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Toro Fliege

23. September 2020

Wenn Quentin Dupieux einen Film rausbringt, ist das immer eine Pflichtveranstaltung. Leider sind die nicht immer unbedingt Mainstream-tauglich (Skandal, wie kann der Mainstream es nur wagen, diesen tollen Regisseur nicht mehr zu würdigen – aber gut, so bleibt mehr für uns), weswegen sie selten mehr Aufmerksamkeit bekommen. Zum Glück gibt es ja immer noch das Fantasy Filmfest (die sich trotz Corona daran gemacht haben, ihre Filme zu zeigen). Da lief auch Dupieux‘ neuer Film „Mandibules“… und mal abgesehen, dass ich ihn mir so oder so angeguckt hätte, war ich nach der Inhaltsangabe noch mehr davon überzeugt, dass ich den sehen muss.

Manu (Grégoire Ludig) soll einen einfachen Job erledigen. Er soll einen Koffer abholen, in seinen Kofferraum stecken und abliefern – dafür bekommt er dann 500 Euro. Sein Kumpel Jean-Gab (David Marsais) hilft ihm dabei. Aber erstmal braucht Manu ein Auto… das klaut er sich einfach. Als die beiden Kumpels dann aber den Kofferraum aufmachen, finden sie darin eine Fliege. Und nicht irgendeine stinknormale Fliege, sondern eine Fliege in der Größe eines Hundes. Jean-Gab will tauft die Dominique und will sie trainieren – damit sie den Freunden bei Banküberfällen helfen kann (!)…

So beginnt „Mandibules“ und führt dieses ungleiche Trio durch den Film. Und was für ein Film das ist… so wunderbar bescheuert, so wunderbar kurzweilig, so wunderbar charmant und witzig. Ja, ein Film über eine quasi Monsterfliege ist all das. Was halt viel daran liegt, dass Dominique wirklich irgendwie einfach süß ist. Wenn sie Katzenfutter frisst oder aus dem Pool säuft, könnte man fast vergessen, dass wir einer riesigen Fliege zusehen. Dupieux schafft es irgendwie aus dieser Flieger einen rührenden Charakter zu machen.

Aber bevor ich jetzt zu sehr die Fliege lobe, darf ich Grégoire Ludig und David Marsais nicht vergessen. Meine Güte, was sind die super in diesem Film. Die sind das perfekte, komplett verplante Kiffer-Duo – ohne das sie kiffen. Manu und Jean-Gab sind so herrlich simpel und naiv – man könnte sie dumm nennen, aber das sind sie nicht. Sie sind so eine verstrahlte Mischung aus „Bill und Ted“, „Beavis und Butt-Head“ und Raoul Duke und Dr. Gonzo aus „Fear and Loathing in Las Vegas“. Die Beiden haben die dümmsten Ideen, aber sie ziehen sie wenigstens mit Begeisterung durch – und hängen vor alles Wichtige (und auch Unwichtige) was sie sagen ein „Toro“ an und stoßen dann mit der „Pommesgabel“ (die hier als Stier dient) zusammen. Manu und Jean-Gab und ihrer unerschrockenen Art gegenüber Dominique ist es dann auch zusätzlich zu verdanken, dass diese große Fliege wie etwas total Normales rüberkommt.

„Mandibules“ plätschert (ohne dass das jetzt in geringster Form negativ zu werden ist) gemütlich vor sich hin. Es macht einfach so viel Spaß, diesem verrückten Trio dabei zu zusehen, wie sie irgendwie das Leben meistern (oder es zumindest versuchen). Auch die Menschen, denen Jean-Gab, Manu und Dominique begegnen, passen so unglaublich gut in dieses absurderweise nicht so absurd wirkende Szenario. Ohne zu viel zu verraten, aber die ständig schreiende Adéle Exarchopoulos ist nur eines von vielen sehr witzigen Highlights, die dieser kleine, aber so verdammt feine Film zu bieten hat.

Quentin Dupieux zementiert seinen Ruf als unglaublich kreativer Filmemacher mit „Mandibules“ weiter. Der Mann hat einfach eine besondere Gabe, diese skurrilen Stoffe mit so viel Herz und Fantasie und Komik zu füllen, dass man sie einfach lieben muss. Dieser Film macht da keine Ausnahme.

Wertung: 9 von 10 Punkten (wer hätte gedacht, dass ein Film über eine Fliege so gut sein kann???)

4 Kommentare leave one →
  1. 23. September 2020 11:05

    War wirklich ein toller Film!

    Hast du noch mehr auf dem Fantasy Filmfest gesehen? Sonst hättest du mit Palm Springs und eben diesem genau meine persönlichen Highlights erwischt.

    • donpozuelo permalink*
      23. September 2020 14:23

      Das sind genau die beiden Filme, die ich gesehen habe 😅 Palm Springs und Mandibles. Für mehr war leider keine Zeit. Aber ich bin mit dieser kleinen Auswahl mehr als zufrieden…

  2. 13. Oktober 2020 16:07

    Wenn die Fliege kein Horrorfilm geworden wäre, wäre das dabei rausgekommen? 😉

    • donpozuelo permalink*
      13. Oktober 2020 17:03

      Möglicherweise… und dann wäre es der süßeste Film aller Zeiten geworden. 😁

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