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Filmreise Etappe #48: Die Liebe des Straßenmusikers

18. September 2020

Ich mag Straßenmusiker (meistens). Es gab früher in Rostock immer einen Mann, der schob einfach mal seinen Flügel in die Fußgängerzone und spielte dort wundervolle Musik. Hier in Berlin hatte ich mal eine Gruppe, die mitten in der S-Bahn großartig Rock’n’Roll vom Feinsten gespielt haben (eines der schöneren Berliner Beispiele, oftmals hat man hier auch die Leute, die vom MP3-Player abspielen und das dann mit Trompete irgendwie so ein bisschen begleiten). Es ist auf jeden Fall immer ein Glücksfall, wenn man auf gute Straßenmusikanten stößt. In „Once“ geht es um einen guten Straßenmusiker, dessen Lied es sogar bis zu den Oscars schaffte.

Guy (nicht sein Name, sondern einfach nur die Bezeichnung des Musikers) spielt täglich auf den Straßen von Dublin. Irgendwann trifft Guy (Glen Hansard) auf Girl (Markéta Irglová). Guy findet natürlich Gefallen an Girl, die allein mit ihrer Mutter und ihrer Tochter lebt. Die Beiden kommen sich über die Musik näher, er spielt ihr seine Songs vor, sie überrascht ihn am Klavier und zusammen nehmen die Beiden sogar ein Album auf. Doch dann ist da auch immer noch Girls Mann in Tschechien und Guys Ex in London – alles nicht so einfach.

„Once“ ist einer dieser Low-Budget-Filme, dem man anmerkt, dass er mit sehr wenig Geld, aber mit sehr viel Liebe gemacht wurde. Das wurde wirklich auf den Straßen von Dublin gedreht, der Regisseur John Carney drehte in Häusern und Wohnungen von Freunden. Das Ganze hat schon ein bisschen Guerilla-Stil. Die Aufnahmen auf der Einkaufsstraße sind verwackelt, mal etwas weiter weg – damit die Kamera die Leute nicht zu sehr anzieht oder gar verschreckt. „Once“ wirkt in seiner Machart ein bisschen wie das Erstlingswerk eines ambitionierten Filmstudierenden, was aber keinesfalls etwas Negatives ist.

Negativ zu bemerken wäre vielleicht das schwache Drehbuch. Denn so richtig in Gang kommt das Ganze nicht so wirklich. Es ist mehr eine Aneinanderreihung von Musik-Inszenierungen und ein Bild von Dublin, was uns hier gezeigt wird. Zum Glück für Carney hat er aber zwei Dinge, die das lahme Drehbuch so dermaßen aufwerten, dass es einem am Ende gar nicht mehr so sehr stört.

Zum einen sind das seine beiden Hauptdarsteller: Glen Hansard und Markéta Irglová. Die Zwei haben eine wirklich gute Chemie (sie waren nach den Dreharbeiten tatsächlich ein Paar). Hansard strahlt diese innere Zerrissenheit, diese Verzweiflung des Liebes geplagten Sängers wirklich gut aus. Jedes Lied schreit förmlich nach seiner Ex und irgendwie verkörpert er das wirklich gut. Es ist schwer, das in Worte zu fassen, aber wenn man es gesehen hat, versteht man seine (künstlerischen) Schmerzen. Und Markéta Irglová ist – so wie sie es für den Film ja auch sein soll – ein Sonnenschein, der sich an einem regnerischen Tag durch die Wolken kämpft. Das Schöne an dieser Beziehung ist, dass sie so wunderschön unschuldig rüberkommt. Irglovás Girl ist aber auch so herzerfrischend, dass man Guy durchaus verstehen kann, dass er sich in sie verliebt.

Zum anderen haben wir dann die Musik in „Once“. Hansard ist Sänger und Gitarrist in der irischen Rockband „The Frames“ und gemeinsam mit Irglová spielt er auch als „The Swell Season“… und dass die Beiden Vollblutmusiker sind, spürt man mit jeder Note. Es ist gut, dass Carney auf Cillian Murphy, den er zuerst in der Hauptrolle haben wollte, verzichtete. So einen Film wie „Once“ kannst du nur mit echten Musikern machen – dann wirkt das alles auch echt. Hansard hat aber auch wirklich ein Organ, das sich wirklich hören lassen kann. Der kommt teilweise in Höhen – unglaublich. Wenn er dann auf der Straße spielt, wäre er definitiv die Art von Straßenmusiker, für die ich anhalten würde. Irglová gibt dem Ganzen das Sanfte und das wunderschöne Klavier… es wundert mich also nicht, dass der Song „Falling Slowly“ es zu einer Oscar-Nominierung geschafft hat. Es ist wirklich ein wunderschöner Song.

„Once“ zelebriert die Musik und ein wunderbares Leinwandpärchen… ein Film, dessen Soundtrack alles andere fast schon überstrahlt.

Wertung: 7 von 10 Punkten (der Soundtrack ist spitze… und federführend für den ganzen Film)

4 Kommentare leave one →
  1. 18. September 2020 08:23

    Ohhhh, das ist einer der Filme, die mich emotional so komplett gepackt haben. Vermutlich auch durch die schöne Musik. Fand ich ganz, ganz famos. Auch dass es kein klassisches Happy End gab, was ich durchaus unkonventionell fand.

    • donpozuelo permalink*
      18. September 2020 17:50

      Dass es kein klassisches Happy End gibt, fand ich auch echt gut. Es war trotzdem ein sehr schönes Ende. Und ja, die Musik ist einfach toll.

  2. 10. Oktober 2020 15:21

    Wunderbar, leichtes Werk voller musikalischer und erzählerischer Poesie. Mehr muss ich gar nicht sagen… 🙂

    • donpozuelo permalink*
      11. Oktober 2020 17:30

      Musst du nicht 😀 Das ist wirklich ein sehr leichter, schöner Film mit toller, toller Musik.

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