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Random Sunday #37: I’m thinking of ending things

30. August 2020

Ich habe den Zwang, dass ich es irgendwie schaffen muss, bei für mich interessanten Filmen oder Serien, die auf Büchern basieren, die Bücher zuerst lesen zu müssen. Manchmal klappt das nicht so ganz, aber zum Beispiel im Fall von „The Witcher“ war das nicht so tragisch, weil ich noch mehr als genug Zeit vor Staffel 2 hatte, um alles aufzuholen, was Andrzej Sapkowski so geschrieben hat. Aber generell lese ich die Bücher zu Adaptionen immer lieber vorher als nachher. Als ich mitbekam, dass Charlie Kaufmans neuester Film Anfang September auf Netflix gezeigt wird, war mir klar, dass ich das Buch, das als Vorlage diente, vorher noch lesen muss. Wenn es ein Buch ist, das ein Charlie Kaufman als würdig ansieht, es zu adaptieren, muss das Buch schon etwas ganz Besonderes sein. Immerhin ist Kaufman selbst ziemlich bewandt im Schreiben (wenn man sich mal so die Filme anschaut, die auf seinen Skripten basieren). Deswegen musste ich ganz, ganz schnell – noch vor dem Gucken des Trailers – Ian Reids Debütroman „I’m thinking of ending things“ lesen. Und was soll ich sagen? Das Buch hat mich so sehr gefesselt, dass ich es an einem Tag durchhatte.

„I’m thinking of ending things“, so fängt die uns namentlich unbekannte Erzählerin ihre Geschichte an. Sie befindet sich gerade auf dem Weg zu den Eltern ihres Freundes Jake. Lange sind die Beiden noch nicht zusammen, aber es gab so eine „Connection“, die sie sehr schnell aneinandergebunden hat. Als die Zwei dann nach einer langen Fahrt im Haus von Jakes Eltern ankommen, kommen der Erzählerin nur noch mehr Zweifel… und ein Gefühl des Unwohlseins breitet sich in ihr aus – ohne dass sie genau sagen könnte, was es ist.

„I’m thinking of ending things“ ist eigentlich ein Roman, über den man nicht zu viel wissen sollte. Deswegen halte ich es auch wirklich sehr schwammig. Autofahrt zu den Eltern muss in diesem Fall leider erstmal reichen. Dazu muss ich dann auch sagen, dass der Anfang vielleicht ein wenig irritierend wirken mag. Dafür, dass man jetzt eigentlich einen Thriller in der Hand hat, liest sich das Ganze schon fast wie ein philosophisch-psychologisches Liebesdrama, in dem im Auto nur über Beziehungen gesprochen werden. Angetrieben durch ihre Überlegung es zu beenden, lenkt die Erzählerin die Themen immer wieder auf den Unterschied zwischen Allein-sein und Zusammen-sein. Sie diskutiert mit Jake, wie viele Geheimnisse eine Beziehung haben darf und erörtert für sich selbst ihr Leben vor Jake und mit Jake. Hier wird Ian Reid dann halt recht philosophisch. Manchmal hatte ich wirklich das Gefühl, er hat irgendein Handbuch für Paare gelesen und das in seinem Roman verarbeitet.

Aber erstaunlicherweise wirkte das Ganze auf mich nie erschwerend. Im Gegenteil, es baute beide Charaktere ziemlich gut auf und dank Reids recht flottem Schreibstil rast man selbst durch diese langen Diskussionen ziemlich gut durch. Verwirrend wird das Ganze dann – verwirrend in einem guten Sinne, wohlgemerkt – weil ab und zu die Handlung von sehr kurzen Kapiteln unterbrochen werden, in denen sich zwei Personen über einen Vorfall unterhalten, der aber nichts mit dem zu tun hat, was wir gerade erleben. Damit wirft Reid schon mal erste Thriller-Rätsel-Stücke in den Raum…

… mit der Ankunft auf der Farm von Jakes Eltern zieht Reid dann aber das Tempo noch straffer an. Jetzt beginnt „I’m thinking of ending things“ merkwürdig zu werden. Merkwürdig auch wieder im positiven Sinne. Seine Eltern verhalten sich merkwürdig, die ganze Farm ist merkwürdig. Im Keller findet unsere Erzählerin merkwürdige Bilder, die Jakes Mutter zeichnet…

Auf einmal wirft der Roman mehr Fragen auf, als das er uns antworten liefert. Erste Zweifel an der ganzen Geschichte tauchen auf… und die Spannung wird unerträglich. Hier erweist sich Reid dann erstaunlich gut darin, diese Spannung bis zum Schluss konstant aufrecht zu erhalten. Er schafft es, die Angst der Erzählerin vor ihrer Umgebung, vor Jakes Eltern, vor Jake selbst so gut in Worte zu fassen. Ich konnte das Buch einfach nicht mehr weglegen.

Am Ende liefert der Roman uns einen spannenden Twist, den – zugegeben – man schon früher etwas erahnen kann. Aber selbst diese Ahnung ist immer wieder von Zweifeln umgeben. „I’m thinking of ending things“ ist damit aber tatsächlich mal die Art von Roman, die man unbedingt ein zweites Mal lesen sollte. Ich glaube, dann rückt alles in eine ganz andere Perspektive.

Mich hat Ian Reids Debüt auf jeden Fall wahnsinnig gut unterhalten… und jetzt bin ich gespannt auf Charlie Kaufmans Filmversion. Der Trailer sieht schon mal verdammt gut aus, sodass ich guter Dinge bin.

3 Kommentare leave one →
  1. 6. September 2020 10:52

    Das geht mir ähnlich mit dem „Buch vor der Adaption lesen wollen“. Aber bei einem großen Bruchteil bleibt es ja dann doch beim „wollen“ – es gibt einfach so viele. „Dune“ wollte ich bspw. mal als nächstes anfangen bevor Villeneuve dann mit der Verfilmung ums Eck kommt. Bisschen Zeit habe ich ja noch …
    Und das hier klingt auch sehr spannend! Bisher sagte mir nur der Titel was und das Charlie Kaufman das adaptiert ist ja wirklich nochmals sehr vielversprechend. Das Buch zu lesen schaffe ich wohl nicht mehr, habe aber jetzt wenigstens den Film auf dem Radar – danke!

    • donpozuelo permalink*
      6. September 2020 13:25

      „Dune“ ist echt toll… aber du hast da ja eigentlich auch Glück. Villeneuve verfilmt ja nur die erste Hälfte des ersten Romans. Dir bleibt also genug Zeit. Die Trilogie wollte ich mir aber auch noch vornehmen.

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