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Filmreise Etappe #46: Rebellischer Tänzer

4. September 2020

Von den drei großen Tanzfilmen der 80er Jahre (und korrigiert mich, falls es doch noch weitere „große“ Tanzfilme gibt, die ich jetzt unterschlage), habe ich bislang immer nur „Dirty Dancing“ gesehen. Auf der Liste von Filmen, die ich mir irgendwann mal anschauen könnte, wenn ich die Lust und die Zeit dazu habe, standen die anderen beiden: „Flashdance“ und „Footloose“. „Footloose“ rückte irgendwann ein bisschen höher auf dieser Liste, als der große Held Kevin Bacon plötzlich ein Gag in „Guardians of the Galaxy“ wurde und später in „Infinity War“ wieder Erwähnung fand. Offensichtlich hat „Footloose“ etwas, dass er so in die Popkultur aufgenommen wurde. Da wurde es einfach mal Zeit zu schauen, was für ein großer Held Kevin Bacon wirklich ist.

Reverend Shaw Moore (John Lithgow) verlor vor einiger Zeit seinen Sohn bei einem Autounfall. Die Schuld dafür gibt der Geistliche, der bösen, bösen Rockmusik und der damit einhergehenden Versuchung durch Alkohol und Drogen. Deswegen sorgt der gute Mann dafür, dass in dem kleinen Städtchen Bomont das Tanzen tabu ist. Ein Tabu, dass der junge Rebell Ren McCormack (Kevin Bacon) nicht hinnehmen will. Er freundet sich mit der Tochter des Reverend Ariel (Lori Singer) an und gemeinsam mit ihr und seinem besten Freund Willard (Chris Penn) will er einen Tanzabend veranstalten… ein heikles Thema, in der Stadt, in der der Spaß verboten wurde.

Okay… ab jetzt muss ich mich vorsichtig ausdrücken und mich ganz behutsam vortasten, denn normalerweise kriegt man mich ja mit diesen 80er Jahre Teenie-Filmen immer. Solange die Musik passt und diese ganzen Teenies so eine naive Unschuld ausstrahlen, die heute irgendwie nicht mehr auf Film einfangbar ist, sind solche Filme eigentlich genau was für mich. Aber dem aufmerksamen Leser unter euch wird das „normalerweise“ schon aufgefallen sein…

Die Musik ist spitze. Kenny Loggins‘ „Footloose“ ist ja sowieso schon ein Klassiker. Was ich nicht wusste, war, dass auch Bonnie Tylers „Holding Out For a Hero“ dem Soundtrack für „Footloose“ entsprungen ist. Tatsächlich die richtige Hymne für einen großen Helden, der sich den Widrigkeiten in den Weg stellt und für das Gute kämpft. Die Musik ist, wie schon gesagt, spitze. Klassischer 80ies Kram, gefällt mir. Kann ich gut mit leben, kann ich gerne hören.

Doch damit hört das richtig große Gefallen schon auf. Die Tanzeinlagen waren… nun ja… irgendwie etwas komisch. Bacons Breakdance-Turnübungen wirken… lustig. Und ein wenig absurd. Ja, es sind rhythmische Bewegungen und da steckt sicherlich auch viel Arbeit hinter, aber es hatte viel Fremdschäm-Potenzial. Auch die restlichen Tanzsequenzen, in denen Breakdance, Line Dance und allgemein rhythmisches Bewegen zu einer Masse verbunden wird, wirkte manchmal einfach etwas befremdlich. Es war cool, weil die Musik cool war, aber ich weiß auch nicht… das war nicht so meins. Sorry…

Dazu kommt die etwas flache Story. Da hat sich schon jemand ganz schön viel Bullshit aus der Nase gezogen, um zu der Story zu kommen. Ich meine, Respekt… das muss man erst einmal schaffen, es sogar noch halbwegs glaubwürdig zu erklären, warum in einer Kleinstadt in den USA das Tanzen verboten ist. Das geht mit Religion natürlich am besten… obwohl ich es dann auch schon wieder sehr geil finde, dass Kevin Bacon dann mit Tanzzitaten aus der Bibel diesen Fall für sich gewinnen kann. Mit den eigenen Waffen geschlagen, was für ein Held!!!

Trotzdem ist diese Story extrem langgezogen. Des Paters Wandel kommt nie so wirklich gut  rüber, egal wie sehr sich John Lithgow auch anstrengt. Der „Rebel Without A Cause“-Part steht Kevin Bacon ganz gut (es gibt sogar ein Chicken-Race!!!), allerdings habe ich ihm auch nie die Liebesgeschichte mit Lori Singer abgekauft. Daran ist aber ihr Charakter Ariel Schuld: Ihre „Ich bin die Tochter des Pfarrers und deswegen so super rebellisch“-Motivation hätte funktionieren können, hat sie aber in meinen Augen nicht. Und statt uns einfach nur coole Musik, cool(ere) Moves und Teenies zu geben, schlagen wir uns viel mit den Schuldgefühlen der Erwachsenen herum, was den Film in die Länge zieht und ein bisschen langweilig ist.

Aber hey, es ist Kevin Bacon, der Held der Erde… und das ist wirklich schon ein bisschen cool.

Wertung: 6 von 10 Punkten (hat jemand das Remake gesehen und kann es empfehlen oder davon abraten???)

7 Kommentare leave one →
  1. 4. September 2020 10:54

    Die Musik ist Klasse, aber sonst ist der echt nicht gut gealtert. Aber diese Traktorszene, wo Bonnie Tyler drauf liegt, hat sich in meine Patina eingebrannt. Das Remake ist dasselbe in noch schwächer, da der Nostalgiefaktor abgeht.

    • donpozuelo permalink*
      4. September 2020 11:15

      Okay… sehr gut. Ich sehe das also nicht allein nur so. Da bin ich ja ein wenig beruhigt.

      Der Film hat schon viele Szenen, die sich einbrennen. Und vieles davon funktioniert gerade durch den tollen Soundtrack.

      • 4. September 2020 12:18

        Viele dieser Soundtrack Filme haben allerdings sonst nicht viel zu bieten, da ist der tatsächlich noch einer der besseren.

  2. 4. September 2020 11:23

    Von den „großen Drei“ habe ich bisher tatsächlich… äh… keinen gesehen. Ich kenne nur diesen Auftritt von Kevin Bacon bei Jimmy Fallon: https://youtu.be/VEoz6nJHSiA

    • donpozuelo permalink*
      4. September 2020 22:15

      Hahaha… ja, der Auftritt ist echt super.

  3. 6. September 2020 01:54

    Ich muss gestehen, dass die „drei großen Tanzfilme“ der Achtziger von mir wahrgenommen wurden – war ja auch schwer den Hype damals völlig zu ignorieren, aber angesehen habe ich sie nie. War und ist auch nie meine Musik gewesen, bei keinem der Filme und auch ansonsten ein Nogo für mich.
    Flashdance bringe ich nur mit den Gremlins in Verbindung und Footloose war super besetzt – Punkt :))

    • donpozuelo permalink*
      6. September 2020 13:24

      Flashdance habe ich auch nie gesehen, aber seit ich weiß, dass ihre große Tanznummer in Wirklichkeit von einem Mann getanzt wird, ist der Zauber da irgendwie weg. 😅

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