinandersetzt)

6 Kommentare leave one →
  1. 30. September 2020 23:03

    Ich bin bisher immer um die Serie herumgeschlichen und konnte mich nicht durchringen sie zu sehen. Vielleicht ist es ja jetzt bald mal soweit

    • donpozuelo permalink*
      1. Oktober 2020 12:46

      Die solltest du wirklich mal nachholen. Es ist wirklich eine tolle, tolle Serie. Unglaublich clever, sehr witzig, charmant, dramatisch und offen genug, einfach jedes (Sex)Thema anzusprechen. Echt super

      • 1. Oktober 2020 15:05

        Das sagst du mir natürlich genau in dem Monat, der voller Serienneuerscheinungen ist, auf die ich warte… aber ja, ich werde wohl mal versuchen es dazwischen zu schieben.

        • donpozuelo permalink*
          1. Oktober 2020 17:58

          🤣🤣🤣 sorry… aber es sind im Moment auch nur zwei Staffeln. Die passen gut zum Dazwischen-Schieben 👍

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