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Filmreise Etappe #45: Sweet Transvestite from Transexual, Transylvania

28. August 2020

Diese Filmreise ist in vielen Bereichen auch immer wieder eine Reise an die von mir noch unerforschten Gebiete der Filmwelt (was ja auch ein bisschen Sinn und Zweck dieser ganzen Reise sein soll – es wäre ja langweilig, immer nur dorthin zu gehen, wo man schon zig tausend Mal gewesen ist). Viele neue Dinge habe ich vor allem in der Aktiv-Urlaub-Kategorie kennengelernt. Aber auch jetzt auf der Konzertreise sehe ich so einige Sachen, die ich vorher nicht kannte. Wie zum Beispiel vor kurzem „The Red Shoes“ – ein großartiger Film, den ich so ohne weiteres aber wahrscheinlich nie geguckt hätte. Jetzt im Musical-Bereich stand für mich aber fest, auch hier muss ich was Neues erleben. Ich bleibe bei der Extravaganz eines Baz Luhrmann, aber potenziere sie mal tausend… und wage mich endlich mal daran, mir das soooo gefeierte Musical „The Rocky Horror Picture Show“ anzuschauen – ein Film, der schon seit Jahren als Blu-ray in meinem Regal Staub sammelt.

Das frisch verlobte Pärchen Janet (Susan Sarandon) und Brad (Barry Bostwick) kommen eines Nachts vom Weg ab. Als ihr Wagen einen Platten hat, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als Hilfe in einem alten Haus anzufragen. Doch dort treffen sie auf eine sehr merkwürdige Gesellschaft… die angeführt wird von dem offensichtlich verrückten Wissenschaftler Dr. Frank-N-Furter (Tim Curry). Frank-N-Furter ist gerade dabei, sein Frankenstein’sches Monster Rocky Horror (Peter Hinwood) zum Leben zu erwecken… doch wie Janet und Brad feststellen müssen, steckt noch sehr viel mehr hinter Frank als nur ein verrückter Wissenschaftler.

Mir war vorher bewusst, was für ein Kult-Following dieser Film hat. Es gibt ja Vorstellungen, da spielen die Zuschauer die Handlung des Films vor der Leinwand in Kostümen nach (etwas, was ich gerne mal sehen würde – jetzt, wo ich den Film kenne). Selbst in der ersten Staffel von „Sex Education“ machen sich Otis und Eric ja in Strapse und Make-Up auf den Weg zu einem Screening von „Rocky Horror Picture Show“. Dieser Film ist Kult, allein weil man auch ohne ihn gesehen zu haben, schon so viel über ihn weiß. Er ist ein Popkultur-Phänomen geworden, das jeder kennt – genau so wie jeder weiß, wer Voldemort ist oder wessen Papa Darth Vader in Wirklichkeit ist. So etwas schaffen nicht all zu viele Filme, aber „Rocky Horror Picture Show“ gehört definitiv zu diesen echten Kultfilmen dazu – auch wenn ihn anfangs niemand sehen wollte (was aber mittlerweile dazu gehört, um ein wahrer Kultfilm zu sein – echte Kunst wird anfangs ja nur selten gewürdigt).

„Rocky Horror Picture Show“ wird seinem Hype aber irgendwie auch gerecht. Der anfängliche Flair eines Horror-Films, der irgendwie am Haus einer alternativen Addams-Family endet, in dem alles zu einem sehr extravaganten Musical wird und sich am Ende herausstellt, dass die da alle irgendwie Außerirdische sind, ist eine herrlich irre Mischung. Der Film springt auch erstaunlich unbemüht von einem Genre zum nächsten. Dabei ist das Ganze irgendwie aber auch nie so richtig ein Film. Ohne, dass das jetzt abwertend klingt, aber die Handlung ist halt komplett Banane. Der Film ist mehr eine Aneinanderreihung skurriler Ereignisse und Musik-Nummern, getaucht in ein bisschen Frankenstein und Sci-Fi.

Aber man muss es Regisseur Jim Sharman und Autor des Ganzen, Richard O’Brien, schon lassen – Langeweile kommt deswegen nie auf. Letztendlich sind es einfach dieses Flair, diese Musik und die Darsteller, die „Rocky Horror Picture Show“ zu einem Erlebnis machen, das ich selbst auf der Couch ein wenig hin und her wippen musste. Ich liebe diesen Rockabilly-Sound der 50er Jahre… Also die Songs sind großartig. Schon „Dammit Janet“ recht früh am Anfang ist super, Meatloafs kurzer Auftritt als Eddie mit „Hot Patootie“ oder natürlich der „Time Warp“. Der Soundtrack zu diesem Film ist einer der absoluten Stars!

Neben Tim Curry selbstverständlich. Alle anderen sind auch irgendwie toll, aber Tim Curry scheint in Strapsen und Korsett die Zeit seines Lebens zu haben. Während Susan Sarandon mir manchmal ein wenig auf die Nerven ging, war ein Tim Curry immer „on point“. Sein Frank-N-Furter ist der perfekte Mix aus teuflischem Verführer, irrem Wissenschaftler und Egomane. Curry ist hier wirklich die Wucht in Tüten – und ohne seine Strahlkraft würde dieser Film in sich zusammenfallen. Aber zum Glück hat „Rocky Horror Picture Show“ eben Tim Curry und deswegen ist alles gut.

Der Film ist schräg, schräger und noch schräger. Aber es funktioniert. Tolle Musik, tolle Kostüme, tolles Setting (dieses Haus mit all seinen Räumen ist auch echt verdammt sehenswert) und ein toller Tim Curry – was will man mehr? Naja, den Film vielleicht wirklich mal mit Publikum auf der Leinwand zu sehen…

Wertung: 9 von 10 Punkten (kultiger Trash mit einem großartigen Tim Curry und toller Musik)

4 Kommentare leave one →
  1. Ma-Go permalink
    28. August 2020 13:12

    Let’s do The Time Warp Again! 🕺🏻

    • donpozuelo permalink*
      28. August 2020 13:51

      Oh ja… It’s just a jump to the left

      • Ma-Go permalink
        28. August 2020 15:09

        and then a step to the right,
        with your hands on your hips,
        and bring your knees in tight!

        Oh Mann. Keine Ahnung wie oft ich den Film (und das Musical) schon gesehen habe. 😂🙈

        • donpozuelo permalink*
          28. August 2020 16:06

          But it’s the pelvic thrust
          That really drives you insane.

          🤣🤣🤣

          Den werde ich mir auch öfter anschauen. Ich würde da ja echt gerne mal bei so einem Kinoscreening dabei sein. Alles was ich bisher darüber gelesen habe, klingt sehr witzig

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