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Und täglich grüßt die Hochzeitsfeier…

16. September 2020

Alle Jubeljahre kommt ein Film daher, den man automatisch als „Oh, das ist ja wie ‚Und täglich grüßt das Murmeltier‘“ bezeichnet… und jedes Mal schwingt mit so einer Aussage auch leichte Skepsis mit (geht mir zumindest immer so). Immerhin ist Harold Ramis Film mit Bill Murray einfach ein perfekter Klassiker. Aber die Idee mit der Zeitschleife ist auch einfach zu verlockend, um sie nicht öfter mal auszuprobieren. Von „Source Code“ über „Edge of Tomorrow“ oder zuletzt (2017) „Happy Deathday“ – es gibt immer wieder die Filme, die man mit Ramis‘ Film in Verbindung bringt. Meist aber nur, weil sie eben das Konzept der Zeitschleife irgendwie verarbeiten. Jetzt habe ich auf dem Fantasy Filmfest einen Film gesehen, der etwas näher an „Groundhog Day“ heranrückt… „Palm Springs“ mit Andy Samberg und Cristin Milioti.

Nyles (Samberg) ist in einer Zeitschleife gefangen. Jeder Tag ist für ihn immer wieder der neunte November, die Hochzeit einer Freundin seiner Freundin Misty (Meredith Hagner). Dabei lernt Nyles die Schwester der Braut, Sarah (Milioti) kennen, die leider aus Versehen ebenfalls in der Zeitschleife landet – und das nur wegen Roy (J.K. Simmons), der wegen Nyles ebenfalls in dieser Zeitschleife steckt und hin und wieder mal wütend Jagd auf Nyles macht. Nun ist Nyles also nicht mehr allein auf der Hochzeit, sondern hat Sarah an seiner Seite, der er nun zeigen kann, was man so alles machen kann, wenn man nichts zu verlieren hat.

Klingt schon sehr nach „Groundhog Day“, oder? Nur halt so, als ob Bill Murray auch noch Andie MacDowell mit in seiner Zeitschleife gehabt hätte. Wie man es nun bereits kennt, durchläuft Cristin Miliotis Sarah die gleichen Phasen des Zeitschleife-Reisens wie einst ein Bill Murray. Erst kommt sie gar nicht klar, dann hat sie ihren Spaß, irgendwann versucht sie, einen Sinn dahinter zu finden und dann einen Ausweg. Wenn man halt wirklich unfair sein möchte, würde man sagen, „Palm Springs“ macht mit dem Konzept nicht wirklich was Neues. Aber das wäre halt wirklich unfair – klar, die Idee ist nicht neu und wird von Drehbuchautor Andy Siara auch nur leicht umgeändert – halt mit der Tatsache, dass Nyles schon zu Beginn des Film gefangen ist (quasi so, als wäre „Palm Springs“ die Fortsetzung zu einem Film, den wir nicht gesehen haben) und dass Sarah jemanden hat, der ihr diese Welt erklärt, anstatt dass sie sie selbst „erkunden“ muss.

„Palm Springs“ hat aber das Glück, a) auf der einen Seite einfach herrlich unkompliziert zu sein und b) einen perfekten Cast für diese Art von Film zu haben. Mit „unkompliziert“ meine ich jetzt nicht, dass dieses Zeitschleifen-Zeug kompliziert ist, sondern dass der Film wunderbar leicht mit all dem umgeht. Wir erleben weniger Zeitsprünge als bei Murray, dafür geht der Film ein bisschen mehr in die Tiefe und lotet seine Charaktere besser aus. Schlussendlich ist „Palm Springs“ in seinem Kern einfach eine RomCom… und eine kurzweilige und unterhaltsame dazu.

Das alles funktioniert einfach super, weil die Besetzung einfach wie Arsch auf Eimer passt. Andy Samberg, mein Held seit „Brooklyn Nine-Nine“, ist der perfekte Zeitschleifen-Slacker: mit seinem Hawaii-Hemd, dem ständigen Trinken von Bier aus Dosen und seiner lockeren Art. Er ist die Art von Zeitschleifen-Held, der sich eigentlich schon irgendwie mit seiner Lage abgefunden hat, der einfach versucht, irgendwie das Beste daraus zu machen. Erst Sarah wirft seine neue Normalität über den Haufen. Womit wir dann mal zu Cristin Milioti kommen… und meinem neu aufgekommenen Ärger gegenüber „How I Met Your Mother“. Wie diese Serie Milioti einfach zu einem Nebencharakter degradieren konnte, verstehe ich nicht… und nach „Palm Springs“ noch weniger. Diese Frau ist so gut, so sympathisch. Ob sie komplett ausrastet, sich ihrem Schicksal ergibt, deprimiert ist oder dann doch kämpfen will – ihre Sarah ist wunderbar. Milioti stiehlt damit auch Samberg ein wenig die Show und zeigt, wie viel cooler eine finale Staffel HIMYM gewesen wäre, wenn sie wirklich mal im Vordergrund gestanden hätte.

Aber gut… das ist nun auch in der Vergangenheit. Auf jeden Fall funktioniert das Duo Milioti-Samberg verdammt gut und trägt den Film locker-leicht durch seine 90 Minuten. Das hat den Film wirklich sehr aufgewertet.

Wertung: 8 von 10 Punkten (dank eines tollen Leinwandpärchens eine amüsante Liebeskomödie mit Zeitreise-Kniff)

10 Kommentare leave one →
  1. 20. September 2020 09:33

    Frau Millioti war einfach zu gut für eine von Anfang an vorgesehene Nebenrolle. Hätte man besser lösen können, aber HIMYM bliebt grandios.

    • donpozuelo permalink*
      21. September 2020 07:53

      Es ist schon eine tolle Serie. Das will ich gar nicht abstreiten. Aber was sie mit der eigentlichen Mutter gemacht haben, wie sie das in der letzten Staffel gelöst haben, stört mich nach wie vor.

      • 21. September 2020 14:08

        Ich weiß nicht, wie sie es viel besser hätten machen sollen, so schon war die Mutter zu beliebt, um sie schnell sterben zu lassen, was von Anfang an der Plan der Serie war.

        • donpozuelo permalink*
          22. September 2020 09:27

          Ach echt? Okay, das wusste ich gar nicht. Ich hätte mir wenigstens schon so eine Staffel oder auch ne halbe Staffel zwischen der Mutter und Ted gewünscht.

        • 22. September 2020 10:29

          Wäre im nachhinein vielleicht besser gewesen, aber die Kritik mit dem Ende hab ich nie nachvollziehen können.

        • donpozuelo permalink*
          22. September 2020 17:12

          Ich fand’s einfach irgendwie komisch, dass die Mutter nur so kurz vorkam und dann am Ende schnell wieder auf Tante Robin umgelenkt wurde. Hätten sie einfach mehr von der Mutter selbst gezeigt, statt sie in so einer 5 Minuten Montage abzufrühstücken, hätte ich damit auch besser leben können.

        • 22. September 2020 19:18

          Wie gesagt die Kritik konnte ich schon nachvollziehen, aber das Ende an sich war schon das beste. Die Mutter hätte man gerne mehr zeigen können

        • donpozuelo permalink*
          22. September 2020 19:28

          Sie haben schon das Beste draus gemacht. Ich habe die Serie vor kurzem nochmal geguckt und da fand ich das auch okay. Aber damals beim ersten Mal war ich schon ein wenig enttäuscht

    • 23. September 2020 11:06

      Die letzten beiden Staffeln von HIMYM waren dann komplett zum weglaufen… da war das Finale noch das beste dran.

      • donpozuelo permalink*
        23. September 2020 14:24

        Barneys und Robins Hochzeit war auch nicht so unbedingt mein Ding, da gebe ich dir Recht.

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