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Random Sunday #38: On a sunbeam

13. September 2020

Früher habe ich fast nur Superhelden-Comics gelesen, irgendwann wurde mir das zu langweilig und eintönig und ich stieg um. Zum Glück war das so die Hochphase von Image Comics, die sich ja ohnehin auf die Fahne geschrieben hatten, mal im Comic-Bereich auch was anderes zu bieten. Independent Comics wurden immer größer und immer beliebter. Das Internet half vielen Autoren und Zeichnern, ihre Ideen zu verbreiten und so wurde auch das Comic-Lesen an sich angesehener – gerade weil es nicht immer nur um Superhelden ging. Auch heute noch durchstöbere ich gerne Comic-Läden und Comic-Bestenlisten, um mal was ganz anderes zu finden. So bin ich dann auch auf Tillie Walden und „On a sunbeam“ gestoßen. Ursprünglich veröffentlichte Walden das Ganze als Webcomic, bevor daraus eine Graphic Novel wurde… die wirklich verdammt gut ist.

Die Geschichte spielt irgendwann irgendwo im All. Die Crew eines Raumschiffes (das wie ein Fisch aussieht – so wie alle Raumschiffe in dieser Welt) reist durchs All und repariert alte Strukturen, die durch was auch immer zerstört und nun wieder verwendet werden sollen. Die Frauen verrichten ihre Arbeit schon lange gemeinsam und sind dabei zu einer richtigen kleinen Familie geworden. Bis Mia in diese Familie eingeführt wird. Wir als Leser und auch die Crew des Schiffes erfahren nur nach und nach, was Mias wahrer Grund ist, an Bord zu sein. An ihrer Schule lernte sie nämlich die junge Grace kennen und verliebte sich in sie. Doch Grace stammt vom mysteriösen The Staircase, ein Ort im All, der mehr Geheimnisse und Rätsel birgt, als wir ahnen können. Eines Tages muss Grace abreisen und Mia bleibt zurück… nun ist sie auf der Suche nach ihr.

Die Welt von „On a sunbeam“ ist so faszinierend wie komplex wie verwirrend. Walden erzählt uns nicht wirklich viel über diese Welt. Dennoch baut sie sie so faszinierend geheimnisvoll auf, dass man nicht anders kann als sie zu bestaunen. Die Strukturen, die das Team wiederaufbaut, sind teilweise alte Bürogebäude, die – warum und wieso auch immer – im All schweben. Alte Häuser auf Felsbrocken, ganze Anlagen, es ist verwirrend, aber Walden zeichnet das alles so detailliert, dass man gerne in diese Verwirrung eintaucht. Man erfährt hier und da ein bisschen was, aber nie wirklich viel.

Warum sind die Raumschiffe alles Fische? Wie funktioniert diese Welt, in der wir nur diese Restauratorinnen kennenlernen? Was hat es wirklich mit diesem unbekannten Gebiet des Universum auf sich, dass hier alle The Staircase nennen? Walden wirft mehr Fragen auf, als das sie Antworten liefert. Aber genau darin liegt irgendwie auch das Geniale in ihrer Story…

Sie schafft es, den Hintergrund ihrer Geschichte interessant werden zu lassen, ohne das sie sich groß weiter darum kümmern muss. Es reicht das Mysteriöse, um den Leser gefangen zu halten. Wirklich gefesselt wird er eh durch die Geschichte von Mia und der Frauen, mit denen sie unterwegs ist. Walden geht mit ihren Charakteren unglaublich liebevoll um und man hat als Leser selbst irgendwann das Gefühl, Teil dieser Familie zu sein. „On a sunbeam“ liefert uns dabei einen Cast an Figuren, die unterschiedlich und auch divers sind. Ein Mitglied identifiziert sich als non-binary. Tillie Walden, die selbst lesbisch ist, baut diese Themen aber zum Glück vollkommen natürlich in die Geschichte ein. „On a sunbeam“ ist jetzt kein Pamphlet für Diversität, sondern ein Appell. Hier wird nicht gepredigt oder gar die Identität oder sexuelle Orientierung in den Vordergrund gestellt, weil das gerade „in“ ist.

Nein, Waldens Charaktere sind absolut natürlich und gliedern sich wunderbar in diese herrliche absurde Welt ein. Dazu ist die Geschichte von Mias Suche nach Grace einfach unglaublich emotional und schön erzählt. Es ist ein Coming-of-Age-Drama in den Rückblenden, wenn wir Mia und Grace an ihrer Schule sehen und wird zu einem aufregenden Space-Abenteuer, wenn Mia sich auf unbekanntes Territorium begibt, um Grace wiederzufinden.

Anfangs war ich mir bei „On a sunbeam“ nicht so sicher, ob mir der Stil gefällt, aber Tillie Walden zeichnet gerade das All so wunderschön abstrakt, dass man davon Abzüge machen und diese einrahmen könnte. Es ist gerade auch Waldens farbenprächtigen und Formen zerstörendem Stil zu verdanken, dass man dieses Universum förmlich inhaliert.

„On a sunbeam“ ist wirklich ein packender Comic – visuell beeindruckend und erzählerisch sehr bewegend.

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