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Abtauchen mit Lovecraft (?)

2. September 2020

Es ist schon faszinierend, dass mehr Menschen auf dem Mond gewesen sind als am tiefsten Punkt der Erde. Die Tatsache, dass wir gefühlt nichts über die Tiefsee wissen, ist eigentlich perfekt für Geschichtenerzähler jeder Art. Und dennoch wundert es mich, dass wir nicht noch mehr Tiefsee-Monster-Filme haben. Hai-Filme zähle ich nicht – außer „The Meg“ vielleicht, der ging ja zumindest ein bisschen in die Richtung „unerforschte Tiefsee“. Anfang diesen Jahres kam ein Film in die Kinos, der sich dem Thema Tiefsee ganz besonders widmen wollte: „Underwater“ von Regisseur William Eubank. Da mir der in den ersten Trailern aber zu sehr wie „Alien“ – nur eben unter Wasser aussah, war ich damals skeptisch und hole den Film erst jetzt nach.

Die Kepler-822-Station wurde direkt auf dem Grund des Marianengrabens gebaut und soll hier für Tian Industries als Forschungs- und Bohrstation dienen. Was die da unten genau forschen, erfahren wir aber nie so richtig. Denn schon zu Beginn des Films erschüttert ein schweres Beben die Station. Die Ingenieurin Norah (Kristen Stewart) schafft es gerade noch, sich und ein paar ihrer Kollegen zu retten. Leider hören die Beben nicht auf, die Station droht komplett zerstört zu werden. Mit Hilfe von Captain Lucien (Vincent Cassel) will die Truppe von Überlebenden zum Mittelpunkt der Station, um dort an die Oberfläche zu kommen. Leider müssen sie dafür ins Wasser… und werden hier prompt von unheimlichen Wesen gejagt.

„Underwater“ ist wirklich ein bisschen sehr „Alien“ unter Wasser. Statt der Weyland Corporation haben wir eben Tian Industries. Statt einer Raumschiff-Besatzung haben wir eben Unterwasser-Forscher. Statt Ellen Ripley haben wir Norah Price. Statt dem Xenomorph haben wir Unterwasser-Viecher. Statt dem Kater Jones haben wir in „Underwater“ einen Plüschhasen, der wichtig ist. Ansonsten muss sich Eubank schon sehr damit abfinden, dass man seinen Film immer auch ein bisschen mit „Alien“ vergleichen wird.

Ein Vergleich, der manchmal aber auch für „Underwater“ spricht. Wie gesagt, ich mag dieses Unterwasser-Szenario… und Eubank schafft es durchaus, in den dunklen, halb zerstörten Gängen der Kepler-Station oder in der „Weite“ der Tiefsee, in der man nicht sonderlich weit schauen kann, für Spannung zu sorgen. Ähnlich wie es Scott mit seinem Alien gemacht hat, lungern auch bei Eubank die Monster lange für uns im Dunkeln. Greifen blitzartig an und sind dann wieder verschwunden. Da macht „Underwater“ durchaus auch mal ein bisschen Spaß.

Warum Kristen Stewart aber in Anlehnung an Sigourney Weavers Höschen-Look am Ende von „Alien“ die ganze Zeit nur in Slip und BH rumlaufen muss, während Jessica Henwick als zweite Frau im Team sich immerhin mit einem großen T-Shirt bedecken darf, hat sich mir nicht so ganz erschlossen. Ich hatte echt das Gefühl, dass William Eubank wirklich sehr viel Freude daran hatte, seinen Zuschauern immer und immer wieder die halbnackte Kristen Stewart zu zeigen.

Das größere Problem ist aber dann doch die Handlung selbst. Während Ridley Scott in „Alien“ eine geheimnisvolle Geschichte mit dem Wrack des Raumschiffes erzählt und uns da auch visuell mehr als genug gibt, um das alles in uns aufnehmen zu können, gibt uns Eubank nichts. Wir können nur natürlich davon ausgehen, dass die Bohrungen etwas in der Erde geweckt haben. Aber das war’s. Das ist sehr schade, was offensichtlich auch Eubank geschnallt hat, weswegen er im Nachhinein versuchte, seine Monster cooler wirken zu lassen.

Er stellte in Interviews immer wieder klar, dass – ACHTUNG, leichter Spoiler – das große Hauptmonster, das wir in „Underwater“ zu sehen bekommen, wirklicht Cthulhu sein soll. Also jener schlafende Gott aus H.P. Lovecrafts Geschichten… an sich ja eine nette Idee (und tatsächlich sieht das Viech ganz in Ordnung aus), nur hätte ich mir dann eher gewünscht, dass der Film mehr auf Lovecraft an sich ausgerichtet worden wäre.

So wirkt es, als wolle Eubank seinem Film mehr Bedeutung zu schreiben als er wirklich hat. Zumal sich der Film an sich auch anfühlt, als könnte er ohne Problem in das „Cloverfield“-Universum gehören. Nach „Cloverfield Paradox“ jetzt also in der Tiefsee – hätte auf jeden Fall mehr Sinn ergeben als die Lovecraft-Nummer.

Insgesamt ist „Underwater“ halt einfach nur okay. Groß ausgebaute Charaktere darf man nicht erwarten, obwohl mit Stewart, Cassel und auch Henwick Schauspieler dabei sind, die das durchaus hinbekommen hätten. Der Horror-Anteil ist nett, aber so richtig Spannung kommt auch nur bedingt auf. Alles leider nur so lala…

Wertung: 4 von 10 Punkten (an diesem Film ist definitiv nicht wirklich viel Lovecraft’scher Horror)

5 Kommentare leave one →
  1. 2. September 2020 18:44

    Ich fand ihn glaub ich ein wenig besser als du. Und kam er nicht statt in die Kinos gleich auf Dvd raus? Oder verwechsel ich den wieder?

    • donpozuelo permalink*
      2. September 2020 22:01

      Ich glaube, der kam noch regulär ins Kino. Der lief, meine ich, Ende Januar an.

    • 13. September 2020 11:17

      Ja, der war bei uns noch kurz (eine Woche) im Kino. Dann aber schnell wieder raus.

  2. 13. September 2020 11:19

    Für mich hätte es den Alien-Ansatz gar nicht gebraucht. Ein Setting ähnlich „Gravity“, in dem man einzig das Ziel hat, die rettende Basis zu erreichen, wäre vollkommen ausreichend gewesen. Die Tiefsee ist ja auch schon ohne ‚Aliens‘ gefährlich genug.

    • donpozuelo permalink*
      13. September 2020 19:34

      Stimmt. An „Gravity“ habe ich noch gar nicht gedacht. Das wäre tatsächlich sehr viel cooler gewesen. Aliens oder gar Lovecraft’sche Monster hätte ich wirklich nicht gebraucht.

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