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Random Sunday #36: Die Therapie

23. August 2020

Schon lange wollte ich mir mal einen Roman von Sebastian Fitzek vornehmen. Der Mann gilt ja als einer von Deutschlands besten Thriller-Autoren, dessen Bücher immer Bestseller sind. Richtig rangetraut habe ich mich aber nie, weil ich trotz all des Hypes um Fitzek auch wieder und wieder kritische Stimme hörte, die meinten: „Naja, so gut ist der nun auch wieder nicht!“ Aber es ist, wie es immer ist, wenn es um Hypes geht: Es macht mich neugierig… und so wollte ich doch wenigstens einmal wissen, ob der gute Herr Fitzek seinem eigenen Hype gerecht wird. Dafür habe ich mir dann mal seinen Debüt-Roman „Die Therapie“ geschnappt (ein guter Freund von mir meinte, wenn ich den gelesen habe, dann habe ich die Blaupause für alle anderen Fitzek-Romane, sprich: Gefällt mir der erste Roman, könnten mir auch seine anderen Bücher gefallen).

Als seine zwölfjährige Tochter Josy bei einem Arztbesuch spurlos verschwindet, bricht für den renommierten Berliner Star-Psychiater Viktor Larenz alles zusammen. Vier Jahre nach dem Verschwinden stimmt Larenz, der inzwischen seine Praxis aufgegeben hat, einem Interview für ein Klatschmagazin zu. Um sich darauf vorzubereiten, zieht er sich auf die Insel Parkum zurück. Sein Aufenthalt dort wird nicht nur von einem Sturm gestört, sondern von einer mysteriösen jungen Frau namens Anna, die eines Tages vor seiner Tür auftaucht. Anna ist Kinderbuchautorin mit Schizophrenie… und erzählt Viktor von Charlotte, einer für sie lebendig gewordenen Figur aus einem ihrer Bücher. Charlotte weist dabei Ähnlichkeiten mit Josy auf, weswegen sich Viktor auf eine Therapie mit Anna einlässt.

Tja, wie soll ich es sagen: Nach diesem Roman war es das für mich mit Fitzek. „Die Therapie“ hat mich einfach nicht begeistern können. Dabei ist Fitzek nicht schlecht, aber irgendwie unspektakulär. Was er gut macht, ist Tempo erzeugen. Ähnlich wie schon Dan Brown verwendet Fitzek kurze Kapitel, die gerne mal mit einem Cliffhanger enden. Anders als Dan Brown löst Fitzek dieses Rätsel aber schon direkt im nächsten Kapitel wieder auf. Bei Brown musste man sich immer aufgeregt erst noch durch einen anderen Story-Strang lesen, bevor man die Auflösung bekam. Ist jetzt auch nicht glorreich clever, aber hält die Spannung doch etwas besser als Fitzek, der direkt weitermacht.

Aber man liest das Buch so halt ziemlich schnell… was auch daran liegt, dass Fitzek jetzt kein sonderlich großer Sprachkünstler ist. Was mich irgendwann, ehrlich gesagt, ziemlich gelangweilt hat. Seine Sprache ist sehr, sehr simpel. Meist werden hier einfach nur brav Hauptsätze an Hauptsätze gereiht, größere Ausführungen vermeidet Fitzek. Gerade bei einem Thriller, der mich mit Mysterien bei Laune halten soll, ist Fitzek mir da einfach zu einfach gestrickt – zumal er auch brav einfach nur Klischee an Klischee klatscht. Seine Insel im Sturm mit dem einsamen Mann in der einsamen Hütte ist vielleicht bildlich nett gedacht, aber Fitzek macht da nichts draus. Genauso gut hätte diese Handlung, dieses Gespräch mit Anna, auch an jedem anderen Ort spielen können. Fitzek nutzt diese Umgebung nicht aus. Er möchte zwar gerne Paranoia in uns aufbauen, in dem Viktor Larenz alles hinterfragt, was ihm passiert, aber das greift einfach nicht über – zumindest bei mir nicht.

Fitzek fordert seinen Leser in seinem ersten Roman nicht heraus. Gerade wenn man schon ein paar Thriller hinter sich hat, bietet „Die Therapie“ keine Überraschungen mehr. Dazu kommt, dass einem dieser Viktor Larenz nicht egaler sein könnte – und das obwohl er so schlimm vom Schicksal getroffen wurde. Aber die Figur selbst wirkt schon von der ersten Seite an unwirklich: der Star-Psychiater mit seinem geerbten Vermögen und Riesen-Anwesen in Berlin, dem feinen Wochenend-Bungalow und der Häuschen auf Parkum. So wirklich lernt man diesen Typen einfach nicht kennen – Fitzek interessiert sich mehr für Oberflächlichkeiten, beschreibt uns seine Mode, sein Auto und sonst was, den Charakter Larenz müssen wir uns selbst zusammentüfteln. Da der aber im Mittelpunkt der Geschichte steht, verliert Fitzek mich schon zu Beginn seiner Geschichte.

Naja… es war ein Versuch wert, jetzt kann ich ein bisschen mitreden. Aber den Hype um Fitzek verstehe ich trotzdem nicht.

9 Kommentare leave one →
  1. 23. August 2020 17:50

    So ein Mainstream-Hype hat ja meist nicht viel zu bedeuten. Schau dir die erfolgreichsten Filme im Kino in Deutschland an – das hat jetzt nicht unbedingt was mit Innovationen, Ambitionen oder ausgeprägter Qualität zu tun.

    • donpozuelo permalink*
      23. August 2020 21:38

      Das stimmt. Aber bei Fitzek hält sich dieser Hype ja ziemlich wacker. Das finde ich halt so faszinierend. Irgendwas muss ja an ihm dran sein… hat sich mir nur nicht offenbart

  2. 24. August 2020 08:35

    Ich hab mich auch mal mit Passagier 23 an Fitzek herangetraut. Für mich das ähnliche Resümee: zu viele Klischees, zu wenig Tiefgang, zu viel Gehetzte von spannender Szene zu spannender Szene. Auch wenn mich das Ende noch überraschen konnte, werde ich wohl keinen weiteren Fitzek anrühren

    • donpozuelo permalink*
      24. August 2020 09:54

      Hahaha… kann ich gut nachvollziehen. Naja, zum Glück gibt es ja noch viele, viele andere gute Thriller-Autoren.

      • 27. August 2020 20:19

        Hast du nen Favoriten?

        • donpozuelo permalink*
          28. August 2020 07:10

          Tatsächlich ja, auch wenn ich schon lange nicht mehr so viele Thriller an sich lese. Aber ich liebe die Charlie-Parker-Reihe von John Connolly. Der mischt ziemlich gekonnt Thriller mit Mystery-Elementen, was mir wirklich gut gefällt.

          Zuletzt habe ich Ian Reids „I’m thinking of ending things“ gelesen, der auch ein ziemlich starker Thriller war. Anfang September kommt dazu auf Netflix die Verfilmung von Charlie Kaufmann

  3. 4. September 2020 20:45

    Die Therapie habe ich glaube ich als Teenager gelesen – so mit unter 18 oder so. Und fand es mega spannend. Kurze Zeit darauf habe ich einen weiteren Fitzek gelesen, fand den schon so ein bisschen mäh und hab dann recht bald die Finger davon gelassen. Was mich damals gestört hat, weiß ich schon gar nicht mehr. Ich glaube ich fand es zu „reißerisch“ und gewollt. Vor vier oder fünf Jahren habe ich nochmal den Knall bekommen und einen Fitzek zur Hand genommen – ging gar nicht. Aus all den Gründen die du oben aufgezählt hast. Als Lese-Einstiegsdroge geht das ganz gut. Das muss man ihm zugute halten – er kann denke ich die Faszination zum Spannungsroman fördern. Aber als gereifterer Leser ist das nix nee … hätte mich jetzt auch echt gewundert, wenn du sagst „Das ist meins“.
    Und dein Kumpel hat recht – in allen drei Romanen die ich von Fitzek bisher gelesen habe war es genau gleich. Kurze Kapitel, an jedem Kapitelende eine „Offenbarung“/ein Cliffhanger oder irgendeine irre bedeutungsschwangere Andeutung.

    • 4. September 2020 20:46

      Mit gereifterer Leser meine ich übrigens nicht alt 😀 … sondern belesen …

    • donpozuelo permalink*
      4. September 2020 22:20

      Ja… das mit dem gereiften Leser stimmt. Je mehr man gelesen hat, desto mehr fällt einem auf, wo Fitzek seine „Inspirationen“ her nimmt.

      Aber ja, Fitzek war nicht mein Fall…

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