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Stiller Wolf und Lautes Nichts

26. August 2020

Im Rahmen der großangelegten Filmreise-Challenge, der ich mich mittlerweile schon seit September 2019 widme, habe ich letztens nach Jahren „Tiger & Dragon“ mal wiedergesehen. Dabei ist mir dann im Laufe des Schreibens aufgefallen, dass dieser Film eine Fortsetzung hat. Die entstand 16 Jahre nach Ang Lees Film und heißt: „Crouching Tiger, Hidden Dragon: Sword of Destiny“. Klangvoller Titel, nicht wahr? Ang Lee, Regisseur des ersten Films, hat mit dieser Fortsetzung aber nichts mehr am Hut. Was schon immer kein gutes Zeichen ist. Für den Film sprach dann aber die Tatsache, dass Michelle Yeoh dabei ist, die ihre Rolle der Schwertmeisterin Xiu Lan wieder aufnahm. Und Regisseur Yuen Woo-ping war beim ersten Film immerhin als Stunt-Koordinator mit dabei. Also sind schon noch Menschen für die Fortsetzung verantwortlich gewesen, denen der ersten Teil in gewisser Weise am Herzen lag. Das sprach für „Sword of Destiny“, aber leider war das fertige Produkt dann sehr enttäuschend.

Der Film spielt 18 Jahre nach den Ereignissen von „Tiger & Dragon“. Schwertkämperin Xiu Lan (Yeoh) reist nach Peking, um an einer Trauerfeier teilzunehmen. Dort sieht sie dann auch wieder dem berühmten Schwert ihrer verstorbenen Liebe Li Mu Bai… und wird einmal mehr in einen Kampf um das Schwert verwickelt. Dieses Mal möchte der Kriegsherr Hades Dai (Jason Scott Lee) das Schwert in seinen Besitz kriegen, um damit seine Herrschaft auszuweiten. Mit Hilfe des Kämpfers Stiller Wolf (Donnie Yen) und seiner Gruppe von Kämpfern stellt sich Xiu Lan Hades in den Weg.

„Sword of Destiny“ ist – mit einem Wort gesagt – langweilig. Es ist leider wirklich so. Da ist viel Lärm um Nichts, wie Regisseur Yuen Woo-ping auch nicht das Feingefühl und Gespür für Charakter-Momente hat wie Ang Lee. Seine Charaktere bleiben flach und eindimensional. Sie waren einfach da, weil die Geschichte sie brauchte. Der Böse ist ein böser Eroberer, der böse ist. Die anderen sind gut, weil sie einfach von Herzen gut sind und die Würde eines alten Meisters ehren wollen. Es wird zwar viel von Ehre und Stolz und was nicht alles gesprochen, aber es überträgt sich nie so richtig auf die Charaktere.

Leider geht mein Genörgele dann weiter, wenn ich über die Action an sich sprechen muss. Während das bei Ang Lee wirklich ein anmutiges Ballett gewesen ist, wirkt es bei Yue Woo-ping leider wie ein Dorftanz. Da ist zwar immer noch eine Art von Choreografie zu erkennen, aber es hat nicht mehr den Anmut des Vorgängers. Die wirbeln hier auch noch wie wild durch die Luft, aber alle zwei Minuten müssen Bewegungen dann in Zeitlupe gezeigt werden. Das reißt zu oft aus den an sich schon coolen Kämpfen und konzentriert sich zu exhibitionistisch auf Einzelelementen anstatt wie Ang Lee das große Ganze zu feiern.

Michelle Yeoh wirkt dabei eher ziemlich gelangweilt. Donnie Yen gibt immerhin einen guten Lone-Swordsman ab, der aber sehr schnell Anführer einer Gruppe von Charakteren wird, von denen ich keinen einzigen mehr benennen könnte. Die sind halt leider wirklich nur als Grundrauschen für die Kämpfe da und das ist schade. Denn hier sind schon Könner am Werk, die auch was zu bieten haben. Nur als Charaktere sind sie langweilig.

„Sword of Destiny“ hat nur den Vorteil, das „Tiger & Dragon“ mit im Titel zu haben. Ansonsten hätte sich nach diesem Film wahrscheinlich auch kein Mensch umgedreht. Er ist jetzt auch nicht schlecht, aber die Story ist eher lahm, die Charaktere sind es auch und die Action ist zwar schon okay, aber längst nicht so beeindruckend wie im Vorgänger. Alles in allem eine Fortsetzung, die niemand gebraucht hat.

Wertung: 4 von 10 Punkten (nette Kämpfe in einer langweiligen Story)

2 Kommentare leave one →
  1. 26. August 2020 15:21

    Okay, anscheinend kein ausreichender Grund für ein Netflix-Abo. Puh! 😉

    • donpozuelo permalink*
      26. August 2020 18:19

      Nein. Leider überhaupt nicht. Diese Fortsetzung ist leider echt überflüssig.

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