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Verfluchte Polizei-Gewalt

9. September 2020

Man könnte fast meinen, dass dieser Artikel jetzt ein politischer werden wird. Immerhin ist das Thema Polizei-Gewalt gerade in aller Munde. Die Taten in den USA sind erschreckend, vor allem deswegen, weil sie leider nichts Neues sind. Aber ich möchte mich damit gar nicht auch noch hier auf meinem Blog beschäftigen… dennoch passt es zu diesem Film, von dem ich euch jetzt dringend abraten möchte. Schließlich hat „Body Cam“ von Regisseur Malik Vitthal Polizei-Gewalt als großes Thema. Und man möchte meinen, dass er nun – durch die aktuellen Ereignisse – noch mehr Relevanz bekommt. Aber nein, das bekommt er nicht. „Body Cam“ hat nur irgendwie das „Glück“ wegen Corona verschoben worden zu sein und jetzt erst in die Kinos zu kommen. Doch als große Anklage auf Polizei-Gewalt funktioniert das Ganze nicht. Vorher schlaft ihr dabei ein.

Die Polizistin Renee (Mary J. Blige) kehrt in den Dienst zurück, nachdem sie erst ihren Sohn verloren und später im Dienst einen Passanten geschlagen hat. Sie wird mit dem Rookie Danny (Nat Wolff) auf Streife geschickt. Dabei stoßen sie auf einen verlassenen Polizeiwagen und findet später den auf übelste Art und Weise verstümmelten Körper des Cops. Die Aufnahmen seiner Kamera zeigen, wie eine unsichtbare Kraft ihn in die Luft warf… und eine mögliche Zeugin. Die identifiziert Renee schon bald als die Mutter eines Jungen, der von Polizisten erschossen wurde.

Meine Güte, „Body Cam“ geht nur anderthalb Stunden, fühlt sich aber an wie drei. Dieser Film kriecht mit einem Schneckentempo voran, das wirklich frustrierend ist. Vitthal hat keinerlei Gespür für Timing oder sein Thema. Es gibt einmal in diesem Film kurz einen wütenden Mob von Leuten, die Renee und Danny Schwierigkeiten machen. Ansonsten ist das Thema abgearbeitet und auch nie wieder so wirklich relevant für den Film.

Noch schlimmer ist aber das Timing in diesem vermeintlichen Horror-Film. Es gibt eine Sequenz, in der Renee und Danny das Haus der Zeugin untersuchen… und es passiert 15 Minuten lang einfach mal gar nichts. Es ist alles einfach nur stockdunkel, so dass man kaum was erkennt. Der Streifzug durchs Haus hat auch einfach nichts gruseliges an sich. Selbst wenn man dann mal hinter Renee einen unnatürlichen Schatten sieht, wird daraus nicht wirklich was gemacht.

So wie diese Sequenz zieht sich der ganze Film. Es wird mal ein bisschen mit billigen „Oh guck mal, da ist ein Schatten. Oh nein, jetzt ist er wieder weg“-Momenten gespielt und das war’s. Hat Vitthal jemals auch nur einen Horror-Film gesehen? Zu wirklich keinem einzigen Moment kommt in „Body Cam“ auch nur ein Augenblick Spannung auf. Man schreckt höchstens mal kurz hoch, weil 15 Minuten lang nichts passiert und es dann ein lautes Geräusch gibt. Nicht einmal Jump Scares kann dieser Film.

Zu der Tatsache, dass in „Body Cam“ einfach keine Atmosphäre von Spannung oder Anspannung aufkommt, gesellt sich noch erschwerend das dumme und schlecht geschriebene Drehbuch und die Darsteller, die sich extrem schwer damit tun, zu schauspielern. Das Skript selbst fühlt sich an wie eine schlechtere Episode von „Akte X“ – vor allem, wenn man die große Auflösung am Ende erfahren hat (die nicht sonderlich spektakulär ist, da man eh alles eigentlich schon sehr früh weiß). Sprich, man hätte die ganze Story auch in 42 Minuten erzählen und uns Zeit ersparen können.

Ganz schlimm finde ich aber Mary J. Blige und auch ihre Darsteller-Kollegen. Ich kannte Blige bislang nur als Sängerin (eine Rolle, in der sie mir sehr viel besser gefällt als in diesem Film). Aber meine Güte, kann diese Frau nicht schauspielern. Also eigentlich muss sie es können, immerhin war sie sogar für den Film „Mudbound“ für den Oscar als beste Nebendarstellerin nominiert. In „Body Cam“ merkt man davon aber nichts. Da hat sie die Mimik eines Botox-Fans. Egal, was ihr gerade geschieht, egal, worüber sie gerade nachdenkt, ihre Emotionen bleiben gefühlt immer die Gleichen.

Nat Wolff, von dem ich die ganze Zeit ausging, es wäre der Schauspieler aus „Hereditary“, bis ich dann lernte, dass das sein Bruder Alex Wolff gewesen ist, spielt sehr merkwürdig. Erst nach der „Offenbarung“ des Films macht das ein wenig mehr Sinn… aber bis dahin nervt der Junge einfach nur.

„Body Cam“ ist einfach kein guter Film. Für ein vermeintliches Polizei-Drama, was er irgendwo auch sein möchte, kümmert er sich zu wenig um das Drama an sich. Das Thema der Polizeigewalt ist hier nur Mittel zum Zweck. Für einen Horror-Film ist „Body Cam“ einfach viel zu lahmarschig, langweilig und uninspiriert. Dieser Film ist einfach nur pure Zeitverschwendung… die seiner Schauspieler und die seiner Zuschauer.

Wertung: 2 von 10 Punkten (wow, ich wäre bei diesem Film wirklich beinah eingeschlafen)

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