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Neue Mutanten braucht das Land (?)

14. September 2020

Es ist tatsächlich so weit. Unglaublich. 2017 gab es den ersten Trailer zu „The New Mutants“, dann fiel der Film immer wieder durchs Raster, wurde immer wieder verschoben und nochmal verschoben, um dann doch ausgerechnet zu Corona-Zeiten in die Kinos zu kommen. Doch damit hört ja die Odyssee des neuen X-Men-Films nicht auf: Regisseur Josh Boone bekam damals völlige Narrenfreiheit, nachdem sein „The Fault in our Stars“ ja so durch die Decke ging. Das Drehbuch schrieb er erst selbst, dann wurde es zig mal überarbeitet. Selbst kurz vorm Start der Dreharbeiten wurde da noch dran gewerkelt, bis man sich schließlich sagte: „Okay, mach halt einfach mal!“ Das fertige Projekt war Fox dann aber doch zu viel, man überlegte schon, alles neu zu drehen, ließ es dann doch sein, als man eh gerade damit beschäftigt war, von Disney aufgekauft zu werden. „The New Mutants“ wurde hin und her geworfen… und war gefühlt schon von Anfang an verflucht. Ein Schicksal, das man dem fertigen Film anmerkt – steckt da doch viel Potenzial drin, aber leider auch vieles, was einfach nicht so gut funktioniert.

Die junge Dani (Blu Hunt) überlebt eine Katastrophe, die ihr komplettes Reservat zerstört. Als sie aufwacht, befindet sie sich unter der Obhut von Dr. Reyes (Alice Braga), die eine Art Anstalt leitet, in der junge Mutanten auf ihr Leben mit Fähigkeiten vorbereitet werden. So trifft Dani auf die schüchterne, aber neugierige Rahne (Maisie Williams), die kühle Aufwieglerin Illiyana (Anya Taylor-Joy), den reichen Schönling Roberto (Henry Zaga) und den stillen „Hillbilly“ Sam (Charlie Heaton). Jeder der jungen Mutanten hat Schwierigkeiten mit seinen Fähigkeiten klar zu kommen… doch das wird alles nur schlimmer, als plötzlich ihre schlimmsten Ängste wahr werden und sie heimsuchen.

„The New Mutants“ wurde uns ganz zu Beginn als Horror-Film verkauft. Als Horror meets „The Breakfast Club“. Das mit dem Frühstücksclub stimmt, das mit dem Horror leider überhaupt nicht. Obwohl alle Möglichkeiten da sind, schafft es Boone einfach nicht, diese alte, verlassene Anstalt unheimlich wirken zu lassen. Die Alpträume und Visionen der jungen Mutanten erschrecken einen nicht wirklich, weil es Boone einfach nicht gelingt, das richtige Timing und die richtige Atmosphäre aufzubauen. Was echt schade ist, denn mit dem Cast und dem Setting hätte „The New Mutants“ das wirklich gut hinkriegen können. So dümpelt dieser Horror-Aspekt des Films leider ziemlich schwach daher.

Die große Stärke von „The New Mutants“ liegt aber in seinen Charakteren. Was mich dabei am meisten… ja schon fast schockiert hat, ist die Richtung, in die Boone mit den Hintergrundgeschichten der einzelnen Charaktere geht. Illiyana träumt immer wieder von der Zeit, als sie von mehreren Männern als kleinen Kind missbraucht wurde (dementsprechend wird sie in ihren Visionen auch von ekligen Monstern verfolgt, die vom Kopf abwärts an Viggo Mortensen russischen Mafiosi aus „Eastern Promises“ erinnern und deren Köpfe durch „unheimliche“ Grinsemasken versteckt sind). Rahne wurde von ihrem Pfarrer als Hexe gebrandtmarkt und auch die beiden Jungen haben tragische Backstories.

Der Zusammenhalt innerhalb der Gruppe funktioniert ziemlich gut. Boone überträgt das „Breakfast Club“-Schema gut auf seine Mutanten – inklusive der Tänze und der einzelnen Offenbarungen, die alle dann mehr und mehr zu Freunden werden lässt. Richtig überzeugt hat mich in diesem Film vor allem Maisie Williams, die wirklich am stärksten von allen aufspielt und dabei sehr schön die Arya Stark von sich ablegt. Auch die aufblühende Liebe zu Dani wird von Boone wunderschön leicht und subtil in Szene gesetzt. Alle Darsteller wachsen wunderbar in ihre Rollen rein – einzig und allein Hauptdarstellerin Blu Hunt brauchte in meinen Augen etwas länger als andere.

So ist „The New Mutants“ zwischendurch ein schönes Coming-of-Age-Drama, in dem sich Boones Stärken für Teenie-Dramen zeigen. Leider wird das Ganze eben durch diese nicht sonderlich gut funktionierenden Horror-Einschübe immer wieder etwas durcheinander gebracht… und wenn es am Ende zu einem übertriebenen und sehr CGI-lastigen Finale kommt (welches auch nur eingesetzt wurde, damit wir noch mal alle potenziellen X-Men in Aktion sehen), ist es schon fast schade, dass man sich das nicht einfach gespart hat.

Wie gesagt, man merkt dem Film sein Potenzial, aber eben auch seine Schwierigkeiten an… somit verabschieden sich die X-Men etwas unspektakulär in ihr Ende und wir warten nun alle mehr oder weniger gespannt darauf, wie sie das wohl alles ins MCU eingliedern wollen.

Wertung: 5 von 10 Punkten (die Charaktere sind stark und interessant, die Story und die Aufmachung leider überhaupt nicht)

7 Kommentare leave one →
  1. 14. September 2020 11:06

    Ja mensch, das war fast schon zu erwarten. Die ganzen Jahre ging es doch schon darum, dass er gesoftet werden sollte und genau das haben sie dann auch gemacht. Ich glaube nicht, dass das ursprünglich so gedacht war. Schade. Jetzt habe ich gar keine Lust mehr reinzugehen.
    Toro-traurig.

    • donpozuelo permalink*
      14. September 2020 12:45

      Toro sehr traurig (Mandibles war schon ein toller Film, oder? 😅).

      Ach, da ist schon von Anfang an einfach alles schief gelaufen und sie haben es einfach mit nichts mehr retten können. Somit wundert es mich umso mehr, warum sie New Mutants nicht direkt auf Disney+ haben versauern lassen… aber gut, dafür sind die Hibtergrundgeschichten der einzelnen Charaktere nicht familientauglich.

  2. 14. September 2020 13:04

    Ich werde mir den morgen angucken, aber das klingt dann doch sehr unausgegoren. Die Orientierung an Breakfast Club klingt jedoch gut, aber dann passt es mit dem Horror eher selten, bin Mal gespannt

    • donpozuelo permalink*
      14. September 2020 14:10

      Wie gesagt, Teile des Films funktionieren ganz gut, andere leider so gar nicht. Bin gespannt, was du dazu sagen wirst.

  3. 14. September 2020 13:05

    Ich hab ehrlich gesagt eine viel größere Katastrophe erwartet und war dadurch positiv überrascht. Das der Horror klein gehalten wurde, kam mir als Schisser zwar gelegen, aber hier wurde tatsächlich viel Potential verschenkt. Sehr schade

    • donpozuelo permalink*
      14. September 2020 14:11

      Ich hatte auch etwas sehr viel Schlimmeres erwartet. Aber ja, sehr schade, was hier teilweise verschenkt wurde. Das hätte wirklich mal ein ganz anderer Comicfilm werden können.

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