Zum Inhalt springen

Filmreise Etappe #44: Spectacular Spectacular

21. August 2020

Baz Luhrmann ist ein gewissenhafter Regisseur, der sich voll und ganz in seine Projekte stürzt. Was bei der Art seiner Filme auch dringend nötig ist. Luhrmann fährt nämlich dick auf. Und hat das zu seinem Markenzeichen gemacht. Man weiß ganz genau, was für eine Film man erwarten kann, wenn man sich einen Baz-Luhrmann-Film anguckt. Bombast und Stil gehen hier Hand in Hand, die Handlung ist – egal, ob der Film nun Musical ist oder nicht – eng gebunden an die Musik. Wenn Luhrmann etwas auf die Leinwand bringt, ist es eigentlich immer großes Kino – man muss diese Opulenz aber auch wirklich mögen. Ich kenne viele, denen „The Great Gatsby“ einfach viel zu viel war, die „Australia“ viel zu lang fanden oder die mit „Moulin Rouge“ nichts anfangen können. Doch gerade bei „Moulin Rouge“ blutet mir dann immer ein wenig das Herz. Ich bin jetzt nicht der größte Musical-Fan, aber Luhrmanns Ode an die Bohème liebe ich…

Wir schreiben das Jahr 1899. Wir befinden uns in Paris. Der junge Schriftsteller Christian (Ewan McGregor) ist in die Stadt der Künstler und der Liebe gereist, um Teil der Intellektuellen zu werden, um seinen großen Roman zu schreiben. Dabei gerät er an die Theatergruppe von Henri de Toulouse-Lautrec (John Leguizamo). Der ist dabei sein Theaterstück „Spectacular Spectacular“ von Moulin-Rouge-Betreiber Harold Zidler (Jim Broadbent) finanzieren zu lassen. Christian soll Henri beim Schreiben helfen… und dabei, Zidler zu überzeugen. Das ginge am besten mit Zidlers größtem Start Satine (Nicole Kidman). Leider hat das ganze Unterfangen zwei Probleme: Christian verliebt sich in Satine und sie sich in ihn. Dabei soll sie doch dem Duke (Richard Roxburgh) um den Finger wickeln, damit er alles finanziert.

Schon als ich das erste Mal „Moulin Rouge“ geguckt habe, war ich einfach hin und weg von diesem Spektakel. Und ja, mir fällt kein besseres Wort für diesen Film ein. Es ist ein Spektakel – ein opulentes, wildes Spektakel, das sich – obwohl wir schon zu Beginn wissen, wie es ausgehen wird – zu einer (zumindest für mich) sehr tränenreichen Tragödie entwickelt.

Bleiben wir mal beim Spektakel. „Moulin Rouge“ ist wie eine wilde Achterbahnfahrt von einem Film. Alles ist in grelle Farben getaucht, wir rasen teilweise mit schneller Schnittfolge durch das Geschehen. Alles unterwirft sich dem Beat der Musik. Wenn man Luhrmann in „Moulin Rouge“ Theatralik vorwirft, ist das noch untertrieben. Aber Luhrmann schafft es, diese Theatralik zu etwas Natürlichem werden zu lassen. Die Charaktere allein sind alle eigentlich ziemliche Klischees: Der fiese Duke, der dumm und bösartig ist; die zarte Satine, die gerettet werden muss; der junge Schriftsteller, der zum Helden wird; seine Sidekicks, die ihn wie Disney-Charaktere unterstützen (und dabei auch tatsächlich noch singen). Es ist alles irgendwie bekannt, aber Luhrmann setzt dem seine ganz eigene Note auf.

Die Sets sind einfach unglaublich, die Kostüme sind ein absoluter Hingucker und dann die Musik. Ich glaube, die Tatsache, dass „Moulin Rouge“ fast nur bekannte Songs von The Police, Madonna, Elton John, Marilyn Monroe, Nirvana, Queen, den Beatles und noch gefühlt zig anderen Interpreten nimmt, macht viel der Anziehungskraft des Films aus. Zumindest für mich. Luhrmann präsentiert uns in der Musik vertraute Klänge und macht sie doch zu etwas ganz Neuem. Die Tanzeinlagen und Shownummern sind brillant… und mein persönliches Highlight, der „Tango de Roxanne“ erwischt mich jedes Mal wieder heiß und kalt.

Weil das alles aber noch nicht ausreicht, hat Luhrmann auch die perfekten Stars für dieses opulente Musical gefunden: Wer hätte gedacht, dass Obi-Wan singen kann? Ich nicht, aber Ewan McGregor in dieser Rolle ist wunderbar. Ich mag ihn als leicht trotteligen Schriftsteller, der hier tapfer für seine Liebe kämpft. Ich leide jedes Mal mit ihm, wenn er in bester „Ein unmoralisches Angebot“ an seinen Gefühlen zerbricht. Nicole Kidman ist als Satine wahrhaftig zum Verlieben. Jim Broadbent ist einfach nur zum Knuddeln (und seine Version von „Like a Virgin“ großartig) und Richard Roxburgh herrlich hassenswert.

„Moulin Rouge“ drückt bei mir einfach alle richtigen Knöpfe. Ich weiß, der Film ist klischeebelastet ohne Ende, aber Scheiß drauf. Die Verpackung stimmt, der Inhalt stimmt, die Musik stimmt. Was will man da noch mehr?

Wertung: 10 von 10 Punkten (einer dieser Filme, den ich immer und immer wieder gucken könnte)

10 Kommentare leave one →
  1. 21. August 2020 08:01

    Bin ganz bei dir. Ich liebe diesen Film. Jeden seiner überbordenden Frames und jede seiner überladenen Songs.

    • donpozuelo permalink*
      21. August 2020 09:59

      Jaaaa… das ist schon gewaltig, was Luhrman hier inszeniert. Ein Fest für die Augen und die Ohren

  2. 21. August 2020 08:16

    Gratulation, ein Text der mir Lust auf einen Film macht, den ich bisher nicht sehen wollte, da ich mit Ausnahme von „Australia“ alles von Luhrmann überhaupt nicht mochte

    • donpozuelo permalink*
      21. August 2020 09:58

      Oh, dann bin ich ja mal gespannt, wenn du dir Moulin Rouge anguckst. Wirklich einer meiner Lieblingsfilme… das sage ich als jemand, der Musicals nicht unbedingt häufig schaut.

      • 21. August 2020 22:37

        Musicals ist bei mir so ne Sache. Ich liebe La La Land, West Side Story und Singin in the Rain, aber insgesamt bin ich da zwiegelspalten, Chicago fand ich beispielsweise nur solide.

        • donpozuelo permalink*
          22. August 2020 07:24

          Chicago fand ich auch nicht so gut. Ich bin auch kein zu großer Fan von La La Land. Singin in the Rain ist aber toll.

Trackbacks

  1. Der Fluch der Liebe | Going To The Movies
  2. Gefangener 24601 | Going To The Movies
  3. Filmreise Etappe #45: Sweet Transvestite from Transexual, Transylvania | Going To The Movies
  4. Filmreise Etappe #61: Capulets gegen Montagues | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: